So bio ist das Burgenland
"Mein großer Lehrmeister war immer die Natur"

Seit 2014 wird am Biohof Müllner biologisch gewirtschaftet.
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  • Seit 2014 wird am Biohof Müllner biologisch gewirtschaftet.
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Im Jahre 1984 fasste der gelernte Maurer Werner Müllner den spontanen Entschluss, seinen Kindheitstraum zu erfüllen und eine eigene Landwirtschaft zu gründen. Mit 4 Hektar begann er als landwirtschaftlicher Querdenker, heute ist er zusammen mit Tochter Katja der Pionier im Anbau von nachhaltiger Dammkultur.

WOLFAU. "Ich bin damals von Heute auf Morgen ins kalte Wasser gesprungen und habe über Lohnarbeiten für Landwirte am Feld Erfahrungen gesammelt. Mein großer Lehrmeister war immer die Natur", erinnert sich Werner Müllner. Nach und nach wurden dann eigene Felder gepachtet und bewirtschaftet. Heute gibt es zahlreiche kleinstrukturierte Äcker vom Biohof Müllner innerhalb der Ortschaft Wolfau. 

Alternative Landwirtschaft

Werner Müllner hat stets den Markt beobachtet und wollte Alternativen zu allgegenwärtigen Ackerkulturen bieten. Schon in der 90er Jahren hat er mit Sojaanbau begonnen, das in der damaligen Zeit noch eher selten in der Region zu finden war. Ab dem Jahr 2000 wurde nach weiteren Möglichkeiten abseits der Massenproduktion gesucht und mit Kürbis, Mohn, Saatmais- und Grassamenvermehrung experimentiert. Ab 2010 hat man Kümmel angebaut. Ebenso werde bis heute auf eine ganzjährige Begrünung der Felder gesetzt, da dies für das Leben der Mikroorganismen essentiell sei. 2018 wurden Mikroorganismen-Präparate auf den Feldern ausgebracht, um das Bodenleben zu fördern.

Neustart 2014

Nach einem Vollbrand der Lagerhalle 2014 nahm Familie Müllner den Neuanfang zum Anlass, endgültig offiziell auf bio umzusteigen. "Ich hatte es immer im Sinn und jahrelang überlegt, aber mich nicht recht getraut. Aus jetziger Sicht hätte ich es viel früher machen sollen, da ich schon immer nachhaltig und umweltbewusst gewirtschaftet habe." Seitens des Bio Austria Gütesiegels fand man den perfekten Ansprechpartner.

Online-Vermarktung

Seit 2014 hat sich die jüngste Tochter Katja an dem Bio-Betrieb beteiligt und unterstützt tatkräftig die landwirtschaftlichen Tätigkeiten am Hof. Eigentlich aus dem Grafikbereich kommend, ist sie heute Studentin der Agrarwissenschaften an der BOKU in Wien und gestaltet den Online- und Social Media Auftritt des Bio-Betriebes. "Im Frühjahr möchten wir gemeinsam mit dem Online-Direktvertrieb von Sojabohnen, Sojabohnenöl und Hanfnüssen beginnen. Eine Produkt-Ausweitung auf Hanföl, Popcorn, Weizen und Dinkel ist auch geplant. Die Verpackungen werden auch bewusst plastikfrei gewählt“, freut sich die junge Bio-Bäuerin.

Humusaufbau fördern

Für den Bio-Bauern und die Bio-Bäuerin sei der Aufbau von Humus der Hauptauftrag ihres Schaffens. "Weltweit wurde in den letzten 50 Jahren fatalerweise Humusabbau betrieben. Wo es früher in Europa ungefähr 4 Prozent waren, sind es heute nur mehr 2-2,5 Prozent Humusanteil in der Erde. Würde auf den Nutzflächen weltweit der Humusgehalt um nur 2% gehoben werden, wäre das CO2-Problem und die damit einhergehende Klimakrise gelöst“, geben die beiden zu denken.

„Jeder Organismus trägt Kohlenstoff in sich. Weil der Kohlenstoffhaushalt in der Welt durcheinander ist, ist das CO2, also das Kohlenstoffdioxid, auch so schädlich für uns, weil das Verhältnis aus dem Gleichgewicht ist. Humus ist in der Lage das CO2 im Boden langfristig zu binden. Man darf des Weiteren den Aspekt nicht vergessen, dass nicht nur die Bauern verantwortlich sind, sondern auch zB. jeder Gartenbesitzer dazu beitragen kann, den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, indem man ohne Chemie arbeitet. Bodenversiegelung ist ebenfalls ein enormes Problem", schildern die Werner und Katja Müllner die weiteren Gedanken zur Umwelt. 

Dammkultur

Das besondere am Biohof Müllner ist, das nicht auf flachen Feldern gewirtschaftet wird, sondern in sogenannter Dammkultur. Dies ist eine vergessene Vorgehensweise von früheren bäuerlichen Generationen, die viel mehr Oberfläche am Acker bietet. Durch die Dämme ergibt sich ein besserer Luftaustausch in der Erde und im Frühjahr findet eine schnellere Erwärmung statt. In der lockeren Struktur des Dammes fühlen sich Mikroorganismen und Bodenlebenwesen sehr wohl und treten vermehrt auf. Ein lebendiger Boden führe zu einer humusreichen Erde die wiederum Nährstoffe auf natürliche Art für die Kultur zur Verfügung stellt. Die Saat wird in Reihen auf den höchsten Punkt des Dammes gesetzt. Auch die mechanische Beikrautregulierung sei durch die Führung im Damm einfach durchführbar.

Die Bewirtschaftung mit Dämmen ermöglicht eine bessere Wasserspeicherkapazität des Bodens, denn die Form führt Wasser in tiefere Erdschichten. Wird mehr Wasser vorort gespeichert, werden die Wassergräben entlastet und die Gefahr von Hochwasser veringert. Das gespeicherte Wasser steht den Pflanzen später in Trockenperioden zur Verfügung. Die Pflanzen und Früchte gedeihen durch die dadurch verbesserte Aufnahme von Wasser und Nährstoffen.

Autor:

Eva Maria Kamper aus Oberwart

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