LEIB UND LEBENSWELTEN IN DER KUNST - DIE NEUE AUSSTELLUNG IN DER GALERIE GAUDENS PEDIT LIENZ

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Nur selten wird uns bewusst, in welchem Maß der Leib unser Erleben, ja unsere gemeinsame Lebenswelt prägt. Von frühester Kindheit an werden unsere Erfahrungen in leiblichen Gedächtnisstrukturen niedergelegt, die uns den alltäglichen Umgang mit den Dingen, Situationen und anderen Menschen ermöglichen. Dieses Gedächtnis des Leibes ist die Grundlage unserer Vertrautheit mit der Welt . . .

Die leibliche Einbettung in die Lebenswelt ist aber in unterschiedlicher Weise gefährdet: KRISEN, TRAUMATISCHE ERFAHRUNGEN, PSYCHISCHE ERKRANKUNGEN können ihr den Boden entziehen. Eine entfremdende Wirkung auf die Lebenswelt geht auch von den Lebenswissenschaften aus, insofern sie unsere Selbsterfahrung als Produkt genetischer und neuronaler Prozesse erklären: aktuelle Hirnforscher stellen sogar ein neues Menschenbild in Aussicht . . . eine spannende Situation . . .

Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Gaudens Pedit in der Sonnenstadt Lienz bemüht sich, einen neuerlichen Einblick in Kunstbereiche zu ermöglichen, die nicht alltäglich sind, die sich häufig am Rande abspielen, sich aber als Spiegel einer eigenständigen Phänomenologie von Kunst, Krankheit, Psychiatrie und Lebenswelten repräsentieren. Künstlerische Fähigkeiten und Ambitionen, wesentliche Elemente des menschliches Daseins zeigen diese Exponate in der Ausstellung von Gaudens Pedit. Kunst und Wahn, Kunst und Krankheit, Kunst und seelische Erschütterung, Kunst als innere Reproduktion des Wahrhaften, Kunst als Regression der verschiedenen Erlebniswelten . . . es fordert vom Betrachter eine gehörige Portion innerer Disziplin voraus, Geduld zu haben, sich einzulassen, den möglichen Vorgang nachzuvollziehen, was den Menschen veranlasst haben mag, gerade dieses Werk als Kunstwerk umzusetzen . . . uns jetzt damit zu konfrontieren . . . damit wir alle verstehen lernen, dass auch die KUNST geeignet ist, einen Weg der Heilung zu beschreiten, obwohl das mit der Heilung gerade hier oft und vehement verneint wird, ich stehe zu der Aussage, dass die KUNST einen immensen Beitrag leisten kann, ein Heils-Geschehen auf den Weg zu bringen, allerdings müssen sich die Beiträge einer sorgfältigen Untersuchung unterziehen dürfen . . . was eine Zeichnung, was ein Bild verrät, ist ein komplexer Vorgang, setzt ein profundes Wissen voraus, was viele Betrachter dieser Ausstellung nicht besitzen, was sie auch nicht erarbeiten wollen oder möchten . . . es ist jammerschade, wenn es bei einer oberflächlichen Betrachtung bleibt, man sich mit Allgemeinplätzen begnügt, sich kaum oder eben nur ansatzweise auf der Oberfläche tummelt, ohne sich auf das wahre Geschehen des Ausdrucks, des Stils, des Produkts einzulassen . . .

Diese Ausstellung muss sensibel betrachtet werden, möglichst mehrmals, und wenn es geht, auch aus immer wieder neuen Perspektiven und Winkeln heraus, nur so lässt sich das ganze Spektrum erahnen . . . betrachten wir ein Bild, eine Skizze, eine Gesamtheit, ist es vonnöten, mehrmals den Betrachtungsvorgang zu wiederholen, ihn möglichst zu besprechen, und sich nicht nur einen kurzen Blick zu gestatten . . .

Auffällig waren für mich persönlich etliche Darstellungen, die das Thema der Sexualität aufgegriffen haben, ein klarer Beweis dafür, dass trotz bestimmter Einschränkungsmerkmale einer gestörten Persönlichkeit, eines verminderten Geistes, der Sexualtrieb eine starke Kraft ist, er meist eine zentrale Funktion im Leben dieser Menschen beinhaltet, die Fantasien beflügelt und die Wünsche bestärkt, am gesellschaftlichen Prozess teilzunehmen . . . alle Bild-Produktionen sagen viel über Bildung, Gestaltung und Formung aus, ich kann diese Ausstellung nur wärmstens empfehlen, allerdings mit ein bisschen mehr Konzentration und Aufmerksamkeit, mit ein bisschen mehr an Empathie für die betroffenen Künstler, die sich einer vermeintlichen Öffentlichkeit versuchen mit-zu-teilen . . . ich werde diese Ausstellung mehrmals besuchen . . .

Grenzverschiebungen haben ihre Bedeutung!!!

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