29.01.2018, 11:48 Uhr

Rapid: Wo bleibt das Frauenteam?

Bernd Herger mit dem alternativen Rapid-Logo - er ist einer der Initiatoren der Facebook Gruppe "Für ein Frauenteam SK Rapid Wien".

Ruf nach einem Frauenteam bei Rapid: Nun widmet sich eine Facebook-Initiative diesem Thema.

Was halten Sie von Frauen im Fußball? Spätestens nach dem Aufsteigen der ÖFB-Frauen ins Semifinale der Fußball-EM 2017 scheint diese Frage überholt, meinen zumindest Bernd Herger und Stefan Kalnoky. Beide sind aktive Mitglieder von Wiener Fußball-Amateurvereinen und begeisterte Rapid-Fans. Vor einigen Monaten gründete das Duo die Facebook-Initiative "Für ein Frauenteam SK Rapid Wien".

Grün-weiße Frauen

"Einigen Profivereinen ist es bereits gelungen, ein Frauenteam aufzubauen und nicht einfach aufzukaufen. Wieso sollte das dem SK Rapid Wien nicht gelingen?", so Herger. Man lege jedoch Wert darauf, die Initiative vielmehr als wichtiges Anliegen statt als Angriff zu verstehen. In den vier Leistungsstufen der Österreichischen Frauenfußball-Liga seien viele reine Frauenvereine zu finden, die medial kaum wahrgenommen würden. "Um das zu ändern, sollten Vereine Männern wie Frauen die aktive Mitgliedschaft ermöglichen", so Herger und Kalnoky. Die zusätzliche Vereinsbezeichnung "Girls", "Ladys" oder "Damen" erscheint ihnen als unangebracht: "Es ist ja auch nicht vom SK Rapid Wien Männer die Rede. Solange über Fußball geredet und damit automatisch die Männer gemeint sind, wird sich an diesem Verhältnis wenig ändern." Trotzdem beobachtet das Duo ein wachsendes öffentliches Ansehen und Interesse für Frauenfußball – bei beiden Geschlechtern.

Viel Aufholbedarf

Der Initiative folgen bereits mehr als 300 Mitglieder: "Die Rückmeldungen unserer Follower sind durchwegs positiv. Bisher gab es noch keinen gegenteiligen Kommentar." In Österreich gebe es insgesamt viel Aufholbedarf: "Ein Großteil des Österreichischen Frauen-Nationalteams spielt in der deutschen Frauen-Bundesliga." Herger und Kalnoky meinen, es werde zu wenig umgesetzt, um den Frauenfußball aktiver zu integrieren – auf struktureller, finanzieller sowie medialer Ebene. Gründe wie zu wenig Platz oder Geld seien oft nicht nachvollziehbar: "Man muss das einfach machen, schließlich ist im Leitbild des SK Rapid Wien verankert, dass eine aktive Mitgliedschaft unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Schicht oder Lebensweise möglich ist." Dass dem weiblichen Geschlecht zurzeit nur das Zusehen bleibe, sei bedauerlich.

Keine Trainingsinfrastruktur

Der grün-weiße Verein aus Hütteldorf erklärt das fehlende Frauenteam mit der fehlenden Infrastruktur. "Wenn man Frauenfußball ernsthaft betreiben möchte, ist diese jedoch zwingend notwendig. Derzeit sind wir mit den Kapazitäten für unsere Profis, die zweite Mannschaft, die Akademie- und Nachwuchsmannschaften sowie das Special-Needs-Team bereits absolut an der Grenze", so Peter Klinglmüller vom SK Rapid Wien. Sollte die Infrastruktur mittelfristig zur Verfügung stehen, müssten auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen noch abgeklärt werden, heißt es. "Denn um erfolgreich zu sein, benötigt es schließlich auch im Frauenfußball ein gewisses Budget. Prinzipiell ist das für uns ein hochinteressantes Thema. Wir haben die herausragenden Leistungen des ÖFB-Frauenteams im vergangenen Jahr mit viel Freude beobachtet."
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Michael Strini aus Oberwart | 11.02.2018 | 15:49   Melden
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