19.12.2017, 17:18 Uhr

Ein Pfeifkonzert für den Obmann

Das neue Vorstandtrio: Franz Theurl, Thomas Winkler und Werner Frömel (v.l).
OSTTIROL (ebn). Der Leiter der Tourismusabteilung im Land Tirol, Gerhard Föger, bezeichnete die Vollversammlung des TVB-Osttirol am 18. Dezember als "Grande Finale" des Wahlreigens der Verbände im Land. Er sollte recht behalten. Was sich an diesem Montag im Lienzer Stadtsaal abspielte war tatsächlich "Grande". Aber nicht unbedingt im positiven Sinn.

Die Tagesordnungspunkte wie Bericht des Obmanns, des AR-Vorsitzenden oder des Geschäftsführers verkamen zu Nebendarstellern die von den Anwesenden erduldet wurden. Teils auf den Rängen teils im Foyer. Alle warteten nur auf die Wahl des neuen Aufsichtsrat. Wobei der Stadtsaal nicht besonders voll war. Durch das neue Wahlprozedere, bei dem bereits vorher gewählt werden konnte, sparten sich viele den Weg zur Vollversammlung. Rund 1.500 Stimmzettel wurden bereits im Vorfeld abgegeben.
Die eigentliche Wahl folgte noch dem Schema der vorangegangenen Sitzung: routiniert und unspektakulär. Während der Auszählung blieb nicht nur Zeit für eine Stärkung sondern auch für Wahlprognosen. Manchmal mehr realistisch, manchmal weniger. Aber was an diesem Abend noch kommen sollte, hätte sich wohl kaum jemand gedacht.

Mit Gerhard Föger, der zur Verkündung des Ergebnisses schritt, näherte sich der Abend seinem ersten Höhepunkt. Bei den Tourismuswahlen werden die Stimmen nach dem  Verhältniswahlrecht aufgeteilt. Nach diesem Verfahren werden in Österreich viele Wahlen abgehalten, z.B. auch Gemeinderatswahlen. Die abgegebenen Stimmen werden dabei in Ausichtsratssitze umgerechnet. Obwohl die Liste von Martin Gratz in den Stimmgruppen 2 und 3 sowie die Liste von Heinz Schultz in der Stimmgruppe 1 die Mehrheit der Stimmen erhielt konnte Franz Theurl mit seinen Stimmen die gleiche Anzahl an Aufsichtsratssitzen erringen. Somit hieß es sechs Sessel für Franz Theurl, vier für Martin Gratz und zwei für Heinz Schultz. Da Gratz und Schultz kooperierten, entstand eine Pattsituation. Das Zünglein an der Waage bildeten somit die beiden Bürgermeister Anton Steiner und Matthias Scherer, die von Amtswegen im Aufsichtsrat sitzen.
Damit schlug die Stunde des Franz Theurl. Er wusste die Bürgermeister hinter sich und lieferte bei der Wahl des Vorstandes eine Machtdemonstration ab. Stimmverteilung hin oder her - alle drei Vorstandssessel gingen zur Bezirksliste. Theurl bleibt Obmann, sein Stellvertreter ist Thomas Winkler und Werner Frömel komplettiert das Trio. Auch beim Aufsichtsrat kein Pardon: Karl Jurak wird Vorsitzender, Hansjörg Mattersberger sein Stellvertreter. Alle Abstimmungen endeten im Verhältnis 8/6.

Ein Schlag ins Gesicht für die anderen Lager. Zornige Proteste im Publikum und eine aufgeheizte Stimmung im Saal waren die Folge. Die beiden Listenführer Schultz und Gratz meldeten sich inmitten der Buh-Rufe noch zu Wort. "Tourismus wird in den Tälern gemacht. Die Positionen sind alle an Vertreter der Stadt gegangen. Das tut dem Tourismus nicht gut", so Schultz.
"225 Stimmen weniger und dennoch alle Positionen bei der Bezirksliste. Das mag legitim sein, ist jedoch nicht demokratisch", erklärte Gratz und zweifelte damit das Demokratieverständnis der beiden Bürgermeister an.

Den Abschluss der Sitzung bildeten ein Pfeifkonzert und laute Buh-Rufe. Dem alten und neuen Obmann wird das in diesem Moment egal gewesen sein. Er hat seine Macht nicht nur gefestigt, er hat sie geradezu einzementiert. Mission erfüllt.
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