28.10.2017, 09:42 Uhr

GOTT. DER MENSCH UND SEINE TEUFEL: REFORMATIONS-NACHBETRACHTUNG

Das Reformationsjahr hätte uns allen mehr Erkenntnisse liefern können, ein mehr an freiem Nachdenken über die Grundfragen der Menschheit. Nach wie vor gestalten wir das Leben wie Licht und Schatten, das Gottesbild ist auch weiterhin ambivalent und auch virulent. Martin Luther hatte die Möglichkeit, der Kirche eine andere entgegen zu stellen, bis dato ist kein wirklicher Aufbruch in eine neue Neu-Ausrichtung zu erkennen, auch ein Andenken in eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen den Strängen der katholischen und protestantischen Kirche lässt zu wünschen übrig.

Die Grundfragen unserer Zeit sind die gleichen geblieben: Schicksale, Katastrophen, Elend, Armut, Tragödien setzen sich ohne Ende fort, daran ist leider auch die Kirche inhaltlich nicht wirklich weiter gekommen, für mich ein großes Dilemma, wäre eine Aussöhnung, eine Annäherung ein Geschenk für uns alle!!

Die kirchlichen Ideologien sind auf beiden Seiten inzwischen verhärtet, das bisschen Ökomene ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, die sprituelle Erneuerung kein Thema, wir leben in den Tag hinein, wirken wie fremd-gesteuert, lassen uns bevormunden, lernen etwas auswendig ohne es zu verstehen, das Reformationsjahr 2017 hätte einen bessere Aufarbeitung verdient!!

Die Werkzeuge des Fleisches sind die gleichen: Unzucht, Missbrauch, Vergewaltigung, Unsittlichkeit, Eifersucht, Neid, Missgunst, Spaltung, Trink- und Essgelage, Streit und vieles andere mehr setzen sich fort ohne Ende, der Kapitalismus mit seinen geschickten Ideen hat alle im Griff, es fehlt nur noch die Entmündigung, die Einschränkung des freien und unabhängigen Geistes . . . ich kann keine Weiterentwicklung der Persönlichkeit erkennen, eher eine Bevormundung, eine Manipulation, eine selbst-auf-erlegte Zwangssituation der Sinne . . .

Martin Luther gehört zu den seltenen Figuren der kulturellen Evolution, von denen man sagen darf, sie hatten ideen-geschichtliches Glück. Vom Glück begünstigt ist man auf diesem Feld, wenn man bessere Nachfolger findet, als man wirklich verdient hat. Zu den unverdienten Nachfolgern rechnen im Fall Martin Luthers vor allem Leibniz, Bach, Lessing, Kant, Fichte, Hegel, Nietzsche, Schweitzer und auch Luther-King . . . die Ideen-Geschichten gehen weiter, seit Luthers Aufbruch haben wir insgesamt auch und vor allem eine Schieflage erzeugt, eine Asymmetrie, eine Absurdität . . . man glaubt, Hegel habe seine Vision der "Phänomenologie des Geistes" an den Geschichten und Positionen Luthers angeknüpft . . . Luthers Leistungen haben nicht alle eine Wirkung erzeugen können, die Menschen von damals waren einfach gestrickt, sie waren leicht zu führen und zu
überzeugen, sie glaubten alles und nichts, das man sich heutzutage schon fragen muss, wie konnten diese Menschen so dumm sein???

Aus politologischer Sicht war der neugeschaffene Protestantismus die Rezeption eines immer währenden Gezänks unter Theologen und der sogenannten Obrigkeit, sie brauchten  diese künstlichen Konflikte, um das Verwirr-Spiel in Gang zu setzen . . . ob nun Gott im Abendmahl präsent ist oder nicht ist eigentlich sekundär, aber die Skandale um diese Vorgänge damals haben die Gemüter erhitzt, die Konfessionen erlebten eine politische Dimension, entdeckten den ständigen Widerpart . . .

Luther hatte geistesgeschichtlich wie auch psycho-historisch großes Glück, weil sein von sich her überwiegend dunkles Erbe, religions-psychologisch dubios, theologisch un-originell, philosophisch regressiv, vom 17. Jahrhundert an durch immer neue Schichten von Aufklärung, Aufheiterung und Zivilisierung über-formt wurde. Luther hatte nicht alles im Griff: dass aus einer theologischen Tobsucht ein Abendlied wurde, in dem der Wald gelernt hatte, schwarz zu schweigen, welt-müde Gestalten aus den Nebelschwaden aufstiegen . . . Luther berief sich auf biblische Alliierte, der Heilige Geist war das entscheidende Stichwort, die Masken der Glücksgöttinnen waren geboren . . . wir alle tragen auch weiterhin diese Masken, und verstecken dahinter unsere Charakteren, denen wir auch überdrüssig geworden sind . . . die Weltverleugnung war das Ziel . . . ob ich nun jauchze oder frohlocke, die kahlen Kirchen werden zunehmen, das kann auch kein Johann Sebastian Bach überdecken, das irdische Vergnügen mit diesem Gott ist nicht allen gewährt, es ist ein harter Gestalt-Prozess, an dem sich nicht alle beteiligen wollen, das Phlegma ist der Grund, die Saturiertheit das Übel der menschlichen Geschichte . . .

Mehr Glück als Verstand hatte Luther, als sich herausstellte, dass er, trotz seiner späten Worte gegen das Judentum, an dem erbärmlichen Ex-Katholiken Adolf Hitler nicht schuld war. Er hatte Glück, als die Evangelischen Kirchen in Deutschland in ihrem Stuttgarter Schuldbekenntnis vom Oktober 1945 die NS-Katastrophe als einen Mangel an Mut und Liebe auf sich nahmen. Zum letzten Mal hatte er Glück, als Martin Luther King vor einer erhobenen Menge deklamierte, er habe einen TRAUM . . .

Für mich haben die 500 Jahre keinen wirklichen Segen gebracht, die Sorgen, die Probleme sind die gleichen, das Entsetzliche setzt sich fort, für mich wirken die meisten Menschen als überspannt, überdreht, sind abgehoben und meist auch in ihrer Bildung mangelhaft qualifiziert . . . unter dem Auge Gottes vollziehen sich die altbekannten Grausamkeiten unserer gemeinsamen Geschichte . . . wer soll bitteschön das Rad der Geschichte durch-brechen??? Wer hat den Mut, an einem echten Erneuerungs-Prozess der Kirche mitzuwirken, die ihre Hilferufe aussendet, die auf der Suche nach sich selbst ist??? Wir sind vor Gott alle gleich . . . aber bis das jeder begriffen hat . . . hat sich die Erde schon wieder weiter gedreht . . . wir alle haben den Mund offen, wollen gefüttert werden . . . nehmt endlich eure Couch und bewegt euch, macht aus dem Leben etwas, beginnt zu begreifen, es liegt an uns selbst, die Kirche ist nicht der Segen allein, wir machen mit unseren Gedanken und Gefühlen die Kirche aus, aus denen wir etwas bewirken können . . .
Wenn nicht jetzt, wann dann??? Wie lange wollen wir noch warten??? Luther hätte etwas anderes verdient!!!! Es lohnt sich darüber nachzudenken!!! Das Herz der Wirklichkeit schaut anders aus . . .


 
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