Staatssekretärin Muna Duzdar auf den Spuren der Oberwarter Roma

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OBERWART (kv). Zweck ihres Besuches war es, sich die wichtige Arbeit der Institutionen für Roma und Sinti in Oberwart genauer anzusehen und sich ein Bild zu machen. Das Schild "Bitte keine Zigeuner vermitteln" hing noch vor rund 30 Jahren im Arbeitsmarktservice. Dass das heute kaum vorstellbar wäre, verdanke man zum Großteil der Arbeit von "KARIKA", "Roma-Service", der "Volkshochschule der Burgenländischen Roma" und „Roma-Pastoral“.

Von Vorschülern bis Maturanten

Obmann Emmerich Gärtner-Horvath vom Verein Roma-Service führte durch die Räumlichkeiten der Lernbetreuung. Derzeit werden 15 Jugendliche regelmäßig betreut, der Großteil stammt direkt aus Oberwart. "Wir haben keinen Bus, der die Schüler zu uns bringen könnte", so Gärtner-Horvath. Die Staatssekretärin konnte sich auch die Lernmaterialen ansehen, die den Schülern heute zur Verfügung stehen.

Siedlungen kaum erkennbar

Roma-Siedlungen seien vor allem noch in Jennersdorf zu finden, viele junge Roma leben heute in Großstädten. In der Roma-Siedlung in Unterwart leben noch 20 Menschen, in Oberwart zwischen 50 und 60. "Diese Wohnanlagen sind jedoch kaum noch als die typischen Roma-Siedlungen erkennbar", so Gärtner-Horvath.

Setzt sich stark ein

Horst Horvath setzt sich bereits seit Jahrzehnten für die Belange der Roma in Oberwart ein. In seiner Funktion beim Arbeitsmarktservice war er am ersten Projekt zur Unterstützung der Roma beteiligt. Er ist unter anderem Vorstandsmitglied der Volkshochschule der Burgenländischen Roma, wo er ein Bildungsangebot für Romnija/Roma und Nichtroma bietet, die an der Sprache und Kultur interessiert sind. "Es geht darum, Begegnungen und Austausch zwischen Romnija/Roma und Nichtroma zu fördern und Vorurteile abzubauen", so Horst Horvath. Im ganzen Burgenland werden Veranstaltungen organisiert, die dazu beitragen: Vorträge, Filmvorführungen, historische Diskussionen, Sprachkurse, Workshops, Ausstellungen, um nur einige zu nennen.
"Wir planen eine historische Ausstellung, wo wir die ganze Geschichte der Roma detailliert aufarbeiten wollen. Sonst geht die Geschichte verloren", so Horst Horvath.

Zur positiven Entwicklung beigetragen

Seit März 2016 wird die Roma-Pastoral von Manuela Horvath geleitet. Auch diese Institution hat viel Aufkärungsarbeit geleistet und setzt sich für die Zusammenarbeit mit Roma- und Nicht-Roma-Organisationen ein. Auch Besuche von Menschen in Krankenhäusern, Altenheimen sowie Gefängnissen sowie Beratung und Unterstützung von Menschen in Notsituationen und vieles mehr stehen auf deren Programm.

"Roma müssen draußen bleiben"

Anstoß für die Projekte und Vereinsgründungen gab jedoch nicht erst das schreckliche Attentat im Jahr 1995, das ganz Österreich schockierte. Auslöser waren die Diskriminierungen. "Das ging so weit, dass man nicht mehr in die Diskothek durfte", sagt Paul Horvath von Karika. Das konnte auch VizeBgm. Dietmar Misik bestätigen, der damals bereits als Polizist in Oberwart tätig war. Heute trägt die Arbeit der Vereine reiche Früchte, hat sich doch vieles zum Positiven verändert. "Bis zum Attentat glaubte keiner, dass sowas in dieser Zeit noch passieren könnte. Die Kultur der Roma muss erhalten bleiben, das ist eine Bereicherung für uns und wir sind auf einem guten Weg", sagt Bgm. Georg Rosner.

Ein Blick über die Grenzen

Anders sieht die Situation in benachbarten Ländern aus, weiß Staatssektretärin Muna Duzdar, die auch gerade in der Slowakei war. "Dort ist es viel dramatischer. Roma machen rund 10 % der Bevölkerung aus, das sind etwa 400.000 Menschen, von denen auch heute noch viele in Getthos leben." Auch die politische Hetze ist in vielen Nachbarländern ein Problem. "Viele haben Angst, dass so etwas auch zu uns kommen könnte. Das darf einfach nicht passieren", so Paul Horvath.

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