Als Lebensretter in der Luft im Einsatz

Wolfgang Hießböck: "Das Schwierigste ist vielleicht, die Grenze zu ziehen: Fliege ich bei dem Wetter noch oder nicht?"
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Rettungspilot Wolfgang Hießböck vom Christophorus 10 des ÖAMTC spricht über seinen Beruf.

BAD KREUZEN, HÖRSCHING. Ob Herzinfarkt, Unfall oder Hochwasser: Wolfgang Hießböck und sein Team retten mit dem gelben ÖAMTC-Hubschrauber Leben. Der 48-Jährige ist seit 2001 Stützpunktleiter des C10 in Hörsching. Hießböck wohnt zwar heute in Traun, seine Wurzeln reichen aber nach Bad Kreuzen. Die ersten sechs Lebensjahre verbrachte er in Linz. Danach ging es mit der Familie in den Kurort, wo er aufwuchs und seine Kindheit verbrachte.

Gibt es noch einen engen Bezug zur alten Heimat?

Meine Mutter und einer meiner Brüder leben in Bad Kreuzen, daher komme ich regelmäßig. Im Sommer besuche ich mit meinen Töchtern, 10 und 12 Jahre, gerne das Freibad. Was die Einsätze betrifft: Im Gebiet östlich von Perg ist der in Ybbsitz stationierte C15 grundsätzlich schneller.

Wie wird man Rettungshubschrauber-Pilot?

Ich war Gendarm, wechselte dann zur Cobra. Im Innenministerium ergab sich die Möglichkeit, die Piloten-Ausbildung zu absolvieren. Pilot zu werden, war kein klassischer Kindheitswunsch, für mich ist es aber ein Traumberuf. Es gibt viele, die gerne in dem Bereich arbeiten würden, daher bin ich schon privilegiert. Ich flog zunächst für die Flugpolizei in Linz. Bis 2001 wurden polizeiliche Flüge und Rettungsflüge mit dem Polizeihubschrauber durchgeführt. Dann wechselte ich zum ÖAMTC und wurde kurz darauf Christophorus-Stützpunktleiter.

Wie kann man sich einen Einsatz vorstellen?

Die Leitzentrale des Roten Kreuzes in Linz entscheidet, wer am schnellsten vor Ort ist. Unser Ziel lautet, in weniger als drei Minuten nach der Alarmierung in der Luft zu sein. Grob gesagt decken wir ein Gebiet im Umkreis von 50 Kilometern ab, das in 15 Minuten zu erreichen ist. Wir werden aber auch bei speziellen Erkrankungen und Verletzungen eingesetzt. Zum Beispiel bei schweren Verbrennungen, wenn jemand in eine Spezialklinik gebracht werden muss. Oder bei einem Großunfall, falls mehrere Hubschrauber nötig sind.

Die schwierigsten Einsätze?

Als Pilot sage ich: Bei Wind, Wetter und einbrechender Dunkelheit. Auch eine Temperatur von 30 bis 35 Grad Celsius geht körperlich auf die Substanz und erschwert die Konzentration.

Ihr spektakulärster Einsatz?

Überlebende nach medizinischen Wundern: In Vorderweißenbach war ein Bursch 20 Minuten unter der Eisdecke im Wasser, ohne geatmet zu haben. Er überstand das Ganze ohne Folgeschäden. Eine Frau in Steyr musste heuer acht Mal defibrilliert werden.

Wie gehen Sie mit Stress um?

Du musst es als normale Arbeit sehen. Für mich wäre es auch nicht vorstellbar, am offenen Herzen zu operieren. Es handelt sich um eine hochspezialisierte Arbeit, ich versuche, es möglichst professionell zu machen. Das Schwierigste ist vielleicht, die Grenze zu ziehen: Fliege ich bei dem Wetter noch oder nicht? Es gibt Grenzen, wenn ich mich und andere einer hohen Gefahr aussetzen würde.

Zur Sache

Rund 1.200 Flüge im Jahr bewältigen die drei Piloten, sechs Flugretter und 20 Notärzte des C10. "Im Schnitt fliegen wir drei bis vier Mal am Tag, im Sommer können es aber auch zehn Einsätze sein", so Hießböck.

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