Im Interview
Apotheker Norbert Windisch: "E-Rezept hat sich bewährt"

Apotheker Norbert Windisch, Schutzengel-Apotheke Großpetersdorf: Die Nachfrage nach Grippeimpfstoffen ist momentan sehr groß.
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Apotheker Norbert Windisch, Schutzengel-Apotheke Großpetersdorf, sprach mit den Bezirksblättern Oberwart über den Apotheker-Alltag in Zeiten von Corona und einen möglichen Impfschutz. 

BEZIRKSBLÄTTER. Die Apotheken haben sich im Frühjahr in Windeseile auf die Corona-Situation einstellen müssen. Mit einem Blick zurück, in wieweit hat sich der Alltag in Ihrer Apotheke verändert?
NORBERT WINDISCH. Die Corona-Krise hat die Umsetzung des E-Rezeptes (elektronische Rezept) beschleunigt. Das zuvor regional getestete Pilotprojekt wurde quasi über Nacht österreichweit in die Praxis umgesetzt. Grundsätzlich funktioniert das E-Rezept so, dass der Arzt dem Patienten kein Rezept in Papierform mehr mitgibt, sondern das Rezept online stellt. Der Patient kann dieses in jeder beliebigen Apotheke in ganz Österreich einlösen. Der Vorteil des E-Rezeptes lag im Frühjahr vor allem auch darin, dass ein Anruf beim Arzt reichte und man nicht in die Ordination gehen musste. So wurde auch die Ansteckungsgefahr in den Wartezimmern gemindert.

Was waren die größten Herausforderungen?
Im Nachhinein betrachtet, einerseits der Kundenansturm an den Tagen um den 13. März, der uns ähnlich wie den Lebensmittelhandel betroffen hat. Nachdem aber anscheinend alle Leute ihre Vorräte und Reserven aufgefüllt hatten, kehrte bald wieder Ruhe ein – insbesondere an den Nachmittagen herrschte eine Zeit lang gähnende Leere.
Andererseits war es nicht nur eine Herausforderung, sondern ein handfestes Problem, dass es einige Wochen lang so gut wie unmöglich war, Desinfektionsmittel und Schutzmasken aufzutreiben.

Was hat sich bewährt und wird auch über die aktuelle Corona-Krise hinaus beibehalten werden?
In dem Zusammenhang möchte ich nochmal das elektronische Rezept erwähnen.
Vor allem im Vollausbau dieses Projekts, im Moment existiert es als alternative Möglichkeit zum Papierrezept – wird es den administrativen Aufwand in der Apotheke verringern und den Arbeitsalltag, so es funktioniert, erleichtern.
Aus tagtäglichen Gesprächen mit meinen Kunden, möchte ich auch darauf hinweisen, dass deren Rückmeldungen bezüglich elektronischer, insbesondere telefonischer Verschreibung äußerst positiv sind.

Wonach fragen Kunden derzeit am meisten nach?
Nach Grippeimpfstoffen. An manchen Tagen läutet das Telefon beinahe im Minutentakt mit der Frage nach Grippeimpfstoffen. Tatsache ist allerdings, dass es jeden Winter einen neuen Grippeimpfstoff gibt, weil sich das Virus Jahr für Jahr verändert. Grippeimpfstoffe müssen jedes Jahr einige Monate vorher produziert werden. Da eine kurzfristige Nachproduktion seitens der Industrie nicht umsetzbar ist, kann auf eine kurzfristige erhöhte Nachfrage nicht reagiert werden. Produziert werden Jahr für Jahr etwa die Menge an Impfstoffen, die erfahrungsgemäß auch benötigt werden. In Österreich beispielsweise lassen sich üblicherweise etwa 8% der Menschen gegen die Grippe impfen. Kommen dann spezielle Faktoren wie heuer zusammen: Die erhöhte Impfbereitschaft, bedingt durch die Corona-Pandemie, und die österreichweite ungleiche Verteilung - Wien hat bekanntlich etwa 500.000 Grippeimpfstoffe aus dem Österreichkontingent aufgekauft – ist es leider ein Faktum, dass die Anzahl der Impfstoffe nicht ausreicht.

Wie verläuft aktuell, parallel zu Covid-19, die Influenza-Saison?
Diesbezüglich ist es im Moment sehr ruhig. Die Influenza-Saison erreicht ihren Höhepunkt erfahrungsgemäß meist im Zeitraum zwischen Ende Jänner und Ende Feber, wobei es heuer durchaus möglich wäre, dass die Influenza-Zahlen allgemein niedriger bleiben als in vergangenen Jahren. Der Grund hierfür ist ganz einfach der, dass all die Maßnahmen, die wir ergriffen haben, um uns vor Covid zu schützen – das Händewaschen bzw. Desinfizieren, Abstand halten, Mund-Nasen-Schutz tragen und Menschenansammlungen meiden – natürlich auch das Ansteckungsrisiko für die Virus-Grippe vermindern.

Werden Sie in der Apotheke auch Antigen-Schnelltests anbieten können?
Wir in Großpetersdorf können die Antigen-Schnelltests vor Ort in der Apotheke nicht anbieten, da wir weder das medizinische Personal haben das den Rachenabstrich machen kann bzw. darf, noch die geeigneten Räumlichkeiten dazu haben.

Welche Rollen könnten Apotheken bei der Covid-19-Impfung einnehmen?
Das wird sich zu einem gewissen Grad erst weisen. Mit aktuellem Wissensstand ist zwar davon auszugehen, dass mit dem Impfen relativ bald begonnen werden kann. Allerdings ist es so, dass einer der beiden vielversprechendsten Impfstoffen, die kurz vor der Zulassung stehen, nämlich jener der Firma Biontech/Pfizer, bis relativ kurz vor der eigentlichen Impfung bei etwa minus 70 Grad Celsius gelagert werden muss. Solange das tatsächlich so ist, wobei ich davon ausgehe, dass die Pharmaindustrie an diesem „Knackpunkt“ arbeitet, ergeben sich daraus natürlich logistische Herausforderungen beim Transport und der Lagerung des Impfstoffes. In Deutschland beispielsweise diskutiert man deswegen, dass eigene Impfzentren eingerichtet werden.

Zur Person:
Mag. Norbert Windisch leitet seit 1. Jänner 2014 die Schutzengel-Apotheke in Großpetersdorf. Davor war in den 9 Jahre lang als angestellter Apotheker in Oberwart tätig. Er absolvierte das Pharmaziestudium an der Universität Wien. Die erste Berufspraxis sammelte er ebenfalls in Wien, wo er eine Zeit lang neben dem Studium in einer Apotheke arbeitete.

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