12.09.2017, 12:55 Uhr

Das Erfolgsgeheimnis des Familienbetriebes Unger Steel Group in Oberwart

Josef (li.) und Matthias Unger führen gemeinsam die Unger Steel Group. (Foto: Andi Bruckner)

Unger Stahlbau in der Steinamangererstraße ist heute bereits dort, wo andere morgen hinwollen.

OBERWART (kv). Wie es der Familienbetrieb von einer kleinen Schlosserei in Welgersdorf zur Nummer Eins in der stahlverarbeitenden Industrie Österreichs und Europas schaffte, verrät Juniorchef Matthias Unger den Bezirksblättern im Exklusivinterview.

Über 20 Standorte, zwei Produktionsstätten mit einer Kapazität von mehr als 70.000 Tonnen Stahl jährlich und 70 % Exportanteil. Die Unger Steel Group ist der Spezialist für Stahlkonstruktionen. Welche Bauwerke zählen zu Ihren Meilensteinen?
MATTHIAS UNGER: Natürlich die zwei Bauwerke, die auch unser Durchbruch waren, sprich die Daviscuphalle am Schwarzlsee in Unterpremstätten und das Coca Cola Werk in Ungarn, die 1994 entstanden. Es folgten Bauwerke wie die Schiffsstation der Twin City Liner oder das Rautendach am neuen Wiener Hauptbahnhof. Dort haben wir sowohl den Stahlbau als auch die einzigartige Alucobond-Fassade geliefert und montiert.
Auch die Logistikcenter von TLC Temmel Logistik in Ilz, Lannach und Graz stammen von uns, sowie auch viele Gebäude im Ausland, wie eine Aluminiumschmelzanlage in Abu Dhabi.

Welche Leistungen bieten Sie an, um konkurrenzfähig zu bleiben und weiter wachsen zu können?
Wir sind nicht nur führend im Stahlbau, sondern treten auch als Generalunternehmer auf. Die Kunden schätzen es, wenn sie alles aus einer Hand bekommen. Außerdem verwirklichen wir auch eigene Projekte im Bereich der Projektentwicklung, wie beispielsweise das Postverteilerzentrum in Eisenstadt, das wir in Eigenregie gebaut haben und jetzt vermieten.

Sie haben gerade auch ein eigenes Startup im Aufbau. Was genau ist klarx.de?
Das ist eine Onlineplattform in Deutschland, über die man Bauequipment mieten kann. Von Bagger über Rüttelplatten bis hin zu Bohrmaschinen. Bald auch in Österreich.
Als Vorsitzender der jungen Industrie Niederösterreich und Burgenland habe ich ein Gründerstipendium ins Leben gerufen. Ich möchte junge Gründer unterstützen, sich mit ihren Ideen selbstständig machen zu können. Wir vergeben jährlich drei Stipendien für Projektarbeiten zu je 1.500 Euro. Ich unterstütze metallaffine Projekte auch mit persönlicher Beratung, wenn gewünscht, und stelle Räumlichkeiten zur Verfügung.

Sind derzeit besondere Projekte in Planung?
Wir sehen natürlich auch das große Potential in unserer Region. Daher haben wir ein 5 Hektar großes Grundstück im Gewerbegebiet Oberwart Nord neben "mein c+c" erworben. Wir sind hier für Ideen oder konkrete Pläne offen, um eigene oder fremde Projekte auf diesem Grundstück realisieren zu können. Besonders geeignet ist es für den Logistik- oder Gewerbebereich.

Ihr Vater Josef Unger hat aus dem Schlossereibetrieb Ihres Großvaters in Welgersdorf mit sieben Beschäftigten einen internationalen Großkonzern mit rund 1.200 Mitarbeitern weltweit gemacht. Was waren dafür die entscheidenden Faktoren?
Zum einen natürlich die Vorzeigeprojekte Daviscuphalle und das Coca Cola Werk. Mein Vater überzeugte die Kunden mit Qualität, Termintreue und ist mit unseren Stammkunden gewachsen. Entscheidend war auch die Nähe zu Ungarn. Mein Vater übernahm den 1952 gegründeten Betrieb im Jahr 1986. Er erkannte gleich nach dem Mauerfall das Potential und eroberte den Markt in Ungarn, Rumänien und Russland, fasste aber auch in Westeuropa Fuß. Die Schnelligkeit und Liefertreue machten sich bezahlt und wir sind mit jedem Projekt gewachsen. 2007 nahm die zweite Produktionsstätte in Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten ihren Betrieb auf.

Worin unterscheidet sich dieses Werk von dem in Oberwart?
Im Grunde gar nicht. Es sind zwei Produktionsstätten, aber mit einer gemeinsamen Philosophie. Das Werk ist gleich ausgestattet wie in Österreich. Wir wollten die europäische Qualität in den Mittleren Osten bringen. Ein großer Vorteil ist der direkte Hafenzugang, außerdem befinden wir uns dort in einer Freihandelszone.
Anders sind natürlich die Kultur und das Personal. In Sharjah sind über 20 Nationen beschäftigt. In der Aufbauphase waren 20 österreichische Mitarbeiter vor Ort, so konnte das Know-how gut transferiert werden.

