20 Jahre
Happy Birthday, neunerhaus!

Im Rahmen der Geburtstagsfeier wurden die neuen Peers ausgezeichnet.
18Bilder
  • Im Rahmen der Geburtstagsfeier wurden die neuen Peers ausgezeichnet.
  • hochgeladen von Yvonne Brandstetter

Die Sozialorganisation mit Sitz in Margareten feiert ihr 20-jähriges Jubiläum im großen Stil.

WIEN. Hilfe auf Augenhöhe unter dem Motto "Du bist wichtig". Das ist es, was die Organisation neunerhaus seit 20 Jahren ausmacht. Der 31. August 1999 war der Startschuss für eine neue Form der Obdachlosen- und Wohnungslosenhilfe in Wien.

Damals riefen engagierte Bürger aus dem Alsergrund ein Wohnprojekt ins Leben, bei dem auf Bedürfnisse von wohnungslosen Menschen eingegangen wurde. Heute, 20 Jahre später, ist daraus eine weitaus größere, professionelle Sozialorganisation entstanden, die neben der Obdachlosenhilfe auch im Bereich Gesundheit und Beratung Unterstützung anbietet. Im vergangenen Jahr startete sogar ein eigenes Café in Margareten. Hilfe zur Selbsthilfe - so lautet dabei der Grundsatz.

neunerhaus als Geburtshelfer

Ein Jubiläum ist Grund zum Feiern. Und gefeiert wurde ausgiebig, im zwischengenutzten Leerstandsobjekt Villa Schapira in der Max-Emanuel-Straße 17 (Währing). Die Räumlichkeiten waren gesteckt voll, zahlreiche Gäste zollten neunerhaus Tribut, darunter auch Vizebürgermeisterin Birgit Hebein (Grüne).

In ihrer Rede blickt sie zurück auf ihr Leben vor 20 Jahren. "Damals war ich Mutter eines einjährigen Sohnes, bei der Volxtheaterkarawane und habe bei der Gewerkschaft gearbeitet", erzählt sie. Die gelernte Sozialarbeiterin arbeitete damals selbst mit Obdachlosen. neunerhaus verbindet sie mit Markus Reiter (Mitbegründer der Organisation und heute Bezirksvorsteher des 7. Bezirks), mit dem sie damals in einem Büro saß. Eines ist ihr besonders wichtig: "neunerhaus ist Geburtshelfer von Housing First und ein Grund, warum wir das in Wien verhandelt haben. Dafür bin ich sehr dankbar".

Auch Sandra Frauenberger, Geschäftsführerin vom Dachverband Wiener Sozialeinrichtungen, zollte neunerhaus Tribut. "Ich kam das erste Mal durch die Gewerkschaft der Privatangestellten, bei der ich damals tätig war, in Kontakt mit neunerhaus", erinnert sie sich. "Was ich so großartig finde, ist dieses respektvolle, wertschätzende Arbeiten", so Frauenberger weiter. "Es hat etwas Solidarisches, Inspiratives, Innovatives. Und cool daher kommen sie halt auch immer", lacht sie.

Anita Bauer, Geschäftsführerin Fonds Soziales Wien (FSW), erinnert sich noch, dass sie vor 20 Jahren in ihre jetzige Wohnung zog. "Wenn ich darüber nachdenke, wird mir wieder klar, wie wichtig es ist, ein Zuhause zu haben", sagt sie. Den FSW gibt es seit 15 Jahren, neunerhaus begleitet mich schon sehr lange.  ,Schön ist, dass man dort immer offen ist für neue Projekte wie beispielsweise Housing First oder unser erstes Haus in der Hagenmüllergasse".

"Gesellschaftliches Versagen"

Dass man nach 20 Jahren noch lange nicht am Ende ist, beweist neunerhaus-Geschäftsführerin Daniela Unterholzner. Sie stellte im Rahmen der Feierlichkeiten eine neue Kampagne vor. Der Titel: "Beenden wir die Scham. Beenden wir die Obdachlosigkeit". Die Plakate zeigen Menschen, die sogenannte "Schandmasken" aus dem Spätmittelalter tragen.

"Jeder von uns kennt das Gefühl von Scham, jeder reagiert anders darauf", so Unterholzner. "Ein ehemals Obdachloser hat einmal zu mir gesagt 'Das Schwierigste war für mich, mir selbst zu vergeben'". Doch Obdachlosigkeit, so Unterholzner, ist kein individuelles Vergehen, sondern entsteht als Zeichen gemeinsamen gesellschaftlichen Versagens. "Scham ist in jedem Menschen drin, aber es ist die gesellschaftliche Beschämung, die passiert. Wie ist so etwas in einem Land wie Österreich überhaupt möglich", sagt die Geschäftsführerin.

Genau darauf will neunerhaus mit der Kampagne hinweisen. "Wir wollen Zeichen setzen gegen Stigmatisierung, Beschämung und Ausgrenzung. Wir haben es in der Hand, das zu beenden", stellt Unterholzner klar und ergänzt: "Dafür wollen wir auch die nächsten 20 Jahre kämpfen."

"Peers" ausgezeichnet

Kollegin und ebenfalls Geschäftsführerin, Elisabeth Hammer bedankt sich bei all jenen, die den Erfolg möglich gemacht haben - engagierte Bürger, den Gründern und natürlich den Aufsichtsräten. "Sie alle machen es möglich, dass Wohnungslosenhilfe einen anderen Geist ausstrahlt, dass eine Grundhaltung entsteht, die von Respekt getragen wird".

Für die nächsten 20 Jahre hat sie Wünsche: "Ich will, dass wir weiterhin mutig sind, uns nicht abschrecken lassen und kreativ arbeiten. Power und Gas geben in gutem Miteinander", so Hammer. Zwei Themen stehen dabei im Fokus: Hilfe bieten, die die Gesellschaft braucht und Hilfe anbieten, die auch wirksam ist.

Im Rahmen der Veranstaltung gab es dann noch ein besonderes Highlight. 17 sogenannte "Peers" wurden ausgezeichnet. Dabei handelt es sich ebenfalls um ein neues Projekt von neunerhaus, in Zusammenarbeit mit dem FSW. Bei einem Zertifikatskurs (der auch beim AMS anerkannt wird), lernen Menschen, die selbst Obdachlosigkeit erlebt haben, ihre Erfahrungen zu reflektieren und künftig anderen Menschen in ähnlichen Situationen zu helfen - also als Beispiel zu fungieren.

Der erste Kurs ist Geschichte, die 17 Absolventen freuten sich über ihre Abschlussurkunden. Danach wurde weitergefeiert, Musik und Kulinarik inklusive- alles unter dem Motto "Du bist wichtig".

Autor:

Yvonne Brandstetter aus Penzing

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
Die wichtigsten Nachrichten per Push Mitteilung direkt aufs Handy! Jetzt für Deinen Bezirk anmelden!

Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.