02.10.2014, 16:29 Uhr

125 Fälle für die Kinder- und Jugendhilfe in Osttirol

(Foto: Firma V/Fotolia)
BEZIRK (red). „Die ‚gesunde Watsche‘ gibt es nicht“, stellt Landesrätin Christine Baur, zuständig für Kinder- und Jugendhilfe anlässlich des heutigen Tages der Gewaltlosigkeit klar. Österreich hat 1989 als weltweit viertes Land nach Schweden, Norwegen und Finnland das zentrale Kinderrecht auf gewaltfreies Aufwachsen gesetzlich festgeschrieben. Somit haben Kinder seit einem Vierteljahrhundert ein Recht auf gewaltfreie Erziehung.

In einigen Fällen brauchen leider Kinder und Jugendliche aber immer noch behördlichen Schutz. „Gibt es Anzeichen für Gewalt, Missbrauch oder Vernachlässigung, darf niemand wegschauen“, betont Baur. Wenn ein Nachbar, ein Bekannter oder Verwandter der Familie eine Meldung bei der Kinder- und Jugendhilfe macht, ist dies eine gute Möglichkeit, eine Abklärung, abseits von polizeilichen Erhebungen, einzuleiten. „Die Kinder- und Jugendhilfe geht allen Meldungen nach und kann professionell die Situation einschätzen und handeln. Sie kann dem Kind bzw. der Familie Hilfe anbieten und ist nicht zur Anzeige verpflichtet“, informiert Baur.

125 Meldungen auf Verdacht einer Gefährdung im Bezirk Lienz

Die größten Probleme in einer Familie sind überforderte Eltern, Vernachlässigung, finanzielle Probleme, Suchtprobleme oder psychische Erkrankungen. Meldungen bei der Kinder- und Jugendhilfe kommen häufig von der Polizei, von Verwandten, Bekannten, Schulen, Kindergärten oder Ärzten. Aber auch betroffene Eltern, Kinder und Jugendliche melden sich immer häufiger selbst. So gingen von den tirolweit 3.329 Gefährdungsmeldungen im Jahr 2013ein. Im Bezirk Lienz waren es insgesamt 125.

Die MitarbeiterInnen der Kinder- und Jugendhilfe überprüfen meist durch Hausbesuche die Situation in der gemeldeten Familie. „Oft lassen sich Krisen durch Beratungen oder eine ambulante Betreuung lösen“, berichtet Silvia Rass-Schell, Vorstand der Abt. Kinder- und Jugendhilfe. Im Lienz erhielten im Jahr 2013 insgesamt 127 Kinder und deren Eltern eine ambulante Hilfe. Diese – auch „Unterstützung der Erziehung“ bezeichnet – sieht vor, dass die Kinder bzw. die Jugendlichen in der Familie bleiben und die Eltern durch Fachkräfte wie SozialarbeiterInnen oder PsychologInnen beraten und begleitet werden.

Können die familiären Probleme durch eine Hilfe in dieser Form nicht bewältigt werden, kann das Kind bzw. der/die Jugendliche eine kürzere oder längere Zeit in einer familienähnlichen Einrichtung, in einer Pflegefamilie, in einer sozialpädagogischen Wohngemeinschaft oder im Rahmen des betreuten Wohnens begleitet werden. 18 Kinder und Jugendliche aus dem Bezirk Lienz fanden so 2013 im Rahmen der „Vollen Erziehung“ in Stationären Einrichtungen ein kurz- oder längerfristiges Zuhause, wenn die Situation in der Familie nicht mehr tragbar war. Insgesamt wurden in Tirol 833 Kinder und Jugendliche außerhalb der Familie betreut.
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