Rauchen ab 18
Zigarettenautomaten wegen neuem Jugendschutzgesetz umgerüstet

Eveline Strobl und Silke Rubendunst von der Trafik Riedlingsdorf nehmen den Jugendschutz sehr genau
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BGLD. Mit Beginn des Jahres 2019 hat auch Österreich, als einer der letzten EU-Staaten, das Schutzalter der jugendlichen Raucher auf 18 Jahre angehoben. Minderjährige ab 16 sind seit 1.1. nicht mehr berechtigt, Tabakwaren zu erwerben. Das Alter der jungen Käufer soll mittels Ausweis in den Trafiken kontrolliert werden. Die bisher gängige Altersabfrage an den Zigarettenautomaten per Bankomatkarte konnte allerdings nicht so simpel von 16 auf 18 umprogrammiert werden und musste sich einer aufwendigen technischen Umrüstung unterziehen.

NFC-Technologie

Daher wurden in den letzten Monaten sämtliche Zigarettenautomaten im Burgenland, von denen es nahezu 200 Stück gibt, auf Kosten der Trafikanten an die neue "Near Field Communication"-Technologie (NFC) angepasst. Hierbei wird eine NFC-fähige Bankomatkarte an das Lesemodul des Automats gehalten und das Alter des Kartenbesitzers erkannt. Auch die Bezahlung der Tabakwaren kann dann gleich optional vom Konto erfolgen.

1.500 Euro pro Automat

Die Umrüstung war verpflichtend, alle Zigarettenautomaten ohne NFC-Technik müssen ausnahmslos stillgelegt werden. Die Kosten für die technische Adaptierung beliefen sich pro Automat auf bis zu 1.500 Euro. Auch bei den Leasing-Automaten mussten die Betreiber die Umstellung mit einem Betrag bis zu 750 Euro aus eigener Tasche bezahlen. 

Trafikanten sind in der Pflicht

Die Bezirksblätter Oberwart haben sich bei Trafikanten im Bezirk umgehört, wie die ersten Erfahrungen mit dem neuen Jugendschutzgesetz verlaufen. Sie sind verpflichtet, den Verkauf von Tabakwaren an Minderjährige zu verweigern. 

Der Trafikant Markus Klein, Wiener Straße 18 in Oberwart, nimmt die Veränderung gelassen: „Ich denke, dass viele Jugendliche heutzutage ein gesundes Verantwortungsgefühl besitzen. Und jene die unbedingt rauchen möchten, kommen auch ohne Gesetzesänderung an ihre Zigaretten, indem sie ältere Freunde oder Verwandte schicken. Das können wir nicht kontrollieren. Allerdings ist mir schon aufgefallen, dass diese Änderung vielen nicht bewusst ist, das hat sich über die Medien nicht so wirklich herumgesprochen.“

Andere Trafikanten sehen in der Gesetzesänderung allgemein eher einen Eingriff in die Privatsphäre der jungen Erwachsenen: "Jugendliche dürfen mit 16 autofahren oder wählen, somit sollten sie in diesem Alter auch die Selbstbestimmung über den eigenen Körper haben dürfen", bemerkt Mark Horvath aus Pinkafeld auch die andere Seite.

Bei Eveline Strobl und Silke Rubendunst von der Trafik Riedlingsdorf haben schon viele Jugendliche vergeblich versucht, Zigaretten zu kaufen: "Wir kennen alle Schmähs. Es gibt leider wirklich sehr junge Leute, die Zigaretten kaufen möchten. Aber so wie die Grenze vorher 16 war, werden wir jetzt auf die Volljährigkeit achten. Ich denke, dass gerade jetzt am Anfang viele Mystery-Shopper unterwegs sein werden. Wir sind nicht bereit, wegen sowas unser Geschäft und unsere Existenz zu riskieren!", zeigt die Chefin eine klare Haltung. "Wenn die Eltern oder Großeltern dabei sind und es erlauben, können wir allerdings auch nichts machen. Der Erziehungsauftrag kann nicht auf uns Trafikanten abgewälzt werden!"

