24.10.2016, 14:55 Uhr

"Wir haben auf nichts verzichtet"

Marco, Elisabeth, Herbert Fruhmann, rechts vorne Raphaela, daneben ihr Freund Rafael und hinten links Marcos Freundin Julia. (Foto: Foto. privat)

Familie Fruhmann berichtet, wie die sechs Monate mit regionaler Ernährung verliefen.

KARL (EP). Das Burgenland bietet eine reichhaltige Palette an regionalen Produkten. Aber ist es auch möglich, sich über einen längeren Zeitraum ausschließlich von burgenländischen Lebensmitteln zu ernähren?
Die Bezirksblätter wollten es genau wissen und wagten mit sechs Familien dieses „regionale Experiment“. Sechs Monate lang kaufte Familie Fruhmann aus Karl ausschließlich regionale Produkte ein. Uns schilderten sie, wie es ihnen dabei ergangen ist, was sie daraus gelernt haben und ob sie diesen "Ernährungsstil" auch in Zukunft beibehalten werden.


Treibende Kraft

"Es war ein Wahnsinn, was wir während dieses Experiments von Verwandten und Bekannten an Lebensmitteln geschenkt bekommen haben. Egal ob Obst, Gemüse, selbst gebackenes Brot – wir haben vieles sogar vor die Tür gestellt bekommen", ist etwa Herbert Fruhmann begeistert. Viele Menschen hätten sogar angerufen und gefragt, ob sie etwas vorbringen dürften. "Ein Direktvermarkter aus Salmannsdorf hat uns seine Visitenkarte in die Tür gesteckt, wir haben viel erlebt in diesem halben Jahr– die Resonanz ist gewaltig."
Gattin Elisabeth sei die treibende Kraft hinter dem Experiment. "Die Kinder und ich sind die Nutznießer – wir haben das im positiven Sinn ausgenutzt." Aufgefallen sei der Familie, dass es heuer wenig Obst aus der Region gibt. "Das liegt aber an dem Spätfrost, der uns im Frühling erwischt hat. Wir werden trotzdem im Winter keine Weintrauben aus dem Supermarkt kaufen", so Elisabeth Fruhmann, die auch in Zukunft auf Regionalität Wert legen wird.


Tolles Netzwerk

Verzichtet hat die Familie auf kaum etwas in diesem halben Jahr. "Wir waren auch oft in Lokalen essen. Und ich muss sagen: Das heimische Angebot auf den Speisekarten ist durchwegs gut und hat uns sehr überrascht. Man muss nicht unbedingt ein argentinisches Rind essen", weiß Tochter Raphaela. Auch viele ihrer Freunde denken nachhaltig. "Ich habe eine Freundin, die vertreibt Öl und Milchprodukte ab Hof." Raphaela findet es auch gut, dass die Eltern diesen Ernährungsstil an sie und ihren Bruder weitergeben. "ich denke viel mehr nach, was ich einkaufe." Elisabeth Fruhmann hat sich in diesem halben Jahr ein tolles Netzwerk aufgebaut. "Wir waren im gesamten Burgenland unterwegs und haben viel Neues entdeckt." Leider sei es etwas teurer, sich regional zu ernähren. "Aber man kauft weniger und bewusster ein, und wirft deshalb auch weniger weg. Es liegt an der Gewichtung jedes einzelnen, ob er bereit ist, etwa für ein Ei das Doppelte zu bezahlen", so Herbert Fruhmann. Bei Elisabeth Fruhmann überwiegt das Gefühl, mit dem Experiment etwas bewegt zu haben. "Persönlich hat mich das große Interesse der Menschen gefreut. Und ich hoffe etwas dazu beigetragen zu haben, damit sich die Leute regionaler und bewusster ernähren."
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