Prozess-Bericht mit laufenden Updates
Sex-Missbrauch an Patientinnen! Arzt vor Gericht

Wegen sexueller Übergriffe an drei Patientinnen in seiner Oberwarter Praxis ist ein Arzt angeklagt.
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  • Wegen sexueller Übergriffe an drei Patientinnen in seiner Oberwarter Praxis ist ein Arzt angeklagt.
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                         Wir berichteten direkt aus dem Gerichtssaal.
                 Lesen SIE hier den aktuellen Stand der Verhandlung.

Bizarr. Erschütternd. Unglaublich. Saal 1. Landesgericht. Schwerste Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Eisenstadt. Sexueller Missbrauch! Opfer: 3 Patientinnen. Täter: Der Arzt ihres Vertrauens. Ort: Die Oberwarter Praxis. Es kam zu Berührungen von Geschlechtsteilen. Übergriffen im Intimbereich. Erduldet und ertragen von drei willenlosen Frauen. Wehrlos ausgeliefert in der Aufwachphase. Hilflos nach einer Betäubung... Statt im „weißen Kittel“ erscheint der „Herr Doktor“ heute im Anzug. Allerdings nicht in der Ordination, sondern auf der „Anklagebank“. Bekennt sich „nicht schuldig“. Gibt ihm der Schöffensenat recht, folgt Freispruch. Sieht es das Gericht anders, drohen 1 bis 10 Jahre Haft.

EISENSTADT/OBERWART. Im größten Verhandlungsraum des Landesgerichtes Eisenstadt findet dieser Prozess statt. Kein Wunder. Das Interesse ist groß. Nach dem Aufruf des angeklagten Mediziners füllt sich der Saal rasch. Mit Medienvertretern und Kiebitzen. Richterin Mag. Doris Halper-Praunias ist umrandet von einem Zweit-Richter und einer Gerichts-Schreiberin. Rechts davor die Staatsanwaltschaft und Nebenklägerin zweier Opfer. Links die Schöffen, davor die Verteidigung. Zentral positioniert, auf einem Stuhl sitzend, der Angeklagte. Im dunklen Anzug. Vor ihm ein kleiner Tisch mit Mikrophon. Es ist 9 Uhr.

Im Landesgericht Eisenstadt findet das Gerichtsverfahren gegen jenen Mediziner statt, der in seiner Praxis in Oberwart drei Patientinnen sexuell missbraucht haben soll.
  • Im Landesgericht Eisenstadt findet das Gerichtsverfahren gegen jenen Mediziner statt, der in seiner Praxis in Oberwart drei Patientinnen sexuell missbraucht haben soll.
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Schwer wiegen die Vorwürfe gegen den Arzt. Fundiert aufgelistet von der Staatsanwaltschaft. Vorgetragen von der Richterin. Beim Verlesen der Anklageschrift ist es im Verhandlungsraum mucksmäuschen still. Begleitet von ratlosen, entgeisterten Gesichtern der Zuhörer. Kaum begreifbar, schwer vorstellbar, was der Mediziner mit drei seiner Patientinnen gemacht haben soll. In seiner Praxis in Oberwart.

Unter der Zahl „9 Hv 3/22f Sch“ heißt es: „1 Angeklagter. Verbrechen des sexuellen Missbrauchs einer wehrlosen Person. Im Südburgenland zwei wehrlose Frauen, unter Ausnützung deren Zustandes (Aufwachphase nach einer Sedierung), indem er sie vaginal penetriert habe und an ihnen geschlechtliche Handlungen vorgenommen habe“. Die weitere Tat-Beschreibung führt aus, dass es beim dritten Opfer „nur“ zu „Berührungen von Geschlechtsteilen gekommen ist!“

Fortsetzung mit UPDATE um 12.45 Uhr

Der Arzt, verheiratet und zweifacher Vater, mit einem Monatsverdienst von rund 7.000 bis 8.000 Euro, ist bis dato unbescholten. Führt seit einigen Jahren selbständig eine Praxis, zuvor war er im Spital tätig. Im Wesentlichen verteidigt er sich damit, dass er niemals mit „sedierten Patientinnen“ , weder bei der Untersuchung noch in der Aufwachphase, alleine in einem Raum gewesen wäre. Zudem erklärt er, dass eines der „Betäubungsmittel“ generell bei Patientinnen „sexuelle Phantasien“ auslösen kann.

Der Arzt bekannte sich während der Verhandlung für nicht schuldig.
  • Der Arzt bekannte sich während der Verhandlung für nicht schuldig.
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Richterin und Staatsanwältin finden es aber mehr als merkwürdig, dass innerhalb von 3 Monaten insgesamt 3 Frauen, mit ähnlichen sexuellen Handlungen, Anzeigen erstatten. Drei Opfer, unabhängig voneinander, die weder vor noch nach den intimen Übergriffen einander Kontakt hatten bzw. einander kennen. Ergänzend auffällig, dass es weder vor noch nach den Anzeigen weitere Fälle gibt, obwohl der Arzt seit mehreren Jahren Patientinnen für Untersuchungen „betäubt“.

Fortsetzung mit UPDATE um 13.15 Uhr

Die Richterin befragt dann eines der Opfer, 49 Jahre alt, zweifache Mutter, Burgenländerin. Sie schildert, teils unter tränenerstickter Stimme, ihr erlebtes Leid. Spricht von Hilflosigkeit. Vom Ausnützen des Patientinnen - Arzt Verhältnisses. Beschreibt den sexuellen Missbrauch. Vom Brustkneten, vom Brust in den Mund nehmen bis hin zum „Finger in die Vagina“ stecken.

