Weltkulturerbe
"Am Steinhof ist’s bald zu spät!"

Die "Alliance for Nature" möchte Steinhof mittels Weltkulturerbe schützen.
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  • Die "Alliance for Nature" möchte Steinhof mittels Weltkulturerbe schützen.
  • Foto: Silvia S.
  • hochgeladen von Mathias Kautzky

Während die Stadt am Steinhof weiter bauen lässt, wollen Bürger das Gelände als Weltkulturerbe schützen lassen.

PENZING. Die Pressekonferenz der "Alliance For Nature", eines Zusammenschlusses von Vereinen, die Wiens historische Stätten vor der Zerstörung retten wollen, findet im Café Landtmann in der Innenstadt statt.
Gerhard Hadinger von der Bürgerinitiative "Steinhof erhalten" erklärt den aktuellen Stand der Dinge: "Das OWS und die Steinhof-Gründe sind gefährdet wie nie zuvor. Der Ostteil des OWS wurde bereits großteils durch Wohnbauten der stadtnahen Gesiba zubetoniert. Man versucht, dort so lange zu bauen, bis das Areal irgendwann nicht mehr schutzwürdig ist. Dann wird es zu spät sein." Er schlägt vor, die Kirche am Steinhof mitsamt des Grünareals und der sie umgebenden Mauer bei der UNESCO als Weltkulturerbe zu nominieren. Die Verleihung des Weltkulturerbe-Prädikats könnte die verbliebenen unverbauten Arealteile schützen, erhofft sich die "Alliance For Nature".

Volksbefragung 1981

Im Jahr 1981 konnten sich alle Wiener an einer Volksbefragung beteiligen. "Sollen die Steinhof-Gründe verbaut werden?", war damals eine der gestellten Fragen. 140.394 der insgesamt 262.603 gültigen Stimmen lauteten "Nein". In den darauf folgenden Jahrzehnten gab es keine Baumaßnahmen am Steinhof, bis im Frühjahr 2017 im Ostteil die Bauarbeiten für 160 neue Wohnungen gestartet wurden.

Nach Plänen der Stadt Wien soll das OWS mit seinen denkmalgeschützten Pavillons in den kommenden Jahren zur Gänze abgesiedelt werden. Das Pflegezentrum wurde bereits geschlossen, zwei psychiatrische Abteilungen des Spitals sind im Vorjahr ins Krankenhaus Hietzing übersiedelt. Verblieben ist bis dato die Psychiatrie für Häftlinge. "Die Forensik wird bis 2023 im OWS bleiben", erklärt Ralph Luger, Sprecher des Krankenanstaltenverbundes (KAV).

Soros-Privatuni im OWS?

Trotzdem regt sich bereits jetzt eine lebhafte Diskussion über die Nachnutzung. Auch als möglicher Standort für die Privatuniversität von George Soros ist das OWS nach wie vor im Gespräch. "Bevor es kein Gesamtkonzept für die Nutzung des OWS gibt, weiß man nicht, ob eine Uni dorthin passt", so Hadinger. "Denn ohne Konzept befürchten wir, dass irgendwann neue Hörsäle auf den grünen Wiesen gebaut werden."
Nun setzt "Alliance For Nature" alles auf eine Karte: die Nominierung der Steinhof-Gründe und des OWS als Weltkulturerbe. Ökologe Christian Schuhböck: "Dass das OWS einem Weltkulturerbe würdig ist, wurde von ICOMOS 2012 bestätigt."

Das Schlusswort der Pressekonferenz hat Bernd Lötsch, Universitätsprofessor, ehemaliger Direktor des Naturhistorischen Museums und Naturschützer: "Die Steinhof-Gründe sind ein Kulturerbe und ein Erholungsraum im Nordwesten Wiens, wo der Wind direkt aus dem Grüngürtel in die Großstadt weht. Das OWS ist eine sozial- und medizinhistorische Großtat der Jahrhundertwende, die in ihrer Nutzung größte Rücksichtnahme erfordert."

Die "Alliance for Nature" möchte Steinhof mittels Weltkulturerbe schützen.
Die "Alliance for Nature" möchte Steinhof mittels Weltkulturerbe schützen.

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