16.06.2017, 12:46 Uhr

Unbekannter Beckenboden - Inkontinenz ist keine Frage des Alters

Mit gezielten Übungen kann man den Beckenboden stärken und Blasenschwäche vorbeugen. (Foto: MEV Verlag GmbH)

Den meisten Frauen wird ihr Beckenboden erst dann bewusst, wenn er bei einer Operation oder bei der Geburt eines Babys Schaden genommen hat.

Solange die stützende Muskelschicht intakt ist und dabei hilft, Bauchorgane wie Blase, Darm und Gebärmutter in Position zu halten, wird sie oft gar nicht wahrgenommen. "Auch von Physiotherapeuten wird der Beckenboden oft stiefmütterlich behandelt", sagt Hannelore Ruppert, die lange Zeit als leitende Physiotherapeutin in einer Frauenklinik beschäftigt war.

Blasenschwäche nach der OP

In der Fachzeitschrift "physiopraxis" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2006) gibt die Kölner Therapeutin nun einen Überblick darüber, wie sich verschiedene gynäkologische Eingriffe auf den Beckenboden auswirken, und welche Übungen diesen Bereich in seiner Funktion unterstützen können.
Bei Operationen an Gebärmutter, Eierstöcken oder Eileitern, aber auch bei Geburten ist stets auch der Beckenboden in Gefahr: Das Gewebe wird durch die Operation stark gedehnt, und versorgende Nervenbahnen, die für die Stabilisierungsfunktion notwendig sind, können verletzt werden. Schwierigkeiten bei der Blasenentleerung oder Inkontinenz können daraus folgen. "Nicht immer reichen physiotherapeutische Übungen aus, um eine ausreichende Funktion der Beckenbodenregion zu erzielen", weiß Hannelore Ruppert – manchmal hilft nur ein operativer Eingriff, um etwa Senkungserscheinungen oder Harninkontinenz zu beheben. Dennoch sollte die Physiotherapie bei jeder gynäkologischen Operation ihren festen Platz haben: Behutsame Bewegungen unterstützen die Heilungsprozesse und helfen, Verwachsungen im Operationsgebiet zu verringern oder zu vermeiden. Darüber hinaus werden Schwellungen abgebaut und die Verdauung wird mobilisiert.

Übungen helfen

Gezieltes aber sanftes Beckenbodentraining spiele hier eine zentrale Rolle, erklärt Hannelore Ruppert und verweist auf Studien, nach denen Körperbewegungen zunächst mit einer unbewussten Stabilisierung des Rumpfes eingeleitet werden: Zwerchfell, bestimmte Bauchmuskeln und der Beckenboden arbeiten hier eng zusammen. Die gute Koordination dieser Muskeln ist die Voraussetzung dafür, dass eine gute Beckenbodenstabilität nach operativen Eingriffen wiedererlangt werden kann. Dieses Zusammenspiel sollte den Patientinnen erklärt und die Koordination der beteiligten Strukturen geschult werden, so die Kölner Therapeutin – denn in einer schlechten Koordination liegen oft die Wurzeln dafür, dass Behandlungsbemühungen am Beckenboden wenig effektiv oder gar vergeblich bleiben. (Quelle: H. Ruppert: Physiotherapie in der operativen Gynäkologie)
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