Agromine-Projekt in Bernstein
BOKU erforscht Nickelgewinnung mittels Pflanzen in Bernstein

Markus Puschenreiter von der BOKU Tulln erntet mit seinen Studenten das mit Nickel angereicherte Mauersteinkraut in Bernstein.
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BERNSTEIN (kv). Markus Puschenreiter, Dozent an der Universität für Bodenkultur in Tulln, erforscht seit Juli 2016 ein Verfahren zur Nickelgewinnung aus dem Boden mittels Pflanzenbergbau (Phytomining).

Die Idee dahinter

Forscher haben herausgefunden, dass es Pflanzen gibt, die Metalle - und insbesondere Nickel - in ihren Blättern anreichern. Damit könnte man entweder Böden entgiften oder Metalle aus dem Boden gewinnen. Die Böden in Bernstein sind perfekt geeignet, um dieses Verfahren zu erforschen. "Durch die Gesteinsverwitterung des Serpentingesteins hat sich eine hohe Nickelkonzentration auf natürliche Weise im Boden angereichert. Das macht die Böden für die Landwirtschaft weniger ertragreich", erklärt Dozent Markus Puschenreiter, Experte für Bodenforschung.

Alternativkultur entwickeln

Das Projekt der BOKU Tulln wird von der Europäischen Kommission im Rahmen des LIFE-Programms gefördert und besteht auch eine Zusammenarbeit mit Albanien, Griechenland, Spanien, Frankreich und Belgien. "Gerade in Albanien und Griechenland gibt es große Flächen mit dieser Vegetation. In Österreich kommen solche Bodenbedingungen nur hier in Bernstein und im steirischen Murtal vor", so Puschenreiter.
Die Nickel-Konzentration in Bernstein im Boden beträgt rund 0,15 Prozent.

"Das ist eine extrem hohe Konzentration. Es würde viele Jahrzehnte dauern, bis dieser Wert durch das Phytomining weniger werden würde." (Markus Puschenreiter)

Ernte eingeholt

Im Rahmen einer Lehrveranstaltung und mit Unterstützung von Projektmitarbeitern wird das Projekt in Bernstein umgesetzt. Am Dienstag, den 9. Oktober 2018, erfolgte die Ernte des Mauer-Steinkrautes. Dieses wurde im Glashaus vorgezogen und dann in Bernstein angepflanzt.
"Diese Pflanze ist relativ trockenresistent, speichert Nickel sehr gut und erreicht eine entsprechende Größe", so der Dozent. Unterstützt wird die Projektgruppe von einem heimischen Landwirt, der nicht nur einen Teil seines Ackers zur Verfügung stellt, sondern auch selbst mitanpackt.

Nachhaltigkeit im Vordergrund

Das Nickel gewinnt man aus der Pflanze, indem man sie verbrennt. Aus dieser Biomasse kann zusätzlich Energie gewonnen werden. Das Metall wird extrahiert und die restliche Asche kann wiederum als Dünger dem Boden zurückgeführt werden, sodass sich der Kreislauf schließt.
Ziel des Universitätsprojektes ist die Effizienz und Wirtschaftlichkeit dieses Verfahrens über einen Zeitraum von vier Jahren zu untersuchen. Man geht der Frage nach, welche Erträge möglich sind, welche Düngervarianten am besten funktionieren und welche Pflanzenarten sich am besten eignen.

Nickel oder Nickelsalze

Aus der Pflanze kann man entweder Nickel oder Nickelsalze gewinnen. Letzteres hat den Vorteil, dass es bessere Anwendungsmöglichkeiten in der Industrie gibt und man erzielt mit dem Nickelsalz einen höheren Preis.
In der Technik dient Nickel beispielsweise als Überzugsmetall, da es korrosionsbeständig ist. Als Legierung wird Nickel in der Luftfahrt und bei Haushaltsgeräten genutzt.

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