Konflikt in Otto-Wagner-Kirche
Orgelstreit und weihnachtliches Hausverbot

Dunkle Wolken über Otto-Wagners Prunkstück: Hinter den Kulissen der Kirche am Steinhof ist ein Streit um die Orgel entbrannt. Hausverbote und schwere Vorwürfe stehen im Raum.
  • Dunkle Wolken über Otto-Wagners Prunkstück: Hinter den Kulissen der Kirche am Steinhof ist ein Streit um die Orgel entbrannt. Hausverbote und schwere Vorwürfe stehen im Raum.
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Ein Streit zwischen den Organisten der Otto-Wagner-Kirche und der Verwaltungsdirektion des Krankenanstaltenverbundes (KAV) eskalierte zu Weihnachten. Nun gibt es Hausverbote und Drohungen von beiden Seiten.

PENZING. Die Weihnachtsmesse in der Kirche am Steinhof ist gut besucht. Hunderte Menschen nehmen jedes Jahr am 24. Dezember daran teil. Zu Beginn der Christmette vor einem Monat ließ Pater Georg Dinauer allerdings wissen, dass er um Nachsicht bitte, sollte bei der Musik etwas schief gehen. Man habe hier nämlich spontan umplanen müssen, der Organist sei ausgefallen und ein Ersatz erst einen Tag vor Weihnachten gefunden worden. Die Messe lief dann aber ohne Zwischenfälle. Auch der Ersatz-Organist und die Sängerin konnten zufrieden sein.

Doch dann, nach Weihnachten, meldete sich Uwe Martens zu Wort. Er hatte als Organist die Weihnachtsmesse der Kirche im Otto-Wagner-Spital geplant - und er hätte sie auch spielen sollen. Martens war aber zu Weihanchten nicht im Einsatz. Seiner Aussage nach, weil man ihm kurzfristig Hausverbot erteilt hatte. Schwere Vorwürfe erhebt er nun gegen den KAV, der für die Kirche im Krankenhausareal zuständig ist und die entsprechende Verwaltungsdirektion.

Der Streit um die Orgel am Steinhof

In den Wochen vor Weinachten, so Martens, habe er feststellen müssen, dass sich die Orgel in einem schlechte Zustand befände. "In diesem Zustand wäre das für eine Messe mit 600 Personen unspielbar gewesen", so Martens. Also habe er Anfang November 2019 die Kulturbeauftragte für das Sozialmedizinische Zentrum Baumgartner Höhe über den Zustand der Orgel informiert. Ihm sei dann gesagt worden, dass bereits eine Überprüfung der Orgel beauftragt wurde - bei einem Orgelbaumeister aus Mauerbach. Dieser aber, so erfuhr Martens kurz später, wusste nichts von einem entsprechenden Auftrag.

"Am 17. Dezember rief ich dann erneut an, um mitzuteilen, dass sich die Orgel noch immer in einem unspielbaren Zustand befindet. Und da das Gelingen der großen Festmesse an Heiligabend gefährdet war, suchte ich auf den Webseiten des Krankenanstaltenverbundes nach dem nächst höheren Vorgesetzten", so Martens. Und dann kontaktierte er das Büro des Stadtrates, Peter Hacker. Drei Tage später, am 20. Dezember, erhielt Martens die Info, dass die umgehende Wartung der Orgel veranlasst wurde.

Hausverbot und Diffamierungen

Am gleichen Tag wurde Martens aber von Michael Wurstbauer, seit 40 Jahren Organist in der Otto-Wagner-Kirche, darüber informiert, dass Wurstbauer gefragt wurde, ob er die Weihnachtsmesse in der Kirche am Steinhof spielen würde. Martens selbst hatte aber bereits den Programmablauf festgelegt, Noten arrangiert und geprobt. Wurstbauer lehnte die Anfrage ab. Er behauptet nämlich, dass von ihm in letzter Zeit Geld verlangt worden sei, um Zugang zur Kirche und zur Orgel zu bekommen.

"In der Otto Wagner-Kirche muss ich als der zuständige Anstaltsorganist pro Stunde 120 Euro bezahlen, um spielen beziehungsweise üben zu können, habe keinen Zutritt mehr und bekomme nun nach 40 Jahren Tätigkeit eine Aufsichtsperson beigestellt", beklagt sich Wurstbauer. Und Martens erhielt noch am selben Tag Hausverbot in der Kirche. Der Vorwurf: Martens hätte sich unrechtmäßig Zutritt zur Kirche verschafft, indem er sich einfach den Schlüssel beim Portier geholt hätte. Das dementiert Martens.

Verwaltungsdirektion weist Vorwürfe zurück

In der Verwaltungsdirektion des Otto-Wagner-Areals will man von all den Vorwürfen nichts wissen. "Herr Martens führt eine Kampagne gegen unser Haus und die Kirche", so Rainer Miedler, Verwaltungsdirektor der Anlage am Steinhof. Und Wurstbauer hätte sich von Martens instrumentalisieren lassen. Man habe die Angelegenheit auch schon dem Rechtsbüro übergeben.

Miedler setzt noch einen drauf. "Herr Wurstbauer soll sich zurückhalten, sonst kommen Dinge an die Öffentlichkeit, die auch ihn treffen", so der Verwaltungsdirektor. Auch, dass von Wurstbauer 120 Euro für den Zutritt zur Kirche verlangt worden seien, stimme so nicht. "Herr Wurstbauer ist gekommen und gegangen, wann er wollte. Wir haben das unterbinden müssen", so Miedler. In der Kirche sei ein dichtes Kulturprogramm installiert worden. Täglich fänden Führungen statt, die durch Proben auf der Orgel gestört würden. Das habe der Organist aber nicht akzeptieren wollen.

Und auch gegen Martens schießt der Verwaltungsdirektor scharf. "Herr Martens hat ein rein geschäftliches Interesse. Wir wollen aber in keinerlei Geschäftsbeziehung mit ihm treten." Martens und Wurstbauer würde die Generalsanierung der Orgel aus Eigeninteresse fordern, da sie damit Geld verdienen würden. Doch das sei zum einen nicht finanzierbar, so der Verwaltungsdirektor, und zum anderen wirtschaftlich nicht durchdacht, denn die Orgel würde aufgrund der Position in der Kirche und der Temperaturunterschiede sowieso regelmäßig leiden. "Martens versucht uns so darzustellen, als wären wir Kulturbanausen. Und darum führt er eine Kampagne gegen uns. Wir werden ihm und auch Herrn Wurstbauer sicher keinen Auftrag mehr erteilen."

Autor:

Elisabeth Schwenter aus Penzing

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