Kalchbrenner geht in Pension
"Ich gehe mit zwei lachenden Augen"

18 Jahre lang war Andrea Kalchbrenner Bezirksvorsteherin in Penzing. In wenigen Monaten geht sie in Pension.
  • 18 Jahre lang war Andrea Kalchbrenner Bezirksvorsteherin in Penzing. In wenigen Monaten geht sie in Pension.
  • Foto: Spitzauer
  • hochgeladen von Elisabeth Schwenter

Andrea Kalchbrenner geht nach 18 Jahren als Bezirksvorsteherin im Herbst in Pension. Sie übergibt ihr Amt als Bezirkschefin von Penzing an Michaela Schüchner. 

Warum gehen Sie gerade jetzt in Pension?
ANDREA KALCHBRENNER: Ich habe immer angekündigt, dass ich gehe, wenn ich das Pensionsantrittsalter erreicht habe. Ich gehe mit zwei lachenden Augen – auch deshalb, weil ich davon überzeugt bin, dass meine Nachfolgerin eine sehr gute Wahl ist. Ich bleibe bei der SPÖ Penzing und werde hier natürlich weiter tätig sein.

Was waren die positiven Highlights der vergangenen 18 Jahre an der Bezirksspitze?
Die Übersiedlung 2001 in das neue Haus war ein Highlight. Was mich persönlich am meisten beeindruckt hat, war, dass ich gemeinsam mit Margit Fischer Patin des Wienerwaldtunnels sein durfte. Ich habe diese Patenschaft sehr ernst genommen, war einmal im Quartal draußen bei den Tunnelbauern und durfte lernen, wie ein Tunnel gebaut wird. Und besonders stolz bin ich darauf, dass das Gedenken an die Kinder vom Spiegelgrund bei uns im Bezirk zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist. Ich weiß auch, dass das weitergeführt werden wird.

Was waren die größten Herausforderungen?
Da hat es zwei gegeben: Das eine ist noch immer die Entwicklung des Otto-Wagner-Krankenhauses. Der Bezirk hat in der Zuständigkeit eine Minifunktion. Trotzdem wird vom Bezirk erwartet, das zu retten, zu stoppen oder sonst was zu tun. Der Beschluss, dass wir in einem Teil des Bezirks das Parkpickerl einführen, war auch keine einfache Übung. Aber ein Jahr nach der Einführung habe ich keine einzige negative Reaktion mehr gehört. Das hat mich dann doch beruhigt. Denn die Entscheidung dafür war nicht einfach.

Was hat sich in 18 Jahren in der Politik verändert?
Ich habe von Beginn an gesagt: Ich will mit allen Parteien zusammenarbeiten. Das hat funktioniert. Was mir insgesamt aufgefallen ist: Die kleinteilige Politik wird schwieriger. Es braucht viel Mut, um eine Funktion im Bezirk zu übernehmen. Es ist heute für Junge nicht mehr so einfach, in ihrer Arbeit zu sagen: "Ich werde Bezirksrat. Ich bitte um Verständnis!" Was ich zugebe: Der Ton ist hin und wieder rauer geworden. Und ich hasse persönliche Beleidigungen und Untergriffe. Denn letztendlich steht hinter der Funktion ein Mensch.

Welche Tipps geben Sie der neuen Bezirksvorsteherin Michaela Schüchner mit?
Das Wichtigste ist, dass man den Bezirk lieb hat – und das hat sie. Dass man hellhörig ist. Dass man Kritik versteht und nicht persönlich nimmt. Die Kunst, sich durch den Magistrats-dschungel zu bewegen, muss man auch lernen.

Über welche Dinge stolpert man am Anfang?
Manchmal sind es Fristsetzungen in Aktenläufen. Sich da hin-einzufinden, einen Rhythmus für den Tag und die Bürgerkontakte zu finden, ist auch neu. Man ist auch für viele Dinge im Bezirk zuständig, für viele halb und für andere wieder gar nicht. Das ist nicht so einfach.

Wie viele Stunden pro Woche arbeitet man als Bezirkschef?
Zwischen 60 und 70 Stunden, würde ich einmal sagen. Aber viele Termine sind sehr schön. Dann sieht man Kunst und Kultur und lernt Menschen kennen. Das muss man sich mitnehmen.

Was werden Sie im Herbst machen?
Einen Griechischkurs im Oktober. Ich habe hunderte Kochrezepte, die ich sortieren und ausprobieren werde. Ich will mir auch in jedem Wiener Bezirk etwas anschauen, wozu ich bisher keine Chance hatte. Und ich werde mir relativ bald überlegen, wo ich mich weiter sozial engagieren werde. Sonst wäre ich ja nicht die Kalchbrenner.

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