Interview mit Marathon-Mann Peter Laznicka

"Helden des Laufsports" führt Interviews mit Menschen die eine gemeinsame Leidenschaft haben, nämlich das Laufen. Zeiten spielen hier keine Rolle, es geht um die Person und die Geschichte dahinter. Vom Genussläufer bis zum WM-Teilnehmer, hier ist von jedem etwas finden. Heute stellt sich der Wiener Peter Laznicka den Fragen

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Helden des Laufsports: Hallo Peter! Du bist 2018 die 10- Kilometer-Distanz in 37:37 Minuten und die 5-Kilometer-Distanz in 18:32 Minuten gelaufen. Da du 63(!) Jahre alt bist sind das sensationelle Zeiten. Warum bist du in diesem Alter noch so unglaublich fit?

Peter: Ich denke nach wie vor sehr leistungsorientiert und bin, was den Trainingsaufwand betrifft, schon sehr konsequent. Das funktioniert natürlich nur dann, wenn man das auch gerne und mit Leidenschaft macht und – mal mehr, mal weniger – Spaß am Training hat.

Hdl: 14 deiner letzten 15 Marathons bist du alle unter drei Stunden gelaufen. Wo warst du da am Start und welche Bestzeit hast du stehen?

Peter: Ich bin läuferisch viel in anderen Ländern unterwegs, sehr häufig auch in den USA. Mittlerweile bin ich auch „Six Star Finisher“ mit einer Ø-Zeit knapp unter 2:55, das fühlt sich schon sehr lässig an. Meine Bestzeit im Marathon bin ich 2011 mit 56 Jahren gelaufen (2:47:35), im Halbmarathon liegt meine Bestzeit bei 1:19:21, ebenfalls aus dem Jahre 2011. Wichtig ist mir aber, dass ich meinen Leistungslevel möglichst lange stabil halte und das gelingt mir nach wie vor ganz gut. Letztes Jahr bin ich in Chicago 2:53:47 gelaufen, also gar nicht so weit weg von meiner Bestzeit.

Hdl: Dass du im Wettkampf deine Altersklasse NICHT gewinnst ist vermutlich eher selten. Wann war das zuletzt der Fall?

Peter: Die Antwort ist einfach: Ich bin zwar häufig unter den Top 3, gewinne aber weniger Rennen als man vielleicht annehmen möchte. Nach meinem Verständnis muss man ganz klar zwischen Leistung und Ergebnis unterscheiden. Für das Erstere bin ich ganz alleine verantwortlich und manchmal bin ich mit meiner Performance zufrieden, manchmal aber auch nicht. Davon losgelöst sind Ergebnisse zu bewerten. Wenn Laufkollegen schneller sind, bin ich nicht einmal ansatzweise enttäuscht (außer vielleicht von meiner eigene Leistung), sondern hoffentlich unter den Ersten die gratulieren. Es gibt in den „höheren“ Masterklassen eine zwar anzahlmäßig überschaubare, aber überaus motivierte Schar an sehr guten Läufern! Und es ist für mich eine Frage des Respekts, auch deren Leistungen anzuerkennen. Und ja, manchmal passen auch bei mir Leistung und Ergebnis so zusammen, dass man Rennen gewinnt. Darüber freue ich mich natürlich, das ist aber wie gesagt, nicht mein primäres Ziel.

Hdl: Wann hast du mit dem laufen begonnen und wie kam es dazu?

Peter: Ich habe erst mit knapp 40 Jahren mit dem Laufen begonnen. Das Hauptmotiv war, Zeit für mich selbst zu haben. Ich kann mich noch gut an das erste Mal erinnern, nach 2 Kilometern in der Hauptallee war Schluss mit lustig. Das hätte auch schon das Ende sein können, bei wir war es der Anfang.

Hdl: Du wohnst in Wien. Wo trainierst du am liebsten?

Peter: Früher war es - wie erwähnt - die Hauptallee, heute ist der Park in Schönbrunn mein bevorzugtes Laufrevier.

Hdl: Wie sieht bei dir ein normaler Trainingstag neben dem Job aus und wieviel trainierst du in einer Woche?

Peter: Unter der Woche laufe ich am späteren Nachmittag oder am Abend. Am Wochenende hingegen kann es nicht früh genug losgehen, da bin ich spätestens um 7 Uhr auf der Strecke. Wenn ich mich auf einen Marathon vorbereite, trainiere ich im Durchschnitt (über 10 Wochen) 105 Kilometer in der Woche. Dieses Pensum ist meiner persönlichen Erfahrung nach schon notwendig, um einigermaßen sicher unter 3 Stunden laufen zu können.

Hdl: Was waren bisher deine sportlich größten Erfolge?

Peter: Ich habe schon einige Titel bei den Masters-Staatsmeisterschaften (5.000 Meter, Halbmarathon und Marathon) gewonnen und darf mich sogar – mangels starker Konkurrenz – Wiener Landesmeister im Marathon nennen. Und bei den großen Marathons gelang es mir bisher doch immer wieder, unter die Top 3 zu kommen.

Hdl: Was hast du, außer dem Sport, noch für Hobbys?

Peter: Ich bin auch abseits des Laufens gerne in der Natur. Und als Gegensatz dazu gehören Bücher, nochmals Bücher und viele Zeitschriften, alles was ich in die Hand bekomme, wird gelesen. Aber ich muss sie wirklich in die Hand nehmen können, mit E-Book-Readern etc. habe ich es nicht so.

Hdl: Wie schon erwähnt bist du 63 Jahre alt und läufst auf einem super Niveau. Was hast du noch für große läuferische Ziele?

Peter: Primär geht es mir darum, meinen aktuellen Leistungslevel so lange wie möglich zu halten. Im Herbst geht es wieder nach New York und auch für Boston im nächsten Jahr bin ich schon qualifiziert. Aber es gibt auch immer wieder neue Herausforderungen die mich reizen. Ganz aktuell sind es die „Age Groups World Championships“ die mich sehr motivieren, aber bei dieser Rennserie ist die Konkurrenz natürlich besonders stark!

Hdl: Die Menschen, vor allem die Jugendlichen von heute, bewegen sich viel zu wenig. Was sagst du denen warum Bewegung bzw. Sport wichtig ist?

Peter: Mein Ziel in Bezug auf „älter werden“ ist es, möglichst lange selbstbestimmt leben zu können, sowie beschwerdefrei und körperlich fit zu bleiben. Das ist keine Garantie für ein gesundes Leben, aber der Beitrag den ich selbst leisten kann.

Hdl: Danke für das Gespräch und weiterhin viel Gesundheit!

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