Sie haben Niederlassungen in Aserbaidschan, Moskau, Deutschland, Georgien, Turkmenistan, Slowakei, Schweiz, Saudi Arabien und vielen weiteren Ländern. Wie behalten Sie den Überblick?
Der Betrieb ist zwar eigentümergeführt, entscheidend ist hier aber ein starkes Management. Wir geben unseren Mitarbeitern viel Eigenverantwortung und sie können unabhängig arbeiten. Natürlich erwarten wir auch viel.

Wie oft sind Sie persönlich vor Ort?
Natürlich kommunizieren wir wo es möglich ist über Videokonferenzen, trotzdem bin ich durchschnittlich zweimal im Monat im Ausland unterwegs.

Hat Ihr Vater Josef Unger eine Schlosserlehre gemacht?
Er besuchte die HTL Pinkafeld im Fachbereich Maschinenbau und arbeitete dann im öffentlichen Dienst. Als er 1986 den Betrieb von meinem Großvater übernommen hat, hat er die Zeichen der Zeit erkannt und nach Oberwart expandiert. Das Handwerkliche hat er im Familienbetrieb mitbekommen, so wie ich selbst auch. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie ich als kleiner Knirps das erste Mal mit meinem Vater durch die Produktion gegangen bin und er mir alles gezeigt und erklärt hat.

Sie haben unzählige Preise für Ihre Bauwerke erhalten, kürzlich sogar zum vierten Mal den Österreichischen Stahlbaupreis. Welches Projekt war für Sie persönlich bis dato das Highlight?
Eines auszuwählen ist nicht möglich. Ich schätze vor allem die Bauprojekte in der Region, wie in Eisenstadt, Kemeten oder Welgersdorf, das Einkaufszentrum Oberwart (EO), Kohla-Strauss in St. Michael oder das Feuerwehrhaus in Jabing. Wir sehen uns als "glokales Unternehmen", denn wir bauen in der Region genauso wie international und wir schätzen auch kleinere Projekte sehr.

Sie sind für die Region ein wichtiger Arbeitgeber. Wie viele Mitarbeiter sind in Oberwart angestellt und welche Bereiche sind gefragt?
Am Standort Oberwart arbeiten rund 400 Mitarbeiter. Wir sind immer auf der Suche nach jungen engagierten Technikern und beschäftigen demgemäß auch über 50 HTL-Absolventen. Wir arbeiten mit der Schule eng zusammen und stellen den Schülern unsere Softwarelizenzen für den Stahlbau zur Verfügung.
Fähigkeiten im Bereich Stahlbautechnik, Schlosser und Schweißer für die Produktion sind immer gefragt.

Wie sieht der klassische Karriereweg bei der Unger Steel Group aus?
Alles beginnt immer in der Abteilung Steel Design. Man fängt als Techniker an und bekommt einen Mentor an die Seite gestellt. Die Mitarbeiter lernen den Umgang mit der Software, designen und konstruieren.
Ist man engagiert, kann man es dann über den Teamleiter bis zum Projektleiter bringen. Dort ist für die Kommunikation Englisch sehr wichtig. Von Vorteil ist natürlich auch, wenn man eine Ostsprache beherrscht, wie Ungarisch oder Rumänisch. Jeder schlägt den Weg ein, der zu den eigenen Ambitionen passt. Wir unterstützen die Mitarbeiter auch immer bei Weiterbildungen.

Dann bilden Sie sicher auch Lehrlinge aus?
Wir bilden derzeit 13 Lehrlinge aus. In erster Linie im bauspezifischen Bereich, forcieren aber auch die duale Ausbildung. Die Lehrlinge können bei uns mehrere Stationen durchlaufen, nicht nur in der Fertigung und Planung, sondern auch im Büro. Ein großer Vorteil ist die Chance auf eine internationale Karriere.

Wie sieht Ihr eigener Ausbildungsweg aus?
Mein erster Weg führte mich an die HTL Pinkafeld. Danach arbeitete ich eine Weile im Ausland, beispielsweise bei Magna in Toronto. Ich habe Wirtschaftswissenschaften studiert. Als ich 2008 mit dem Studium fertig war, startete mein Weg bei Unger im Marketing und im Vertrieb.
Es war gut aufgeteilt: 1/3 arbeitete ich an der Seite meines Vaters, 1/3 an der Seite der Mitarbeiter und den Rest nutzte ich für eigene Ideen. So baute ich mir Netzwerke auf, habe mich weiter fortgebildet und setzte eigene Projekte um.

Seit 1.1.2017 sind Sie offiziell Geschäftsführer, was hat sich hier für Sie geändert?
Das gehört zu unserem sukzessiven Übergang. Wir haben die Nachfolge über zehn Jahre geplant, damit sich alles langsam entwickeln kann. 2015 wurde ich bereits Geschäftsführer der Produktionsstätte in Sharjah, das war sozusagen meine Bewährungsprobe. Da alles gut verlaufen ist, stehe ich jetzt gemeinsam mit meinem Vater Josef an der Spitze. Die Kombination aus der enormen Erfahrung meines Vaters und meinem Umsetzungsdrang und meiner jugendlichen Energie passt perfekt.

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