Oberwart
Roma-Aktivist Ludwig Horvath mit 65 Jahren verstorben

Ludwig Horvath verstarb am 18. Juni 2020.
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Der engagierte Roma-Aktivist Ludwig "Burli" Horvath aus Oberwart verstarb am 18. Juni im Alter von 65 Jahren.

OBERWART. Ludwig Horvath wurde am 25. März 1955 als eines von sieben Kindern des Ehepaars Horvath in Oberwart geboren. Aufgewachsen ist er in der "zweiten Oberwarter Roma-Siedlung", die Anfang der 1970er-Jahre dem Schwerpunktkrankenhaus weichen musste und am Areal der ehemaligen Mülldeponie neu errichtet wurde. In den zwölf Häusern und einer Holzbaracke wohnten ca. 120 bis 130 Roma auf engstem Raum (Zimmer, Küche), ohne Strom, Kanalanschluss und fließendes Wasser.
Bis zu seinem Schuleintritt wurde ausschließlich roman gesprochen. Deutsch lernten er und seine Freunde dann zwar rasch, der schulische Erfolg und ein schulisches Weiterkommen blieben jedoch aus. Die Vorurteile der Nicht-Roma waren einfach zu groß, als dass ein normales Miteinander möglich gewesen wäre. Die Kontakte der Kinder beschränkten sich auf die Schulstunden und - wie bei Ludwig Horvath - auf sportliche Aktivitäten (Fußball).

Hilfsarbeiter im Straßenbau

Auch auf eine Lehrstelle konnten Oberwarter Roma-Jugendliche zu der Zeit nicht hoffen. "Und daheim einen Lehrberuf erlernen? Keine Firma hätte dich damals genommen. So groß waren die Vorurteil", erinnerte sich Ludwig Horvath, der wie sein Vater und der Großteil seiner Altersgenossen eine Hilfsarbeit beim Straßenbau in Wien annahm.
1975 lernte er seine spätere Frau kennen und beide beschlossen, nach Ungarn zur Familie seiner Frau zu ziehen. Er wurde so zu einem der wenigen österreichischen Gastarbeiter im kommunistischen Ostblock. Trotz vermeintlicher Schwierigkeiten stellte sich die neue Heimat als Glücksgriff für das junge Paar heraus. Ludwig Horvath erlernte die Sprache und schloss eine Berufsausbildung als Forstarbeiter ab. Die bald vierköpfige Familie erreichte in den nächsten Jahren einen wesentlich höheren Lebensstandard, als dies, Ludwig Horvath zufolge, in Österreich möglich gewesen wäre.
Eine schwere Erkrankung des Vaters von Ludwig Horvath zwang die junge Familie, Anfang der 80er-Jahre nach Österreich zurückzukehren. Horvath nahm wieder seine Tätigkeit im Straßenbau auf und pendelte fortan nach Wien. Die zwei größeren Kinder - die Familie war mittlerweile sechsköpfig - besuchten die Schule in Oberwart.

Friedliches Zusammenleben

Die Sprache der Roma, das Burgenland-Romani, war für ihn ein zentraler Baustein der ethnischen Identität. Sein sehnlichster Wunsch für die Zukunft war, dass Roma und Nicht-Roma „friedlich zusammenleben“.

Ludwig "Burli" Horvath: "Wir sollten wieder zusammenhalten und nicht gehässig sein. Miteinander reden, dass wäre mein Wunsch."

"Dieses ethnische Bewusstsein wurde erst durch das Bombenattentat 1995 auf vier Oberwarter Roma "wachgerüttelt". Jenes Zusammengehörigkeitsgefühl wiederzubeleben, wäre mein sehnlichster Wunsch für die Zukunft. Das Zusammenleben der Roma sollte noch einmal so sein, wie es früher war", so Horvath, der am 18. Juni 2020 im Alter von 65 Jahren verstarb.

Wichtiger Fürsprecher

Betroffen über das Ableben von Ludwig Horvath zeigt sich der 2. Landtagspräsident und Bürgermeister von Oberwart Georg Rosner: „Ludwig Horvath hat viele Jahre lang in diversen Roma-Institutionen mitgewirkt und sich für ein friedliches Zusammenleben der Roma im Burgenland eingesetzt. Mit ihm verliert das Burgenland einen wichtigen Fürsprecher der Roma. Wir möchten ihm für seine wichtige Arbeit für die Volksgruppe der Roma bedanken. Er war eine wichtige Persönlichkeit in der Stadt Oberwart, die sich immer für die Anliegen der Roma stark gemacht hat.“
Tief betroffen zeigten sich auch die GRÜNEN vom frühen Ableben Ludwig Horvaths. "Die Volksgruppe verliert mit ihm eine wichtige Stimme. Er war aber auch ein Vorbild für jetzt aktive Vertreterinnen und Vertreter der Rom, die sein Engagement weiterführen", bedauert der GRÜNE Landtagsabgeordnete Wolfgang Spitzmüller den Tod des Roma-Aktivisten.

Vorbild und Stimme

Ludwig Horvath habe sich „mit großem Engagement für die Volksgruppe der Roma eingesetzt und dabei immer auch das Miteinander in den Mittelpunkt gestellt“, würdigte LH Hans Peter Doskozil das Leben von Horvath. „Es erfüllt mich mit großer Trauer, dass die Volksgruppe der Roma und das Burgenland insgesamt diesen großartigen Menschen verloren haben“, so Doskozil, denn "Ludwig Horvath habe viele Jahre und Jahrzehnte seines Lebens der Gleichstellung seiner Volksgruppe gewidmet und sei dabei mit sehr viel Menschlichkeit für ein friedliches Zusammenleben der Volksgruppen eingetreten." „Das Burgenland steht heute wie kaum eine andere Region für dieses Miteinander. Persönlichkeiten wie Ludwig Horvath haben dazu einen entscheidenden Beitrag geleistet“, zeigt sich Doskozil überzeugt. Sein Mitgefühl gehöre den Angehörigen und Freunden des Verstorbenen.

LH Hans Peter Doskozil: „Die Volksgruppe der Roma verliert einen wichtigen Fürsprecher, der stets das Miteinander in den Mittelpunkt gestellt hat.“

Landtagspräsidentin Verena Dunst: „Ludwig Horvath war durch sein Engagement für die Volksgruppe der Roma sowohl Vorbild, als auch Stimme für ein friedliches Zusammenleben aller Volksgruppen im Burgenland. Er mahnte uns, wachsam zu bleiben, gegen ein Erstarken rechter Politik und gab anderen den Mut, stolz auf die Identität als Rom zu sein. Wir sind ihm für seinen Einsatz zu großem Dank verpflichtet. Mit Ludwig Horvath ist eine herausragende Persönlichkeit von uns gegangen, die nicht nur in der Volksgruppe der Roma, sondern im gesamten Burgenland in ehrenvoller Erinnerung bleiben wird. Den Angehörigen und Freunden wünsche ich viel Kraft in dieser schweren Zeit der Trauer."

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