Landwirtschaft
Herdenschutz: In Osttirol kaum Thema

Ein flächendeckender Herdenschutz in Osttirol ist für Schafzuchtobmann Thomas Steiner nicht denkbar. Zu hoch wären Aufwand und Kosten.
  • Ein flächendeckender Herdenschutz in Osttirol ist für Schafzuchtobmann Thomas Steiner nicht denkbar. Zu hoch wären Aufwand und Kosten.
  • Foto: Symbolbild: Pixabay/easywedding
  • hochgeladen von Claudia Scheiber

Herdenschutzpilotprojekte auf Schafalmen in Tirol starten mit der heurigen Almsaison. Für Osttirol sind keine Projekte vorgesehen.

OSTTIROL. Im vergangenen Jahr kam es im Bezirk Lienz und in ganz Tirol immer wieder zu Rissen von Schafen, die auf Wölfe zurückgeführt werden konnten. Für rund 250 gerissene und im Zusammenhang mit großen Beutegreifern vermissten Schafe und Ziegen sind beim Land im vergangenen Jahr 114 Anträge auf Entschädigungszahlungen und Refundierung von Futterkosten eingegangen. Zehn verschiedene Wölfe, davon acht männliche und zwei weibliche, wurden im Jahr 2020 in Tirol nachgewiesen. In Osttirol waren es drei verschiedene Individuen, die alle aus der italienischen Quellpopulation stammen.

Keine Anfragen

Um die Weidetiere auf den Almen vor Wolfsangriffen zu schützen, stellt das Land Tirol in den Jahren 2020/2021 insgesamt eine Million Euro für Herdenschutzmaßnahmen zur Verfügung. Die ersten Pilotprojekte auf Schafalmen starten mit der heurigen Almsaison und werden seitens des Landes bei der Planung der Schutzmaßnahmen, der veterinärmedizinischen Betreuung der aufgetriebenen Tiere, bei der Schaffung der notwendigen infrastrukturellen Voraussetzungen sowie in organisatorischen und rechtlichen Fragen unterstützt.
In Osttirol wird allerdings keines dieser Pilotprojekte durchgeführt. Auf Nachfrage hieß es vonseiten des Landes:

"Herdenschutz funktioniert nur, wenn die Betroffenen dahinterstehen. Grundsätzlich ist es so, dass Almbewirtschafter, die Interesse haben, an das Land Tirol herantreten und dann Projekte entwickelt werden, die seitens des Landes auch entsprechend unterstützt werden. Aus Osttirol liegen derzeit keine Anfragen für Herdenschutzprojekte mit gelenkter Weideführung vor."

Finanziell nicht zu stemmen

Auch Thomas Steiner, Obmann der Osttiroler Schafzüchter, ortet im Bezirk ein geringes Interesse an solchen Herdenschutzprojekten: "Für kleinere Almen könnte es wahrscheinlich funktionieren. Aber ein flächendeckender wirksamer Herdenschutz ist in unserem Bezirk einfach nicht denkbar. Der generelle, aber vor allem der finanzielle Aufwand für die Schafbauern wäre nicht zu stemmen. Pro Schaf muss man hier mit bis zu 70 Euro rechnen." Rund 18.000 Schafe gibt es laut Steiner im Bezirk, über 95 Prozent werden im Sommer auf die Almen in den Regionen gebracht.

Schwierige Perspektive

Dem Obmann der Schafzüchter sieht der bevorstehenden Almsaison mit gemischten Gefühlen entgegen. Er vermutet, dass es auch in diesem Jahr wieder zu Rissen kommen wird. Dann bleibe den Bauern im Falle wohl nichts übrig, als die Schafe wieder von den Almen zu holen. "Meine große Sorge ist, dass, wenn es in Zukunft vermehrt zu Rissen kommt, viele mit der Schafhaltung aufhören und damit auch der Erhalt der Almwirtschaft in Gefahr ist. Die Perspektiven sind derzeit einfach schwierig", so Steiner.

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