Ihre schrecklichen Erlebnisse hat sie noch in der Praxis, während sie alleine im Aufwachzimmer war, ihrem Lebensgefährten per WhatsApp mitgeteilt. Ist danach sofort zur Polizei und erstatte Anzeige. „Meine größte Sorge ist und war, dass mir keiner glaubt. Es steht Aussage gegen Aussage, und der Täter ist ein Arzt“, so die verzweifelte Frau auf dem Zeugenstuhl.

„Ich bin vor allem hier, weil ich andere Patientinnen schützen wollte. Aber ganz besonders meine Töchter. Es hätte auch ihnen passieren können. Nicht vorzustellen!“, schildert die Burgenländerin, die seit dem Vorfall im Krankenstand ist und psychologische Betreuung benötigt. „Immer wieder werde ich von Albträumen gequält,die mir meine damalige Wehrlosigkeit auf dem Praxis-Bett verdeutlichen!“

Das Gericht tagte in einer Marathon-Sitzung über die Vorwürfe gegen den angeklagten Mediziner (Bild Mitte mit dunklem Anzug).
  • Das Gericht tagte in einer Marathon-Sitzung über die Vorwürfe gegen den angeklagten Mediziner (Bild Mitte mit dunklem Anzug).
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Während diese Zeugin unter Ausschluss des Arztes aussagt, ist er bei der Aussage der nächsten Zeugin wieder im Gerichtssaal anwesend. Diese Dame, die Freundin eines weiteren Opfers, berichtet, wie sie über Telefon von sexuellen Übergriffen erfuhr. „Meine Freundin erzählte mir, dass der Arzt während ihrer Aufwachphase ihre Brust angefasst und er sie zudem im Intimbereich mit seiner Hand berührt hat. Sie wollte aber ursprünglich keine Anzeige erstatten, weil sie der Meinung war, dass ihr eh keiner glaubt…“

Erleichtert zeigte sich das zweite Opfer, als es von der Polizei erfuhr, dass es bei insgesamt drei Frauen zu sexuellen Handlungen gekommen sein soll. „Nach ihrer Aussage bei der Exekutive fühlte sie sich viel besser als vorher, weil sie sich bestätigt fühlte, dass die intimen Übergriffe tatsächlich passiert sind und sie sich das nicht eingebildet hat!“, so die Zeugin.

Fortsetzung mit UPDATE um 14.45 Uhr

Eine selbständige Masseurin als dritte Zeugin schildert dem Gericht, dass eine ihrer Patientinnen ihr während einer Behandlung von sexuellen Übergriffen eines Arztes erzählte. „Wir haben ein Vertrauensverhältnis seit Jahren. Offenbar wollte bzw. musste sie über ihr schockierendes Erlebnis reden. Also die intimen Berührungen durch den Herrn Doktor. In der Praxis. Sie war total fertig. Hatte Weinkrämpfe. Angst, dass man ihr nicht glauben würde.“ Und weiter: „Ich habe ihr geraten, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Nachdem sie das gemacht hatte, rief sie mich an und erzählte, dass sie sich jetzt leichter fühlt, weil sie alles der Exekutive erzählen konnte.“

Eine Ordinations-Assistentin sagte auf Befragung der umsichtigen Richterin aus, dass „der Herr Doktor nie alleine in einem Zimmer mit einer sedierten Person ist“. Die Dame, die seit zwei Jahren beim angeklagten Mediziner arbeitet, behauptete auch, dass sie immer und überall und ohne Ausnahme alle Bewegungen des Doktors hört oder sieht und daher ausschließen kann, dass er mit einem der Opfer alleine in einem Zimmer war. Sie nahm generell alles wahr, was in den Räumen passierte, selbst dann, wenn sie als Assistentin weitere PatientInnen aufgenommen oder telefoniert hat. Heißt, sie „kannte jeden Schritt des Arztes, den er in der Ordination machte!“

Auffällig auf eine Nachfrage der Nebenklägerin, Rechtsanwältin Andrea Posch, war, dass die Praxis-Helferin relativ viele Details von einem der Opfer wusste, sonst aber keine Erinnerung an Patienten davor oder danach hatte. Eine zweite Praxis-Angestellte schlug in die selbe Kerbe. Auch sie dementierte die Möglichkeit, dass der Herr Doktor mit einer Patientin alleine in einem Zimmer gewesen sein kann.

Fortsetzung mit UPDATE um 15.45 Uhr

Auf Grund der diametralen Aussagen von Opfern, Arzt und Arzt-Assistentinnen sowie der Tatsache, dass sich das Gericht von der „gläsernen Praxis“ überzeugen möchte, wurde ein Polizist mit der Erstellung einer Lichtbildmappe und einem Grundriss-Plan der Ordination beauftragt. Hiermit soll geklärt werden, ob der Herr Doktor tatsächlich „keine Sekunde“ in der Praxis „unbeaufsichtigt“ gewesen sein kann. Also keinen Schritt machen konnte, ohne dass er von seinen Angestellten gesehen wird.

Die Verhandlung wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Für den Angeklagten gilt, bis zu einer Verurteilung durch ein ordentliches Gericht, die Unschuldsvermutung!

Weitere Details zu diesem bizarren Fall finden Sie hier:
Albtraum in Oberwart • Schwere Vorwürfe • Prozess • Arzt missbraucht Patientinnen in seiner Praxis

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