Fit in den eigenen vier Wänden
So meistern Österreichs beste Boxer die Quarantäne

Training bei den Naders
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Der Ottakringer Boxclub Bounce ist Österreichs größtes Boxsportzentrum und wie so viele Sportstätten derzeit aufgrund des Coronavirus geschlossen. Das heißt aber nicht, dass deren Spitzenathleten wie Marcos Nader oder Eva Voraberger ihre Trainings unterbrechen. Ein Einblick in die neue Alltagssituation von sechs Bouncern.

Marcos Nader: Die Fans als Motivatoren

Kein Boxen und kein Tanzen: Den geselligen Profiboxer und Dancing Star trifft die Coronakrise hart, dennoch lässt er sich nicht unterkriegen.

Dass die verschärften Maßnahmen zur Bewältigung des Coronavirus richtig waren, steht für Profiboxer Marcos Nader außer Frage. "Jeder sollte sich daranhalten", sagt Nader, der aber auch an der Kehrseite leidet. "Ich bin ein geselliger Typ und vermisse meine ganzen Trainingspartner und Mitglieder unseres Boxclub Bounce." Es freue ihn immer wieder zu sehen, wenn Mitglieder nach einem stressigen, harten Arbeitstag in seinen Boxclub kommen und diesen dann mit einem dankbaren Lächeln wieder verlassen. Dieses Lächeln holt er sich derzeit digital, denn seine Trainings gibt er – zumindest in reduzierter Form – auch weiterhin. Über Social Media motiviert er seine Fans und nutzt deren Feedback wiederum als eigene Motivation. "Es ist wirklich cool, wenn ich Nachrichten oder Videos bekomme, wo sie mein Training umgesetzt haben", freut sich Nader. Frei nach dem Motto: Gemeinsam statt einsam und wenn nicht Face-to-Face, dann wenigstens digital. Und wenn der Profiboxer mal keinen Bock auf Workout hat, dann hat er seine Frau Sandra, die ihn anfeuert es doch zu tun.

Zur Person: Marcos Nader (30) ist österreichischer Profiboxer und amtierender IBF International Middleweight Champion.
Sein Tipp fürs Heimtraining: Holt Euch die Motivation von Freuden. Macht über Social Media Wettbewerbe, die anfeuern oder schreibt Euren Trainern und fragt um Tipps.

Der Spaß kommt beim Training nie zu kurz.
  • Der Spaß kommt beim Training nie zu kurz.
  • Foto: Boxclub Bounce
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Marcel Rumpler: Olympiagedanke befeuert

Österreichs Olympiakandidat im Weltergewicht hat bei den Qualifikationsturnieren in London seinen ersten Sieg errungen, dann wurde das Turnier frühzeitig abgesagt.

"Rumpler siegt vor Abbruch“ titelten heimische Medien als der 22-Jährige Boxer bei den Olympiaqualifikationsturnieren in London den Ring verließ. Danach (Anm. 17. März) ging es sofort Nachhause und für zwei Wochen in Quarantäne. Doch der Spitzensportler hat sein Mantra gefunden, nur noch zwei Siege fehlen bis Tokio. „Und das befeuert“, so Rumpler. Dass nun die Olympischen Spiele um ein Jahr verschoben wurden, sieht der gebürtige Wiener Neustädter als Chance für zusätzliche Vorbereitungszeit. Seine Trainingsstätte hat er derzeit in den heimischen Garten verlegt. Die gleichen Möglichkeiten wie am Bundesstützpunkt, dem Boxclub Bounce, habe er hier zwar nicht, aber das Olympiaticket ist zum Greifen nah und das motiviert und weckt seine kreative Seite für das Home-Training. „Im Moment stehen Kräftigung, Ausdauer und Koordination am Plan“, so Rumpler. Seine Trainingspläne erhält er derweil von seinen Trainern digital. Und für manche Übung müssen schon mal die Gartenmöbel seiner Mutter herhalten.

Zur Person: Marcel Montana Rumpler (22) ist olympischer Boxer im Nationalkader Österreichs und Anwärter auf Olympia 2021. Gewichtsklasse Weltergewicht (-69 kg).
Sein Tipp fürs Heimtraining: Wie bei einem Stundenplan in der Schule fixe Zeiten für das Training einplanen und diese auch umsetzen.

Marcel Rumpler ist Österreichs Olympiakandidat im Weltergewicht.
  • Marcel Rumpler ist Österreichs Olympiakandidat im Weltergewicht.
  • Foto: Boxclub Bounce
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Daniel Nader: Die Athleten digital im Blick

Wie ein Bundestrainer die Coronakrise meistert, wenn alle Athleten in Quarantäne sind.

