08.11.2016, 11:02 Uhr

Was Reinkarnation und Karriereleiter gemeinsam haben

Gedanken kommen und gehen ...

bei einigen würde ich mir wünschen sie wären erst gar nicht gekommen. Aber manchmal fühle ich mich ein wenig wie Wiki - also der aus Flake mit den Geistesblitzen. Da kommt so ein Gedanke - wahrscheinlich hat ihn Platon oder einer seiner Schüler mir gesendet - dahergeflogen, packt mich, schüttelt mich und lässt mich glückstrahlend wieder los.

Vor wenigen Tagen war es wieder einmal so. Diesmal fühlte es sich an, als hätte die Erleuchtung mir ihren Arm um die Schulter gelegt und ein Küsschen gegeben. Das klingt jetzt total lieb - ist es aber nicht. Denn, wenn man plötzlich eine klarere oder neue Sicht auf das Leben geschenkt bekommt, kann das sehr ernüchternd sein.

Zuerst die Fakten:

Tierarten sterben aus. Täglich verschwinden ganze Gattungen auf nimmer Wiedersehen von unserem Planeten.

Die Anzahl der Haustiere nimmt stetig zu. Auch die Massentierzucht zählt in diesem Fall dazu.

Die Menschheit wächst. Wir streben also einer (angeblichen) Überbevölkerung entgegen.

Die Seele ist unsterblich.

Der buddhistische Reinkarnationsgedanke (den ich persönlich sehr nett finde) besagt, dass jedes Lebewesen solange wiedergeboren wird, bis es genügend Gutpunkte gesammelt hat, um ins Nirwana einzugehen - also erlöst zu werden von dem Zyklus der Wiedergeburt, der als Prüfung verstanden werden könnte, und somit zu einer positiven Lebensweise animieren soll. Da sich viele derzeit leider mehr mit dem Islam beschäftigen, ein kleiner Vergleich. Das entspricht in etwa dem Plan: „Sich in die Luft zu sprengen um von 70 Jungfrauen freudig empfangen zu werden...“ aber darüber ein anderes Mal.

Das Nirwana ist der Platz, wo alles gut ist - wo wir durch positives Leben, durch Nächstenliebe, durch Samariterdasein am Ende hinwollen, die Endstation.
Der Zyklus einer Seele, beginnt also zu einem bestimmten Zeitpunkt als niederes Tier (was immer das sein soll, manche sogenannten niederen Tiere haben mehr Feingefühl, als so mancher Banker oder Lobbyist). Wie dem auch sei, dieses Tier verbessert sein Karma um der Seele die Möglichkeit zu geben in einer höheren Form zu inkarnieren. Und das läuft immer so weiter, bis die Seele die höchste Stufe erreicht hat, nämlich den Menschen.

Als Mensch hat es die Seele also schon weit gebracht und ist schon sehr nahe dran, an der Erlösung.

Aber sie hat immer noch drei Möglichkeiten:

Sie lebt relativ neutral, also keine Besonderheiten auf der positiven Seite und auch keine bösen Ausreißer ins Minus. Dann macht sie einfach eine nächste Runde als Mensch. Klingt unspektakulär, ist aber wie gesagt, schon ganz weit oben in der Skala und eine durchaus bemerkenswerte Leistung.

Die zweite Variante ist weniger lustig. Sie wird als Tier wiedergeboren. Sie hat zu viele negative Punkte gesammelt und darf nun einen erneuten Anlauf nehmen um dem Nirwana näher zu kommen und dazu muss sie erst wieder als Mensch wiedergeboren werden. Als welches Tier sie inkarniert, hängt dann von den Schlechtpunkten ab - aber ich persönlich vermute, dass es nicht zu weit nach unten geht - also die nicht so bösen werden dann zu einer Katze oder einem Hund in Österreich, die etwas Böseren müssen dann schon mit einem Straßenhundeleben in Nepal vorliebnehmen und naja, die wirklich bösen (die Politiker und Hedgefonds-Manager, zum Beispiel) können schon eher damit rechnen als Zuchtsau in einer Massentierzucht aufzuwachen. (Was der wörtlichen Übersetzung von „incarnare - zu Fleisch machen“ am nächsten kommt.)

Die dritte und letzte (im wahrsten Sinne) Station ist das Nirwana. Die Seele hat als Mensch genug Gutes getan, hat Pluspunkte gesammelt - war vielleicht sogar unerschrocken genug sich als Gutmensch zu outen - und zieht damit in die ewige Glückseligkeit ein.

Soweit ist das Konzept nun verständlich glaube ich.

Dann fiel mir plötzlich die Karriereleiter ein und ein wichtiger Tag in meinem Leben, der viele Jahre zurückliegt, als ich selber noch auf der einen oder anderen Sprosse balancierte oder an ihr abhing. Damals sagte ein Kollege, oder vielleicht war es auch ein Coach unter vorgehaltener Hand in einem Weiterbildungsseminar, folgenden Satz:

„Jede/r wird so lange befördert, bis sie/er eine Position bekleidet, der sie/er nicht mehr gewachsen ist, die diese Person also überfordert. Würde die Person ihre Aufgaben übererfüllen, würde sie ja weiterhin befördert.“

Das war eine Schlüsselerkenntnis in meinem damals jungen Leben!

Nicht nur, dass dieser simple Satz mir damals erklärt hat, warum so viele unqualifizierte Menschen auf ihren Sesseln festkleben auf denen sie gelandet waren, er erklärt mir heute das Problem der Reinkarnation, des Artensterbens und der Überbevölkerung.

Den Rest überlasse ich Ihrer geschätzten Fantasie und Kombinationsgabe.

Bis bald, hoffentlich im Nirwana und nicht im Schweinestall,

Ihr Ferit Payci
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