500 Jahre Reformation - das Gedenkjahr zum Nachdenken und überhaupt . . .

Mit einem Aufmacher um das Luther-Jubiläum präsentiert sich das Journal, ein Osttiroler Monatsmagazin, schon auf der Titelseite, mit dem Abbild des evangelischen Pfarrers Hans Hecht. Es wird aufgerufen, dem Gedanken einer durchgehenden Feier um das Thema der Reformation in diesem Jahr zu folgen, sich wieder einmal Gedanken zu machen, was seit dem Anschlag der 95 Thesen in Wittenberg bis dato passiert ist, und wie man heute den Status Quo der Kirche insgesamt erklären kann.

Zuweilen drängte sich der stille Verdacht auf, die Kirche als Institution mit ihren Aufgaben sei in einem Tiefschlaf verfallen, jetzt aber durch das Jubiläum wieder aufgewacht, um die Glocken zu läuten, um auf sich selbst aufmerksam zu machen, wie wertvoll, wie sinnvoll, wie glaubwürdig es doch ist, sich der Kirche anzuschließen, ihre Gedanken aufzugreifen, sie mit unterschiedlichen Ansätzen auf den Weg zu bringen. Die normalen Kirchenjahre verlaufen genau so wie immer, nämlich in 365 Tagen blickt man auf das, was ist, was sein könnte, was eventuell unter günstigen Bedingungen auch noch zu machen wäre. Manche Wege sind wie gewohnt die Irrwege, die steinigen Wege, die Umwege, die traditionellen Wege, die Wege zu sich selbst, die Wege, die zu keinem Ergebnis führen . . .

Im Journal wurde ein Fragenkatalog abgerufen, alles wie üblich, keine echten Licht- oder Durchblicke, ein bisschen Tradition, ein bisschen Historie, ein bisschen von dem oder auch jenem, fast wie auf einem Gemüsemarkt, wo sich die Früchte- und Gemüsesorten anpreisen, sich gegenüberliegen, und unter günstigen Umständen ihre eigenen Geschichten erzählen . . . man schreibt von einer großen Symbolkraft, die seinerzeit von Luther ausgegangen ist, die sich mit dem Anschlagen der 95 Thesen an der Wittenberger Schlosskirche auf dem Höhepunkt befanden . . . Luther war mehr, konnte mehr, viel mehr als nur angenommen, er war seiner Zeit meilenweit voraus, er war einer der jüngsten Doktoranden, ihn konnte die Welt gebrauchen, auf ihn war Verlass . . . dass Luther auch und vor allem ein großer Antisemit war, sich mehr mit den Reichen seiner Zeit beschäftigte als mit den Armen, ist eine andere Geschichte . . . diese Geschichten könnten uns auch den geistigen Horizont öffnen, uns klarmachen, dass Adolf Hitler selbst davon wusste, und sich Luther zum Vorbild nahm, den Nationalsozialismus damit ausbaute . . .

Dass Luther selbst ein großer Zweifler war, ist mehr als bekannt, seine Bekenntnisse sind nicht immer klar und eindeutig, seine Bußen übertrieben, seine Schuld war die eines normalen Menschen vergleichbar . . . ich glaube daran, dass es keine wirkliche Schuld gibt, dass uns die Schuld eingeimpft wird, dass wir den Betrachtungen einer Schuld seitens der Kirche folgen bis zum letzten Atemzug, damit wir eine Belastung spüren, und diese Belastung ist mit dem Bild von der Kreuzigung Jesu zu vergleichen . . . Mutter Teresa von Kalkutta hatte sich in ihren späteren Leben das zum Ziel gesetzt, ihren Sterbenden das klar zu machen, dass es wichtig sei, mehr an Leid zu erfahren, um dem Bild von der Kreuzigung Jesu zu entsprechen, nur so komme man ohne Umwege in den Himmel(!!) . . . es ist nicht zu glauben, aber leider wahr, die Wissenschaft konnte das nachweisen. Im letzten Jahr wurde nun endlich Mutter Teresa heilig gesprochen, als Zeichen einer neuerlichen Würdigung, als Event-Spektakel auf dem Petersplatz in Rom . . . die katholische Kirche braucht solche Veranstaltungen, um der Welt immer wieder etwas anzubieten, koste es was es wolle, mit diesem Geld hätte man die vielen Roma-Camps in Rom verändern können, aber auf die Idee ist keiner vom Vatikan gekommen . . .

Von einer Weltoffenheit zu sprechen, von mehr Gestaltungsmöglichkeiten zu reden, die heilige Schrift wie eine Gebrauchsanweisung für uns alle zu debattieren, ist wohl zu viel des Guten an Gedanken . . . hier klaffen Anspruch und Wirklichkeit erheblich auseinander . . . sollten wir das jetzige Christentum an die realen Bedingungen unserer Existenz anpassen wollen, dann müssten andere Schritte auf den Weg gebracht werden, dann wären zusätzliche Arbeitsschritte vonnöten . . . das Blablabla von heute hilft nicht den Armen in Österreich über die Runden zu kommen, das Blablabla hilft nicht den Familien, die die häusliche Gewalt erleben müssen, die den sexuellen Missbrauch verarbeiten müssen, es hilft auch keinem Arbeitslosen, eine adäquate Stelle zu finden, es hilft auch nicht den Kandidaten, die sich immer wieder vor den Zug schmeißen, um aus dem Leben zu scheiden . . . die Suzidrate ist in Osttirol am höchsten von Österreich, ebenso der Alkohol- und Drogenkonsum . . . wo ist da die Kirche, wo sind da die Antworten, wo sind da die Hilfestellungen????

Das Verbindende zwischen den Traditionskirchen sind Träume, sie sind Übergangsphänomene, sie sind in Wirklichkeit eingeschränkt-ökumenische Fantasien, die sich auf wenige Begegnungen bescheiden . . . das erlebte Menschliche muss sich jeder selbst suchen, muss etwas ausprobieren, muss sich ggf. auf den Weg machen, in der Hoffnung, dass es ein Ergebnis wird . . .

Die Vertreibung der Deferegger Protestanten ist ein Knaller, der sich in die Geschichte eingegraben hat, der Zwang, seine eigenen Gefühle abzuändern, sie durch neue Einflüsse zu ergänzen ist ein Eingriff in die persönliche Freiheit eines Menschen . . . Menschen wurden dann zu Menschen erklärt, wenn sie das richtige Glaubensbekenntnis hatten, der richtigen Religion angehörten, wenn sie sich unterordnen konnten . . . Gottseidank war Martin Luther ein Rebell, der sich aufarbeitete, der sich informierte, der Vergleiche anstellen konnte, der sich auch den Äußerungen stellte . . . (Ich stehe hier und kann nicht anders . . .) ist ein Merksatz geworden, den wir befolgen sollten, jeder ist auf der Suche nach den Möglichkeiten, nach den Antworten . . . es bleiben wie gewohnt die Fragestellungen, es bleiben wie gewohnt die Zweifel, es bleiben die Tatsachen der Geschichten, die wir aufführen, sei es durch Ungerechtigkeiten, Grausamkeiten, Widerwärtigkeiten oder was auch immer . . . Kirche ist auch im Reformationsjahr 2017 auf der Suche nach sich selbst!!! . . . die Reformation selbst sollte uns helfen, neuerlich eine Reformation einzuleiten, wir hätten sie dringend verdient, und könnten dann vielleicht mehr als bisher an der einzigartigen Glaubwürdigkeit arbeiten . . . die Zeit drängt!!!!

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