Interview der Woche
Oberwarterin Kristina Schranz über ihren Film "VAKUUM"

Kristina Schranz blickt auf ein gelungenes Dokumentarfilm-Projekt "VAKUUM" zurück.
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  • Kristina Schranz blickt auf ein gelungenes Dokumentarfilm-Projekt "VAKUUM" zurück.
  • Foto: Paul Pibernig
  • hochgeladen von Michael Strini

Die Oberwarter Filmemacherin Kristina Schranz begeisterte mit dem Corona-Film "VAKUUM".

OBERWART. Im Vorjahr drehte die Oberwarterin Kristina Schranz den Film "VAKUUM", der sich mit der Coronakrise während des ersten Lockdowns beschäftigt. Auf der Diagonale gelaufen, fand er großen Anklang.
Nach der Burgenlandpremiere im Dieselkino und weiteren zwei Ausstrahlungen, wird er nun sogar am Donnerstag, 5. Auguts, um 19:00 Uhr, Dieselkino Oberwart ein viertes Mal in Oberwart zu sehen sein. Auch in den übrigen Dieselkinos wird "VAKUUM" nochmals gezeigt. Im Vorfeld luden die Bezirksblätter zu einem kurzen Interview.

Wie kam dir die Idee zu „VAKUUM“ bzw. wie entstand der Titel?

Die Idee entstand im ersten Lockdown im März 2020, nach der mittlerweile geschichtsträchtigen Rede von Bundeskanzler Kurz vor dem österreichischen Parlament, wo uns allen gesagt wurde, aus welchen Gründen wir nur mehr das Haus verlassen dürften. Ich war erst seit kurzem wieder im Burgenland zuhause und habe gespürt, dass ich diese Zeit dokumentarisch festhalten möchte. Mit den Ressourcen die ich damals hatte. Und da es schnell gehen musste, hieß das, dass ich alleine rausgehe mit meiner Kamera und selbst filme. Vor allem wollte ich immer rausfinden, wie es den Menschen nun ergeht, was sich gesellschaftlich und sozial verändert hat, am Beispiel vieler Menschen aus meiner Heimatregion wie einer Kindergärtnerin, einem Seniorenpaar, einem Pfarrer Volksschulkindern, Gastwirten oder Kinobetreibern.
Der Titel entstand als ich die Naturaufnahmen für meinen Film gedreht habe. Ich habe oft alleine im Wald oder später an gefrorenen Teichen gefilmt, diese Aufnahmen waren für mich Sinnbild und Metapher der Krise. So habe ich schließlich ein Wort für meine und die Gefühlslage vieler anderer Menschen gefunden. Vor allem am Beginn dieser neuartigen Zeit und sicherlich auch während jedem neuen Lockdown hat es sich so angefühlt, als würde uns die Luft zum Atmen weggenommen werden, als würden wir alle vakuumiert oder isoliert oder evakuiert (da steckt auch das Wort Vakuum drinnen) werden. Bundeskanzler Kurz spricht sogar in einer seiner Reden von „sich selbst isolieren“.

Wie hast du die Protagonisten gefunden und wie lange haben die Dreharbeiten gedauert?
Da ich im Südburgenland aufgewachsen bin, habe ich sehr schnell viele Menschen kontaktiert, ein paar kannte ich vorher schon oder meine Familie oder Bekannte haben den Kontakt hergestellt, an manchen Orten wie dem Kindergarten oder der Volksschule bin ich selbst groß geworden, es waren aber auch Zufallsbegegnungen beim Drehen dabei. Die Gastwirte zum Beispiel kannte ich schon flüchtig, als ich beim Drehen bei ihrem Restaurant vorbeigefahren bin und gesehen habe, wie Elisabeth das Essen über das Fenster verkauft, war das für mich so ein „Postkartenbild“ der Krise - und ich wollte sie unbedingt kennenlernen und ein Gespräch mit ihr aufnehmen. Bei bestimmten Drehorten musste ich um Drehgenehmigungen anfragen, wie in der Kaserne in Güssing, in den Schulen oder beim Einkaufszentrum.
Ich habe immer wieder Drehblöcke gemacht, im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter 2020 und ingesamt um die 50 Drehtage gedreht.

Was war es für ein Gefühl, dass der Film bei der Diagonale lief?
Ein wunderschönes und freudiges. Als ich die Zusage per Mail Anfang des Jahres bekommen habe, war ich gerade beim Einkaufen in einem Supermarkt. Ich bin dann ziemlich schnell rausgerannt und habe Luftsprünge gemacht, gejubelt und mich riesig gefreut. Auch über die Kritik zum Film im Festivalkatalog, wo das Festival schreibt, dass sich der Film wie ein „langer Spaziergang“ anfühlt.
Auch für mich fühlten sich die Dreharbeiten wie ein Entdeckungsspaziergang, durch meine Heimat an. in der ich nach langer Zeit wieder zurückkomme und mich mit den Menschen, Räumen, Orten und der Natur durch meinen Film so intensiv auseinandersetzen darf.