Nach den frühzeitig abgebrochenen Olympiaqualifikationsturnieren in London musste Daniel Nader zurück in Österreich gleich mal für zwei Wochen in Quarantäne. Für einen Trainer, dessen Athleten den Traum von Olympia hegen, keine leichte Situation. „Ohne einen physisch präsenten Trainer lassen auch Spitzensportler gerne ihre Disziplin ein wenig schleifen“, erzählt Nader. Dass die Olympischen Spiele nun um ein Jahr verschoben wurden, ist vielleicht eine kleine Verschnaufpause, aber kein Grund sich auf die faule Haut zu legen. Seinen Wettkämpfern legt er derweil ans Herz akribische Videoanalysen der letzten Wettkämpfe zu machen. „Sie sollen erkennen, was taktische Fehler waren, was gut funktioniert hat“, so Nader. „So viel Zeit bekommen sie nie wieder.“ Seine Dachterrasse hat Nader übrigens in ein kleines Outdoor-Gym verwandelt. Dort trainiert er täglich Boxgrundtechniken mit seinen Kindern. „So sind sie an der frischen Luft und bekommen genügend Bewegung“, erklärt Nader. Auch seine über 1.000 Mitglieder des Boxclub Bounce will er nicht vernachlässigen. Diese versorgt er via seinen Social Media-Kanälen mit kleinen digitalen Boxlektionen aus seinem Erfahrungsschatz.

Zur Person: Daniel Nader (38) ist Österreichs erfolgreichster Boxtrainer. Als geprüfter 3 Stern Trainer des Welt-Boxverbandes AIBA hat er die Lizenz, Athleten bei EM, WM und Olympischen Spielen zu coachen.
Sein Tipp fürs Heimtraining: Sucht Euch einen Trainer oder ein Gym, die Euch regelmäßig mit Trainingsplänen bespielen. Das Ganze sollte ein System haben. Macht Videos von Euch und schaut Euch die später an, ob alles richtig gemacht wurde.

Bundestrainer Daniel Nader trainiert auch in Krisenzeiten.
  • Bundestrainer Daniel Nader trainiert auch in Krisenzeiten.
  • Foto: Boxclub Bounce
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Eva Voraberger: Zusammenhalt ist das Wichtigste

Die Coronakrise hat Österreichs erster Boxweltmeisterin gezeigt, wie wichtig Gesundheit ist und genau deshalb bleibt sie hartnäckig, wenn es um ihre Heimtrainings geht.

Einfach sei die Coronasituation natürlich nicht, aber für Eva Voraberger steht die Gesundheit und der Zusammenhalt nun an oberster Stelle. Die Quarantäne überdauert sie derzeit im Haus ihrer Familie in der Steiermark. Und dort hilft sie Nachbarn und älteren Menschen bei Einkäufen und Erledigungen. In der Früh und am Abend trainiert sie laut Plan ihres Coaches Daniel Nader. Ihr großer Vorteil: „Mein Freund Leo. Er ist selber Boxer und kann mit mir deshalb viel Tatzentraining machen.“ Ansonsten stehen bei der Profiboxerin derzeit viel Rumpftraining und Stabilitätsübungen an der Tagesordnung. Und wie steht es um die Motivation? Für die Boxweltmeisterin reine Kopfsache. „Ich habe mein Ziel vor Augen und das ist bald wieder im Ring zu stehen“, so Eva. Das sei ihre größte Motivation. Übrigens: Ihr größter Kritiker ist wohl Katze Nizarius, die jedes Training ganz genau verfolgt.

Zur Person: Eva Goldenbaby Voraberger (30) ist Profiboxerin im Bantamgewicht und wurde 2014 Österreichs erste Boxweltmeisterin. Seit Anfang 2020 trainiert sie im Boxclub Bounce.
Ihr Tipp fürs Heimtraining: Motivation beginnt im Kopf. Setzt Euch ein Ziel wie Gewichtsreduktion oder 100 Liegestütz ohne Pause und versucht es konsequent zu erreichen.

Eva Voraberger arbeitet zuhause hart an ihrer Form.
  • Eva Voraberger arbeitet zuhause hart an ihrer Form.
  • Foto: Boxclub Bounce
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Michaela Kotaskova: Die Krise als Chance sehen

Mit einem der letzten Züge verließ die Boxerin Österreich, um zu ihrer Familie nach Tschechien zu fahren. Dort ist sie nun genauso in Quarantäne und gibt Online-Trainings für ihre Schützlinge in Österreich.