Umsatzminus wird nicht erwartet

Nennenswerte Furcht vor Umsatzeinbußen haben sie allerdings alle nicht. "Am Anfang spürte man einen kleinen Rückgang an den Automaten, das hing allerdings eher damit zusammen, dass sich die Kunden nicht mit dem System ausgekannt haben oder die Bankomatkarte nicht NFC-tauglich ist", erzählen die Trafikanten im Tenor. Dass die Jugendlichen unter 18 nun nicht mehr persönlich an ihre Zigaretten kommen, würde sich in den Verkaufszahlen eher nicht auswirken. Es sei de facto so, dass sich die rauchenden Kids mit älteren Bekannten oder Verwandten zu helfen wissen. 

Neue Verantwortung im Umgang mit Jugendlichen an Schulen

Man beachte auch die Tatsache, dass Jugendliche die letztes Jahr mit 16 legal zu rauchen begonnen haben, nun im Alter von 17 Jahren diese Angewohnheit verbotenerweise weiterführen. Dieser Umstand ist nun natürlich auch an den Schulen für die verantwortlichen Lehrpersonen ein Thema:

Der Direktor der HBLA Oberwart, Prof. Aristoteles Papajanopulos, hat hier eine klare Linie in der Vorgehensweise: "Angepasst an das bundesweite Rauchverbot an Schulen, dürfen die Schüler nur an öffentlichen Plätzen, also auf der Straße rauchen, und auch nur wenn eine Freistunde zur Verfügung steht. Und so wie wir früher darauf geachtet haben, dass keiner unter 16 Jahren raucht, werden wir nun, wenn jemand unter 18 beim Rauchen gesehen wird, rigoros die Eltern zu einem Gespräch vorladen! Wir nehmen das sehr ernst!"

Der Direktor der HTL Pinkafeld, Wilfried Lercher, ist auch im Nichtraucherschutz und in der Prävention sehr engagiert: "Selbstverständlich halten wir uns an der HTL Pinkafeld an die gesetzlichen Vorgaben. Wir setzen schon seit Jahren auf Aufklärung und Beratung speziell der Schüler in den ersten Klassen durch die Schulärzte. Kürzlich wurden alle Klassensprecher von mir über die neue Situation informiert. Ich persönlich habe übrigens auch das „Don’t smoke“-Volksbegehren unterschrieben und finde es schade, dass die Politik diese Möglichkeit für eine positive Vorbildwirkung nicht genutzt hat."

Rauchende Teenager fühlen sich bevormundet

Das Statement einer Schülerin (17): "Meiner Meinung nach ist es unnötig, wenn das Rauchen nun erst ab 18 Jahren erlaubt ist. Wenn man rauchen möchte macht man es sowieso, da ist das Alter nicht ausschlaggebend. Die Zigaretten kann man immer über ältere Freunde besorgen. Viele haben früher auch schon unter 16 Jahren geraucht und jetzt macht man es eben unter 18 Jahren. In dieser Altersdifferenz von 2 Jahren wird einem auch nicht viel mehr bewusst, wie ungesund es ist. Außerdem finde ich, sie müssten das Mindestalter zum Konsum von Alkohol dann ebenfalls erhöhen."

Auch ihre Freundin (17) empfindet die Änderung überzogen: "Ich finde das Gesetz, dass man erst ab 18 rauchen darf völligen Blödsinn. Denn die Raucher die schon seit ihrem 16. Lebensjahr rauchen, werden nicht aufhören wenn sie jetzt noch 17 Jahre sind. Denn wenn man auch selbst nicht mehr an Zigaretten kommt, hat man verschiedenste Kontakte, die 18 Jahre alt sind und die einem die Zigaretten kaufen. So war es schon wie das Gesetz ab 16 war und das wird auch immer so sein. Meiner Meinung ist es etwas komisch, dass es erst ab 18 ist, denn man darf mit 17 Jahren mit dem Auto fahren und mit 16 Jahren darf man auch schon Alkohol trinken. Warum dann erst ab 18 Jahren rauchen?" 

Anders sieht das der 16-jährige Stefan: "Ich finde die Änderung nicht so schlecht, ich habe vor kurzem zu rauchen begonnen und möchte eigentlich wieder damit aufhören, aber ich schaff es nicht so richtig. Wenn es jetzt schwerer wird für mich, Zigaretten zu bekommen, wird mir das Aufhören vielleicht leichter fallen!"

Die nötige Hilfe um mit dem Rauchen aufzuhören oder nähere Informationen zum Nichtraucherschutz findet man beispielsweise unter www.rauchfrei.at oder www.dontsmoke.at

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