03.11.2017, 16:31 Uhr

Wise Monkey: Mit Modmusik auf Zeitreise

Wise Monkey: Mod als Lebensstil. (Foto: Bernhard Schramm)

Die Penzinger Tom Mayer und Flappo entführen mit ihrer Band "Wise Monkey" in die Sechzigerjahre.

PENZING. Bereits beim Einbiegen in die Kaiser-Josef-Straße in Purkersdorf steht fest, dass der Proberaum der Modband "Wise Monkey" nicht mehr weit entfernt sein kann. Auf die richtige Spur locken liebevoll in Schuss gehaltene Motorroller, stilecht mit runden Chromrückspiegeln. Auch akkustisch ist bereits auf der Straße ein Schlagzeug zu vernehmen.

Ist der Proberaum dann betreten, schlägt die Nostalgie zu: Vier Männer mit Gitarre und Bass sowie hinter Schlagzeug und Hammond-Orgel spielen auf der Bühne, davor stehen Sänger Tom in einem grünen Parka, Sängerin Birgit in einem Fred-Perry-Shirt und Percussionist Anton. Die Wiener Band rund um die Penzinger Tom und Gitarrist Flappo üben für ihren nächsten Auftritt im Chelsea am 9. November. Neben eigenen Kompositionen, die 2018 auf einem Album veröffentlicht werden, stehen auch Coverversionen wie "I can't explain" von The Who auf der Setlist.

Ausgedünnte Szene ohne Nachwuchs

"Wir sprechen mit unserer Musik die Rollerszene an. Leute, die eine Affinität zur Sixtiesmusik haben", erklärt Sänger Tom Mayer in einer Rauchpause. Doch den Charme der Band mit einer Vorliebe für Musik aus dem vergangenen Jahrtausend zu erklären, wäre zu einfach. Neben den Soul-, Funk- und Skaklängen sind es vor allem die Persönlichkeiten der Mitglieder, die einen "Wise Monkey"-Auftritt unvergesslich machen. "Die Wiener Modszene besteht heute aus nicht mehr als fünfzig Leuten. Einen Treffpunkt, wie es in den Achtzigern der Donnerbrunnen im ersten Bezirk war, gibt es nicht mehr. Eigentlich kommen nur mehr bei einem Begräbnis alle Mods zusammen", erzählt Flappo, der seit 1986 der Jugendbewegung angehört, wehmütig.

Wie alle Subkulturen, die in den 1980er Jahren das Stadtbild prägten, verschwanden auch die Mods mit ihren Maßanzügen, Vespas und Adipextabletten mit dem Ende der 1990er Jahre. "In ihren Anfängen haben die Mods mit ihrer schönen Kleidung provoziert", erklärt Tom, ein Mod mit Leib und Seele seit seinem 13. Lebensjahr. "Womit sollen mich meine Kinder heute provozieren? Mit einem Parka geht kaum, den habe ich selber an." Vor allem bei Ausfahrten mit dem Roller wird das grüne Markenzeichen der Subkulturgruppe übergezogen. "Mit Musik und Outfit wurde in den Achtzigern ein Identitätspol begründet. Wien ist damals aufgewacht", erzählt Tom und drückt seine Zigarette aus. Als "Wise Monkey" ihre Konzertprobe wieder aufnimmt, wird klar, dass Wien in den Achtzigern zwar aufgewacht, aber im neuen Jahrtausend wieder eingedöst ist. Einzig die "Wise Monkey"-Mods halten mit ihrer Leidenschaft die Erinnerung an die einstige Wiener Subkultur wach.

Wer auch wieder munter werden möchte: Die Band spielt am 9. November um 21 Uhr im Lokal Chelsea in den U-Bahnbögen 29-30 im 8. Bezirk. Alle weiteren Infos und Termine gibt es hier.
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