Eltern werden Experten
Für Neurodermitis-Behandlung bei Kindern geschult

Besonders wichtig bei der Behandlung von Neurodermitis ist das Eincremen: Es spendet Feuchtigkeit und lindert Reizzustände.
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  • Besonders wichtig bei der Behandlung von Neurodermitis ist das Eincremen: Es spendet Feuchtigkeit und lindert Reizzustände.
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Vor allem durch den typischen, ausgeprägten Juckreiz und die daraus resultierende Schlaflosigkeit ist die Lebensqualität der jüngsten Neurodermitis-Patienten und ihrer Familien stark eingeschränkt. Die Betroffenen finden am Klinikum Wels-Grieskirchen eine besondere Betreuung.

OÖ. Die Haut juckt, ist trocken und gerötet – wer von Neurodermitis betroffen ist, muss ständig dem Reiz zu kratzen widerstehen. Die atopische Dermatitis, auch atopisches Ekzem oder Neurodermitis genannt, ist die häufigste Hauterkrankung im Kinder- und Jugendalter. Meist tritt sie schon früh auf. „Nämlich bereits bei Säuglingen im Alter von drei bis vier Monaten“, erklärt Vera Bauer, Oberärztin an der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Klinikum Wels-Grieskirchen.

Nicht ansteckend

Der Schweregrad kann unterschiedlich sein, erste Anzeichen sind oft nicht klar zu werten. Den Eltern fällt die zunehmende Hauttrockenheit und Rötung auf und sie äußern ihre Sorgen meist erstmalig im Rahmen der Mutter-Kind-Pass-Untersuchung. „Die frühen Symptome treten typischerweise an Wangen, Rumpf und Extremitäten auf, wobei der Windelbereich ausgespart bleibt. Bei Schulkindern und Jugendlichen sind eher Knie- und Ellenbeugen betroffen. Neurodermitis tritt schubförmig auf und wächst sich meist aus“, so die Neurodermitis-Spezialistin. Eine Botschaft ist ihr besonders wichtig: „Neurodermitis ist nicht ansteckend!“

Auslöser nicht eindeutig

Wodurch genau die Erkrankung ausgelöst wird, kann in der Regel nicht eindeutig bestimmt werden. „Wir sprechen von einer multifaktoriellen Genese. Einerseits kann die Veranlagung für die Erkrankung vererbt werden – leiden die Eltern an Allergien oder Neurodermitis, ist das Risiko für das Kind höher. Zum anderen spielen Triggerfaktoren wie etwa Infekte, Hitze oder Kälte, Impfungen, Zahnen oder Stress eine Rolle. Bei älteren Kindern sind auch inhalative Allergene, wie Birke, Gräser, Tierhaare oder Hausstaubmilbe, als Auslöser von Bedeutung. All diese Einflüsse können die wellenartig verlaufende Erkrankung aufflammen lassen.“ Manchmal sind es Kleidungsstoffe oder Ähnliches. „Wir raten den Eltern von Säuglingen, Waschetiketten zu entfernen und Bodys umzudrehen, damit die Nähte die Haut nicht reizen.“ Rund 30 Prozent der Fälle sind nahrungsmittelassoziiert.

Grundstein der Behandlung

Vor allem durch den typischen, sehr stark ausgeprägten Juckreiz ist die Lebensqualität der Betroffenen massiv eingeschränkt. In der Entwicklung der Krankheit spielt die Hautbarrierestörung eine zentrale Rolle. Die Basistherapie ist der Grundstein einer erfolgreichen Behandlung. „Schritt eins ist das Auftragen wirkstofffreier Cremen auf die Haut, so werden Lipide zugeführt, Feuchtigkeit gespendet, Geschmeidigkeit gefördert und Reizzustände gelindert“, erklärt Bauer. „Erst in einem weiteren Schritt werden anti-entzündliche Wirkstoffe verabreicht. Bei schweren Formen kann die lokale Anwendung von Corticosteroiden oder Immunmodulatoren sinnvoll sein.“ Gelegentlich ist auch eine orale Antibiotikatherapie erforderlich, etwa bei einer starken bakteriellen Infektion, die mit lokalen antiseptischen und pflegerischen Maßnahmen nicht in den Griff zu bringen ist.

Darum ist die Schulung wichtig

„Der Juckreiz kann zu erheblichen Schlafstörungen führen, was über einen längeren Zeitraum eine starke Einschränkung der Lebensqualität für betroffene Kinder und ihre Bezugspersonen zur Folge hat“, so die Kinderärztin. Unter anderem deshalb ist eine Schulung möglichst bald nach der Diagnosestellung von besonderer Bedeutung. „Hier erhalten die Eltern eine praktische Anleitung zur Anwendung der Stufentherapie, aber auch wie Kindern Kratzalternativen angeboten werden können.“ Die Elternschulung durch qualifizierte Neurodermitis-Trainer am Klinikum wurde bereits 2006 etabliert. Sie findet dreimal im Jahr statt und umfasst jeweils fünf mal zwei Stunden. Das Ziel ist: Eltern sollen Neurodermitis-Experten für ihre Kinder werden.