Wie war die Resonanz nach der Premiere in Oberwart?
Großartig und überwältigend! Es war sehr ergreifend für mich, den Film mit so vielen Mitwirkenden, Unterstützenden, Freund*innen, meiner Familie und Bekannten auf großer Leinwand zu sehen. Die Stunden der Premiere vergingen wie Minuten für mich und das viele Lob zum Film hat mich und alle Protagonist*innen sehr berührt.
Viele meinten, dass Vakuum jetzt schon ein Zeitdokument ist und sie gespannt sind, wie wir in 3, 5 oder 10 Jahren den Film ansehen. Außerdem war die Resonanz auch, dass der Film durch seine Klarheit, Ruhe und dass er unkommentiert ist dem Zuschauenden Luft zum Atmen und Nachdenken gibt und einen Raum erschafft, den es sonst im Alltag der Krise nicht gibt. Das war mir von Anfang an bei der Arbeit am Film wichtig, dass ich einen Schritt zurückgehe, in eine Betrachungsposition beim Filmen und vor allem allen zuhören und VAKUUM ruhiger erzählen möchte. Und: Je nachdem in welcher Lebensrealität man lebt, kann man sich dann mit denjenigen Protagonist*innen identifizieren oder man erfährt Neues, nämlich zum Beispiel wie im Kindergarten oder der Schule mit dem Virus umgegangen wird. Auch das war mir wichtig: Einen Einblick in Welten zu geben, die man während der Pandemie selbst nicht sieht.

Wo siehst du persönlich das Besondere des Films?

Ich glaube was den Film zusammenhält, ist - so vielseitig, so bunt, so tiefgründig, lustig oder traurig er ist - dass wir alle den ein oder anderen Gedanken oder, dass ein oder andere Gefühl der gefilmten Personen kennen und nachvollziehen können. Wir alle gehen gerade durch diese Zeit und müssen da als Gesellschaft durch. Dass der Film durch die Kameraeinstellungen, den Ton und Schnitt hierfür eine Betrachtungsposition einnimmt und des dem Zuschauenden erlaubt, sich selbst zu fragen: Was hat sich verändert? Wie stehe ich dazu? Und auch: Was kann ich aus dieser Zeit mitnehmen?

Was waren die größten Herausforderungen?
Ich habe den Dreh so gut wie alleine gemacht, also Kamera, Regie, Ton und dann auch noch die Produktion und Filmauswertung übernommen. Es war eine intensive, aber sehr schöne Zeit. Dadurch dass ich selbst Kamera gemacht habe, habe ich mich hier als Filmemacherin anders und besser kennengelernt, eine Form und Bildsprache gefunden, die mir sehr gefällt. Wenn ich an einen Ort komme, sehe ich diesen in Bildern und weiß, wie ich ihn einfangen möchte. Das war ganz besonders für mich bei Vakuum, der inneren Stimme der „Kamera-Kristina“ zu folgen.
So ist der Film an sich ein großes Lernen für mich: Das Lernen all diese Departments alleine zu stemmen, aber auch das Kennenlernen all dieser wunderbaren Personen, die ich während der Krise befragen und portraitieren durfte.

Gab es besonders bewegende Momente?
Alle Momente, in denen mir Protagonisten ehrlich von ihrer Gefühlslage erzählt haben, haben mich sehr bewegt. Ich habe versucht ein zuhörendes Gegenüber zu sein, anstatt eine Interviewerin mit fertigem Fragenkatalog. Ich denke, gerade in dieser Zeit ist Zuhören und sich für sein Gegenüber - seine Wünsche, Gefühle, Ängste und Gedanken – ehrlich zu interessieren und das Gegenüber als Menschen wahrzunehmen, wichtiger denn je.
Der ganze Film und die Entstehung haben mich bewegt: In meine Heimat zurückzukehren, die Krise durch meine Kamera und meinen Blick festzuhalten auf diesem Weg so viele herzliche und offene Menschen portraitieren zu dürfen. Aber auch bei den Dreharbeiten selbst, wenn es um Drehgenehmigungen oder Kontakte ging, das ging alles so flott und herzlich. Dann meine tollen Kolleg*innen, wie Editor Sebastian Schreiner und alle anderen die mir geholfen haben den Film in der Postproduktion fertigzustellen, die Zusammenarbeit mit einem Fernsehsender (BR) – der Film war eine Reise vom Beginn bis zur Fertigstellung und ich denke als Filmemacherin, als Mensch, als Kristina bin ich mit und durch den Film gewachsen.

Welche Projekte folgen in den nächsten Monaten?
VAKUUM wird in den nächsten Monaten weiter öffentlich gezeigt - auf Filmfestivals, Screenings oder in den Dieselkinos in Österreich, ehe er dann Ende des Jahres ins Fernsehen, in den Bayerischen Rundfunk, kommt. Bei einigen Vorführungen werde ich vor Ort sein für ein Filmgespräch. Und als Produzentin kümmere ich mich hier um die Auswertung und Abwicklung.
Bei der Eröffnung des diesjährigen KLANGfrühling auf der Burg Schlaining am 11.9. wird es u.a. eine musikalische Live-Performance mit Videos von mir geben. Ich habe letztes Jahr Fragmente der Baustelle auf der Burg dokumentiert. Aus diesem Material entstehen experimentelle Kurzvideos, die mit Live-Musik von Joseph Haydn Brass, Tom Ritter Percussions oder Dietmar Bierbaum
vor Ort ergänzt werden. Ich bin schon sehr gespannt auf diese klangvolle Eröffnung!

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