Wie kommt der Elche an die Wand?

Flasch ist zu Recht stolz auf seine Spezialanfertigungen.
  • Flasch ist zu Recht stolz auf seine Spezialanfertigungen.
  • Foto: Swennen
  • hochgeladen von Monika Kickenweiz

(us). Tiere werden seit Urzeiten für die Nachwelt präpariert, ob als Jagdtrophäe, aus wissenschaftlichen Gründen oder aus Sentimentalität, weil man sich von seinem liebgewonnenen Haustier nicht trennen will. Einer der letzten Präparatoren-Meister, Michael Flasch, hat seine Werkstatt in der Klopstockgasse 44. Er ist der mit Abstand jüngste der wenigen noch verbliebenen Präparatoren Wiens. „Wenn die anderen Meister in Pension gehen, bleibe ich als letzter übrig“, erklärt Michael Flasch, denn es gibt keinen Nachwuchs in seinem Metier. „Die großen Museen haben eigene Präparatoren, die jedoch nur noch mit dem Restaurieren beschäftigt sind.“ Das eigentliche Handwerk ist viel komplizierter. Die Wände seiner kleinen Werkstatt sind voll mit Formen und Modellen, die für die jeweilige Aufgabe genau vermessen und adaptiert werden. Da sich die Größe des Fells beim Gerben verändert, muss auch dies in die spätere Tier-Skulptur einkalkuliert werden. Das erfordert viel Erfahrung und Talent. Flasch lässt es sich nicht nehmen, diese Feinarbeit für die Kunden selbst auszuführen – und genau das sieht man seinen Tieren auch an: Sie sind echte Kunstwerke.

Sein handwerkliches Geschick und das Interesse an der Natur und den Tieren gehen auf seine Kindheit zurück, denn in Michael Flaschs Familie wurde immer schon gezimmert und gejagt. „Als sich die Berufsfrage stellte, war klar, dass ich etwas Handwerkliches mit Naturbezug machen wollte“, erklärt der passionierte Jäger und Naturfreund. Bei der Jagd gehe es ihm nicht um das Erlegen von Tieren, sondern um das Naturerlebnis. „Ich kann stundenlang die Ruhe im Wald genießen, beobachten, wie sich die Tiere bewegen.“ Diese Kenntnisse bringt er dann akribisch in seine Präparate ein. Da muss der Blick passen, die Muskelanspannung, die Haltung oder die Bewegung. Feinarbeit, die bis zu einer Woche dauern kann. Bei Vogelpräparaten muss jede einzelne Feder genau gelegt und befestigt werden, denn nichts ist für den Meister schlimmer als lieblose, ungenaue Arbeit.

„Früher habe ich oft für private Museen gearbeitet“, erzählt Flasch. Er hat dafür kunstvoll ganze Miniatur-Welten gebaut. „Heute kann sich nur noch eine finanzkräftige Klientel die Arbeit des Präparators leisten.“ Viele, oft skurrile Geschichten ranken sich um jene Kunden, die ihr liebgewordenes Haustier zu ihm bringen. „Das ist ein schwieriges Kapitel. Ich bin selbst Hundebesitzer und kann den Schmerz über den Verlust eines Haustieres sehr gut nachfühlen. Deshalb versuche ich immer, ihnen das Präparieren auszureden.“ Oftmals vergeblich. Er erzählt von einer älteren Dame, die ihre Wellensittiche alle paar Jahre zu ihm bringt. „Für sie bleibt der Vogel durch das Präparieren lebendig.“ Mittlerweile hat sie eine ganze Vogelsammlung in ihrer Gemeindebauwohnung.
Ein anderer Kunde wollte für seinen verstorbenen Hund Räder zum Gassigehen haben. „Die Menschen gehen ganz unterschiedlich mit Trennungsschmerz um. Das ist mit meiner Berufsethik oft unvereinbar“, erklärt Flasch, der lieber den erlegten Elch oder Wasserbüffel eines Jägers präpariert.

Der Beruf des Tierpräparators ist ein sehr traditionsbewusster. Dies hat Flasch am Anfang seiner Karriere oft zu spüren bekommen. „Die ersten 10 Jahre waren hart. Aber ich würde es wieder so machen!“ In den mittlerweile 20 Jahren seiner Tätigkeit hat er viele treue Stammkunden gewonnen. Die Freude am Modellieren und seine Spezialanfertigungen haben Flasch berühmt gemacht: Löwen mit reflektierenden Augen, Wildschweine, die aussehen, als wären sie eben noch durchs Wasser gelaufen, und Wasserbüffel, die optisch zum Sprung ansetzen. Die Kunden wissen diese künstlerische Qualitätsarbeit zu schätzen, was den Meister natürlich freut. Genauso, wie jeden Tag in seine eigene Firma zu kommen und dort das zu tun, was er liebt.

Autor:

Monika Kickenweiz aus Ottakring

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!

Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.