Der Weg zur richtigen Therapie

Vor der Schulung wird eine ambulante Vorstellung empfohlen, dafür ist eine Zuweisung über den Kinder-, Haus- oder Hautarzt notwendig. Behandelt wird die Erkrankung, die sich im Erwachsenenalter eher selten fortsetzt, am Klinikum Wels-Grieskirchen in Kooperation mit der Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten.

Nahrungsmittel im Visier

Bei schweren Formen des atopischen Ekzems müssen die Kinder auf Nahrungsmittelallergien untersucht werden. Diagnostik und Therapie von allergischen Erkrankungen bilden einen großen Schwerpunkt an der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde. Viele junge Patienten kommen ans Klinikum Wels-Grieskirchen zur Nahrungsmittelprovokation, ein starker überregionaler Zustrom wird verzeichnet. Die Abteilung zählt hier zu den Vorreitern in Österreich. Wichtig ist, eine Unterscheidung zwischen sogenannter Sensibilisierung und Allergie zu treffen. Viele neurodermitische Kinder haben nämlich positive Allergiewerte im Blut, können aber die Nahrungsmittel trotzdem problemlos konsumieren. Der Goldstandard der Diagnostik ist die orale Nahrungsmittelprovokation. Die häufigsten Allergien im Säuglingsalter sind Kuhmilchprotein, Hühnereiweiß, Weizen und Erdnüsse oder sonstige Nüsse. Interessant ist, dass manchmal auch der über die Muttermilch übertragene Proteinanteil für die entsprechenden Hautreaktionen ausreicht. Sollte eine schwere allergische Sofortreaktion auftreten, wird die Familie mit einem Notfallset versorgt und eine Anaphylaxieschulung durchgeführt.

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Oberärztin Barbara Gruber im Gespräch

Oberärztin Barbara Gruber, Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Klinikum Wels-Grieskirchen
  • Oberärztin Barbara Gruber, Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Klinikum Wels-Grieskirchen
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Oberärztin Barbara Gruber, Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Klinikum Wels-Grieskirchen informiert über Neurodermitis. 

Worin liegt die Unterscheidung zur Psoriasis?
Gruber: "Neurodermitis ist eine Erkrankung, wo ein Barriereverlust der Haut auftritt, keine Überverhornung wie bei der Schuppenflechte. Es handelt sich ebenfalls um eine entzündliche Dermatose mit unterschiedlichen Triggerfaktoren. Die Haut hat keinen Schutzpanzer vor den äußeren Einflüssen. Die Patienten weisen oft auch andere entzündliche Erkrankungen als Begleiterkrankungen auf, zum Beispiel Asthma oder Unverträglichkeiten."

Wer ist betroffen?
"Die Erkrankung zeigt sich meist bereits im Kindesalter nach dem dritten Lebensmonat und ist vor allem in der Pubertät selbstlimitierend. In schweren Fällen bleibt Neurodermitis auch im Erwachsenenalter bestehen."

Welche Formen müssen medizinisch behandelt werden?
"Schwere Formen der Neurodermitis müssen medikamentös behandelt werden, ebenso wie auftretende Superinfektionen, ausgelöst durch Bakterien und Viren."

Wer ist die erste Anlaufstelle? 
"Anlaufstellen sind sowohl der Kinderarzt als auch der Hautarzt. Die Diagnose ist klinisch zu stellen – es gibt dabei Haupt- und Nebenkriterien."

Welche Produkte eignen sich zur Pflege? Gibt es empfehlenswerte, wirksame Hausmittel?
"Produkte sind von zahlreichen Anbietern verfügbar in speziellen Linien für Neurodermitis – etwa von Avene, Eucerin oder La roche posay, aber auch pflegende Öle, Salzbäder. Unter den Hausmitteln finden sich zum Beispiel Anwendungen mit Schwarztee."

Was sollte man auf keinen Fall tun?
"Kratzen sollte vermieden werden, damit kein „Teufelskreis“ bzw. keine Superinfektion entsteht."

Wie sieht es mit der psychischen Belastung der Familien aus?
"Neurodermitis stellt eine große psychische Belastung für Patienten und ihre Familie dar – unter anderem durch den Drang zum Kratzen, große Schlaflosigkeit, Angst, Stigmatisierung usw."

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