09.07.2018, 09:00 Uhr

Vernachlässigte Kinderpsychiatrie: Missbrauch und zu wenig Betten?

15 neue Betten stehen seit wenigen Tagen in der kinder- und jugendpsychiatrischen Abteilung in Hietzing zur Verfügung. (Foto: A. Dobnik)

Wenn Kinder bei Erwachsenen untergebracht werden: Staatsanwaltschaft prüft möglichen Missbrauch am Steinhof. In den Kinderpsychiatrischen Abteilungen fehlen Betten.

HIETZING/PENZING. Vor wenigen Wochen soll etwas Schlimmes in der psychiatrischen Abteilung des Otto-Wagner-Spitals passiert sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Noch weiß man nichts mit Sicherheit. Doch allem Anschein nach wurde ein 13-jähriges Mädchen dort, wo es eigentlich wieder gesund werden sollte, missbraucht. Das Mädchen war in der Erwachsenenpsychiatrie untergebracht worden. Auf den kinderpsychiatrischen Abteilungen war kein Bett frei gewesen. 

"134 Kinder und Jugendliche waren im Jahr 2017 in der stationären Erwachsenenpsychiatrie untergebracht", erzählt Sigrid Pilz, Wiener Pflege- und Patientenanwältin. Ganz generell, so Pilz, sei die Kinder- und Jugendpsychiatrie ein notorisches Mangelfach im stationären und im niedergelassenen Bereich.

Was passiert nun?

In Wien gibt es überhaupt nur sechs Kinder- und Jugendpsychiater mit Kassenverträgen. Davon befinden sich zwei im 15. Bezirk und jeweils einer in den Bezirken 2, 6, 9 und 10. "Eltern müssen oft auf die Privatmedizin ausweichen, weil sie sonst monatelang auf einen Behandlungstermin bei einem Kassenarzt warten müssten", erklärt die Patientenanwältin. Außerdem, so Pilz weiter, würden entsprechende Fachärzte erst seit wenigen Jahren vermehrt ausgebildet. Das Thema sei von der Ärztekammer und von der Politik vernachlässigt worden. Das Krankenhaus Nord wird wohl nicht so schnell fertig werden.

Dort wird eine kinder- und jugendpsychiatrische Abteilung eröffnet. Im AKH geht der Bettenausbau auch nicht wie geplant voran. Insgesamt fehlen zumindest 60 Betten, um die Vorgaben des österreichischen Strukturplans für Gesundheit zu erfüllen. Bisher gab es nur 64 Betten im AKH und am Rosenhügel. Die Pläne des KAV (Krankenanstaltenverbund) sehen bis 2020 eine Aufstockung der Bettenanzahl vor: "Die Planungen sehen vor, dass im Neurologischen Zentrum Rosenhügel 15 Plätze (von 28 auf 43), im AKH vier (von 36 auf 40) und im Krankenhaus Nord 30 neue Plätze geschaffen werden", heißt es von dort.

Zumindest 15 neue Betten

Seit 1. Juli stehen nun 15 neue Betten zur Verfügung. Im Krankenhaus Hietzing hat man auf Initiative von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) die Eröffnung einer Station für Kinder- und Jugendpsychiatrie vorgezogen. Auch die Patientenanwältin bezeichnet diese 15 Betten als relevante Verbesserung.

Der Krankenanstaltenverbund spricht bei der psychiatrischen Versorgung für Kinder zwar von einem Ausbau bis 2020. Aktuell hat die Regierung aber die "Ausgabenbremse" bei den Sozialversicherungen beschlossen. Hinter dem sperrigen Titel verstecken sich Einsparungen. Und davon, so Ingrid Reischl, die Chefin der Wiener Gebietskrankenkasse, seien vor allem die Kinderversorgung und die Schmerztherapie massiv betroffen. 

Hautambulanz bleibt in Ottakring

Unstimmigkeiten gab es auch bezüglich des künftigen Standorts der Dermatologie im Westen Wiens. Zuletzt hieß es, die Abteilung würde vom Wilhelminenspital ins Krankenhaus Hietzing verlegt. Kritik daran übten Personalvertreter und die Rathaus-Opposition. Sie befürchteten eine Unterversorgung der Patienten in Ottakring. Der Protest scheint Früchte zu tragen. Denn, so der KAV: "Zur optimalen Versorgung der Patienten können diese die öffentliche dermatologische Ambulanz im Wilhelminenspital aufsuchen." Konkret bedeutet das, dass die Hautambulanz bis auf Weiteres im Wilhelminenspital bleiben wird.
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K. Rich aus Ottakring | 10.07.2018 | 09:34   Melden
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