Home-Workout ist für Michaela Kotaskova eine gute Gelegenheit gezielt an Schwächen zu arbeiten. Deswegen investiert die Boxerin derzeit viel Zeit in Ausdauer-, Stabilisationstrainings und Schnelligkeitsübungen. Lange stand rein der Wettkampfaspekt bei ihren Trainings im Vordergrund. Die Coronakrise macht für Kotaskova aber nun Bewegung zu einem absoluten Mehrwert für Gesundheit. „Nur ein fitter und gesunder Mensch kann solche Krisenzeiten auch ohne viel Aufwand überstehen“, so die Boxerin. Und das will die Trainerin nun auch an ihre Schützlinge weitergeben. Jeden Samstag macht sie deswegen via den Social Media-Kanälen ihres Boxclubs BC Bounce (Facebook: @Boxclubbounce) ein Live-Zirkeltraining, motiviert ihre Schützlinge mit sogenannten Challenges auf ihren eigenen Kanälen und bietet seit neuestem auch digitale Trainings auf ihrer Webseite www.mk-boxing.com an. Ihre Rolle als Trainerin nimmt sie ernst und sieht die Quarantäne auch als eine Art Chance neue Wege zu gehen.

Zur Person: Michaela Kotaskova (28) ist mehrfache österreichische Staatsmeisterin im olympischen Boxen und Trainerin im Boxclub Bounce.
Ihr Tipp fürs Heimtraining: Macht Euch einen schriftlichen Trainingsplan. Was geschrieben steht und für eine bestimmte Uhrzeit geplant ist, wird konsequenter gemacht.

Michaela Kotaskova macht online Trainingseinheiten für ihre Schützlinge in Österreich.
  • Michaela Kotaskova macht online Trainingseinheiten für ihre Schützlinge in Österreich.
  • Foto: Boxclub Bounce
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Tom Knöbl: Das Beste daraus machen

Auch wenn dem Assistenztrainer des österreichischen Nationalkaders der Schweißgeruch seiner Athleten fehlt, macht er das Beste aus der Situation und kann der Zwangspause sogar etwas Positives abgewinnen.

Normalerweise ist Tom Knöbl sechs Mal die Woche im Boxclub Bounce und trainiert dort den österreichischen Nationalkader. Bei den sechs Mal die Woche ist es trotz Coronakrise geblieben – „jetzt trainiere ich halt sechs Mal die Woche allein daheim“, so Knöbl. Im Trainerdasein hat der ehemalige Profisportler seine berufliche Erfüllung gefunden, deswegen fällt ihm die Motivation dazu nicht schwer. Prinzipiell sei er ein Mensch, der sich gut an Situationen anpassen könne. „Eine positive Selbstkonditionierung ist das, was einem aus schlimmen Situationen das Beste machen lässt“, so Knöbl. Die Corona-Zwangspause nutzt der Trainer auch um sich einmal richtig zu regenerieren. „Ich habe noch nie so viel geschlafen und regelmäßig gegessen wie jetzt“, so Knöbl. Eine Stufe runterfahren, um danach wieder Vollgas geben zu können – ein Dogma, indem auch so mancher Leistungsfanatiker gut beraten wäre. Was fehlt, sei natürlich der Kontakt zu seinen Schützlingen. „Der Schweißgeruch, die Trainingshalle aber vor allem die Entwicklung meiner Athleten nicht sehen zu können, das ist die Kehrseite der Isolation“, so Knöbl. Wobei er auch hier das Beste aus der Situation macht. Seine Freundin habe vor kurzem mit dem Boxen begonnen und ist damit ein „ideales Pokemon zum Weiterentwicklen“, meint Knöbl.

Zur Person: Tom Knöbl (40) coacht Profisportler aus den Segmenten Thaiboxen, MMA und Kickboxen. Seit März 2019 ist er Assistenztrainer für das österreichische Nationalteam am Bundesstützpunkt in Wien.
Sein Tipp fürs Heimtraining: Gezielte Selbstkonditionierung funktioniert mit Belohnung. Dokumentiert Eure Trainings um Erfolge und Fortschritt sichtbar zu machen. Macht kleine Wettbewerbe mit Euren Freunden via Social Media.

Trainer Tom Knöbl hält sich zuhause fit.
  • Trainer Tom Knöbl hält sich zuhause fit.
  • Foto: Boxclub Bounce
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Autor:

Michael J. Payer aus Donaustadt

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