18.06.2017, 16:34 Uhr

WAS HAT MARTIN LUTHER MIT UNS UND AMERIKA ZU TUN???

1607 landeten die Engländer in der NEUEN WELT . . . dann folgten die Siedler und teilten sich die Landschaften auf, okkupierten Grund und Boden und vertrieben ganz nebenbei die Indianer, die man als sogenannte Wilde bezeichnete. Wie sooft war bei diesen Gruppierungen auch Geistliche dabei. Sie waren nach der Überlieferung her Protestanten, dabei kam es zu Durchmischungen, wenn die Anglikaner als Repräsentanten der englischen Staatreligion, einer reformierten Theologie zugehörig, sich verbreiteten . . . reformierte Theologie klingt erst einmal aufhorchend, aber es ging nur darum, eine sogenannte kongregationsnationale Kirche zu gründen . . .

Weiters formierten sich später erste Lutheraner und freikirchliche Ansätze der Society of Friends, die man bei uns als Quäker kannte, wegen ihrer quäkenden Sprachartikulation. Der Protestantismus hatte Einzug in die amerikanische Geschichte gefunden, ebenso die Baptisten, die Methodisten, die aus den Reformflügeln der anglikanischen Kirche in England hervorgingen . . .

Redet man über die Bedeutung von Martin Luther in Amerika, dann machen sich die historischen Wurzeln des Protestantismus in den späteren Vereinigten Staaten eines deutlich: am Anfang stehen nicht die bedeutsamen Einflüsse eines Luthers im Vordergrund, sondern die von Jean Calvin, die sich unterscheiden im Gebrauch und in der Anwendung des Abendmahles, gleichzeitig die Inanspruchnahme von Laien in den Kirchengemeinden . . . hierarchische Ordnung waren die Prinzipien der Gestaltung. Das unterschiedliche Interpretieren und Auslegen der Bibel wurde oft zum Streitpunkt der verschiedenen Ausrichtungen . . .

Elitebewusstsein wurde ins Leben gerufen, wer einer kirchlichen Gemeinde angehörte, hatte seinen Standesdünkel, alle glaubten dort vor Ort, von ihnen aus würde sich das geistige und religiöse Gedankengut wieder auf Europa auswirken, sie fühlten sich besser und abgeklärter, waren der Ansicht, die Ideale einer Demokratie musste hier geboren und erfunden sein . . . die Freiheit auf amerikanisch ist bis dato ambivalent, Amerikaner sind eingebildet, von sich eingenommen . . . das Erbe von Martin Luther in Europa machte seltsame Fortschritte, aller Dünkel der Herzöge und Fürsten beinhaltete auch das Gefühl, ein Stellvertreter Gottes zu sein, demzufolge auch so mit den Bürgern umzugehen, sie zu beurteilen, von ihnen alles zu fordern und abzuverlangen . . . das UNMITTELBARE zu Gott zeigt sich in den Getauften, im neuen Selbstbewusstsein, Auserwählter, Begnadeter, Bevorzugter zu sein . . .

Die amerikanische Geschichte drückt eine Grundüberzeugung aus, die sich bis heute bei den Tea-Partys manifestiert, in denen sich auch und vor allem Grundgedanken eines Martin Luthers wiederfinden . . . America first hat einen Touch von Martin Luther, es ist ein großmäuliges DIKTUM, denn Luther hatte auch einen Stil, der viele Bürger damals befremdete, heutzutage sind die Politiker auf einem Trip der Überzeugungen aus der untersten Schublade, sie reden pausenlos von Freiheit, schnüren aber immer mehr die Rechte der Bürger ein, bringen keine Selbstbestimmung weiter, sondern prahlen mit ihren Doktrinen über Rechte und Pflichten, dabei stehen sie grundsätzlich außen vor, sie glauben im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein . . . der freiheitliche Begriff in Amerika ist nicht nur politisch gedacht, nein, für diese Menschen hat das auch einen religiösen Touch . . . Donald Trump schwor gleichzeitig auf zwei Bibeln, ohne religiös zu sein, er zeigte deutlich den Hang zur Blasphemie, aber das hat keiner an diesem Tag gemerkt, auf einer in sich dummen Veranstaltung können keine Werte entstehen oder aufkommen . . .

Die Kirchen selbst fahren einen regiden Stil, sie beteiligen ihre Gläubigen mit finanziellen Belastungen, drücken ihnen Briefumschläge in die Hand, die sie dann mit Scheinen füllen müssen . . . wenn in unseren Breiten das Kirchgeld oder die Kirchensteuer eingefordert wird, dann delegiert das der Staat auf die vorhandenen Einrichtungen und Institutionen, die ihren Auftrag in der Diakonie und in der Caritas hervorragend erfüllen . . .

Was würde heute Luther alles machen, angesichts der Dramen, der unendlichen Kriege, Vergewaltigungen, Missbräuchen usw.??? Mit der Selbstbestimmung liebäugelte Luther gerne, mischte sich zu Anfang in schwierige Themen ein, vergaß aber auch, dass Bauern und Juden auch Menschen sind, die man respektieren muss, gegen sie hat er viel geschimpft und sie verbal häufig angegriffen . . . sein Antisemitismus ist in die große Welt hinausgetragen worden, der sich u. a. im National-Sozialimus und im 2. Weltkrieg manifestierte . . . er kollaborierte mit den Mächtigen, mit der Obrigkeit . . . das uns bis heute belastet und auch beschämt . . .

Der radikale Konservatismus hat Anteile eines Martin Luthers, seine Elemente durchströmen das Gedankengut und die Grundüberzeugungen einer durchgedrehten Politik, die mit Calvin und Luther haussieren geht, aber nicht danach handelt, weil sie alle die Prinzipien einer Reformation noch nicht verstanden haben . . . wir könnten dringend eine neue REFORMATION gebrauchen!!! Wir sind zu faul, wir sind zu träge, wir wollen es bequem, und vor allem den anderen die Arbeit überlassen . . . die Ergebnisse haben wir jeden Tag vor Augen . . . nicht mit meinem Namen!!!
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