15.03.2017, 00:00 Uhr

"Chancen und Entwicklungen im Holzbau"

(Foto: Brunner Images)

Experten und Praktiker diskutieren im Rahmen der Holzverbindet-Informationstage bei Theurl Holz die internationalen Entwicklungen im Holzbau.

In der Firma Theurl Holz in Thal-Wilfern trafen sich die Player der internationalen und lokalen Holzverarbeitungs- und Holzbaubranche bei den diesjährigen 3. Holzverbindet-Informationstagen. Über 130 Fachleute aus der Holzbranche im Publikum folgten den Vorträgen mit dem Motto „Chancen und Entwicklungen im Holzbau“. Sie erhielten einen Einblick in aktuelle Holzbauprojekte von Schweizer Betrieben weltweit.

Brandschutz im Fokus

Zunächst gab Christoph Starck von Lignum Schweiz einen Überblick. Für ihn ist die Schweiz das fortschrittlichste Holzbau-Land, das sehr viel in den Brandschutz investiert hat und heute theoretisch alles mit diesem Werkstoff bauen kann. "Mittlerweile wurde ein 10-geschossiges Bauprojekt bewilligt, das genau genommen bereits ein Hochhaus ist", so Starck.
Richard Jussel von Blumer-Lehmann AG zeigte auf, wie schöne Holz- Modulbauten mit moderner Architektur zunehmend die Bauwirtschaft revolutionieren.

"Holz brennt sicher", ist eine doppeldeutige Tatsache. Bis vor wenigen Jahren waren mehrgeschossige Holzbauwerke deshalb ein No-Go. Dann wurden von den Holzbauingenieuren neue Zielsetzungen formuliert. "Wir brennen immer noch, wissen aber, wie es geht", so Reinhard Wiederkehr. Die Schweizer Holzbauer wie auch die Behörden haben die Fesseln abgelegt und radikal neue Brandschutzvorschriften erarbeitet.
Als Auftakt zur anschließenden Podiumsdiskussion gaben auch zwei
österreichische Brandschutzexperten ihr Statement ab. Rene Staudacher von der Tiroler Landesstelle für Brandverhütung hielt dabei fest, dass Holzkonstruktionen berechenbare Größen im vorbeugenden, baulichen Brandschutz sind. Jedoch würden die einheitlichen Vorschriften und Bestimmungen fehlen, um der Gesetzgebung Lösungsansätze bieten zu können.
Heinz J. Ferk leitet das Labor für Bauphysik der TU Graz. Er unterstrich, dass aus seiner Sicht "mit dem Brandschutz für den Baustoff Holz unter Einhaltung der Sorgfaltspflicht nur gute Erfahrungen gemacht wurden, fast gleich wie mit allen anderen Baustoffen".

Dennoch ist die Schweiz mit ihren Brandschutzvorschriften Österreich weit voraus. In der Diskussion brachte es Reinhard Wiederkehr dann auf den Punkt: "Wir, von der Holzbaubranche, haben diese Entwicklung selber in die Hand genommen und Schritt für Schritt vorangetrieben. Und auch die andere Seite, Behörde und Versicherung mitgenommen."

Die Zukunft des Werkstoffes Holz

Berthold Kranz beleuchtet die Entwicklung des Holzbaus aus der Sicht eines Herstellers von Holzfaserdämmstoffen. "Hersteller, Behörde, Planer und Bauherr müssen harmonieren, damit Innovationen im Holzbau möglich sind", so Kranz.
Für Biochemiker Karl Dobianer ist Holz schon wegen seines antiseptischen Effektes ein äußerst gesundes Produkt. „Die jahrzehntelange Desinformation, die Holz als Werkstoff diskreditierte, kann nur mit sachlicher Diskussion korrigiert werden“, meinte Dobianer.
Zum Abschluss entwickelte der Wirtschaftsphilosoph Rene Schmidpeter ein provokantes Zukunftsszenario, das dem Werkstoff Holz neue ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. Von der Badewanne bis zum Automobil, überall kann Holz verwendet werden.

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