Herdenschutz
Studie zeigt die Schwierigkeiten auf

Die verhältnismäßig kleine Hühnerspielalm ist bereits eingezäunt und hätte gute Voraussetzungen für einen Schutz der 134 Schafe.
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  • Foto: Büro Alpe
  • hochgeladen von Hans Ebner

Die Rückkehr der streng geschützten großen Beutegreifer Wolf und Bär stellt die traditionelle Schafhaltung auf den Almen vor große Herausforderungen. Eine vom Land Tirol in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie sollte anhand von vier Almen in Nord- und Osttirol untersuchen, ob und wie Herdenschutz in Tirol mit seinen hochalpinen und teils stark frequentierten Almgebieten machbar ist.

TIROL/OSTTIROL (ebn). Die Studie kommt zum Schluss, dass Maßnahmen wie Behirtung, gezielte Weideführung, Zäune, Pferche oder Hunde zum Schutz der Schafherden vor Wölfen grundsätzlich machbar, allerdings nur bedingt umsetzbar und vielfach mit erheblichen Kosten verbunden sind. Aus der Landwirtschaft heraus seien diese nicht zu erwirtschaften. Die Kosten liegen je nach Voraussetzungen und Maßnahmen zwischen elf und 80 Euro pro Schaf.

Die Hühnerspielalm

In Osttirol wurde die Hühnerspielalm im Villgratental für die Studie ausgewählt. Die mit 28 Hektar Fläche verhältnismäßig kleine Privatalm hätte gute Voraussetzungen für einen Schutz der 134 Schafe, die zwischen 1.900 und 2.200 m Seehöhe weiden.
Durch ihre geringe Größe, den bereits vorhandenen Zaun, die fehlende touristische Nutzung und nicht zuletzt die grundsätzliche Bereitschaft der Besitzer könnte ein Herdenschutzprojekt dort gelingen. Als mögliche Maßnahmen werden die elektrische Verstärkung des bestehenden Zauns, die Unterteilung in Koppeln sowie Lamas oder Herdenschutzhunde aufgeführt.

Dass es aber auch ganz anders sein kein, zeigt das Beispiel der Umhausener Schafalm im Ötztal. Nach der Analyse kommt die Studie zum Schluss, dass es dort weder technisch machbar, noch sozioökonomisch nachhaltig ist, Herdenschutz zu betreiben.
Die Machbarkeitsstudie Herdenschutz hat ebenfalls gezeigt, dass eine gezielte Weideführung der Schafe in den weitläufigen Almgebieten die Voraussetzung für die spätere Umsetzung konkreter Herdenschutzmaßnahmen ist. „Bewirtschaftern von Schafalmen, die sich für eine gezielte Weideführung interessieren, bieten wir Almbegehungen mit unseren Experten an“, erläutert LHstv. Josef Geisler. Diese würden vor Ort auch die Machbarkeit von Herdenschutzmaßnahmen einschätzen.

Entschädigungen

In Tirol gibt es knapp 400 Almen, auf die im Sommer rund 68.000 Schafe aufgetrieben werden. 2019 gab es in Tirol fünf Bärennachweise in Form von Fotos, DNA und Spuren sowie neun genetische Wolfsnachweise. Im Zusammenhang mit Wolf und Bär wurden 14.000 Euro Entschädigungszahlungen für 18 nachweislich von Wolf (15) oder Bär (3) gerissene sowie für weitere 40 tote, nicht beurteilbare oder nicht mehr auffindbare Schafe geleistet. 1.000 Euro wurden für Futterkosten für aufgrund der Wolfspräsenz abgetrieben Schafe aufgewendet.
Mit Beginn der kommenden Almsaison wird das Land Tirol im Rahmen der Landes APP eine Anwendung anbieten, die die Öffentlichkeit umgehend über eine allfällige Wolfspräsenz informiert. Für Tiere, die in einer solchen Situation von den Almen geholt werden, übernimmt das Land Tirol schon jetzt die Futterkosten. Ebenfalls bereits in Kraft ist ein neues Entschädigungsmodell für gerissene Tiere.

„Das Thema Wolf hat gesellschaftspolitische Sprengkraft. Es ist höchst emotional und polarisiert wie kaum ein anderes“, ist sich Geisler bewusst. „Ich sehe meine politische Verantwortung darin, kein Öl ins Feuer zu gießen, sondern besonnen auf ausnahmslos allen Ebenen dafür zu arbeiten, damit die Schafhaltung und die Almwirtschaft in Tirol Zukunft haben."

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