Letzte Zuflucht: Pfarrer Franz Wöckinger gewährt afghanischer Familie "Kirchenasyl"

Pfarrer Franz Wöckinger und Pastoralassistentin Monika Weilguni
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ST. GEORGEN AN DER GUSEN. Vor den Taliban aus Afghanistan sind Atiqallah Karimi und Marzia Waziri mit ihren drei Söhnen (5, 7 und 11 Jahre) geflüchtet. Seit Ende Jänner waren sie im von der Volkshilfe betreuten Quartier in St. Georgen an der Gusen untergebracht. Nun droht der Familie jedoch als sogenannter "Dublin-Fall" die Rückführung nach Ungarn. Weil die Familie dort einen Tag verbrachte und per Fingerprint registriert wurde. "Dort ist der Vater mit Tränengas besprüht und von der Polizei vor den Augen der Kinder geschlagen worden", erzählt St. Georgens Pastoralassistentin Monika Weilguni. Sie und St. Georgens Pfarrer Franz Wöckinger kämpften in den vergangenen Monaten um den Verbleib der Familie.

Vater in Ungarn misshandelt

"Aufgrund von Misshandlungen in Ungarn und der hohen Integration der Familie haben wir alle Instanzen ausgeschöpft, auch die Politik über den Fall informiert", sagt Weilguni. Die Einsprüche wurden jedoch als unbegründet abgewiesen, die Rückführung könnte jederzeit erfolgen. Österreich hat bis zum 30. September Zeit, die Asylwerber nach Ungarn rückzuführen. Danach muss das Asylverfahren in Österreich abgewickelt werden. Bis zum 30. September gewährt Pfarrer Wöckinger der Familie nun "Kirchenasyl". Die Integration der fünf Afghaner sei bestens: "Die Kinder gehen hier zur Schule und in den Kindergarten, sprechen Deutsch, die Eltern besuchen ebenso einen Deutsch-Kurs", so Weilguni. Atiqallah Karimi, gelernter Schlosser und Schweißer, arbeitet im Rahmen der gesetzlich erlaubten Remunerationstätigkeit für die Gemeinde.

"Kann nur hoffen, dass die Schwelle akzeptiert wird"

Die Familie ist offiziell im Pfarrhof angemeldet und bewohnt dort die leerstehende Kaplan-Wohnung. Die Flüchtlinge wurden weder versteckt noch eingesperrt. Pfarrer Franz Wöckinger sagt: "Die geltende Rechtsordnung sieht scheinbar für die Familie kein Asylverfahren in Österreich vor. Trotzdem wäre die Rückführung nach Ungarn ein Unrecht, das der Gesetzgeber so nicht gewollt haben kann. Ich kann die Polizei nicht aufhalten, sondern nur hoffen, dass die Schwelle akzeptiert wird."

"Der gesamte St. Georgener Gemeinderat steht dahinter"

Rückendeckung erhält die Pfarre von Bürgermeister Erich Wahl (SP): "Die Familie hat in einer lebensbedrohlichen Situation ihre Heimat verlassen müssen. Es wäre fahrlässig und unrichtig, sie jetzt einfach von hier wegzuschicken. Es ist wichtig, dass sich die Gemeinschaft dagegen wehrt. Der gesamte Gemeinderat steht dahinter." Andrea Wahl, Leiterin des Arbeitskreises Integration der Gemeinde, hält es für "unvorstellbar, die Familie zurückzuschicken und ihr ein Asylverfahren in Österreich zu verwehren". Denn: "Es ist sinnlos, integrierte Familien zurückzuschieben, auch wenn das die Dublin-Rechtslage ist. Dann wurden Zeit, Liebe, Engagement und sieben Monate Integration verschwendet."

Im österreichischen Recht gibt es den Begriff des "Kirchenasyls" nicht. Die Familie könnte jederzeit von der Polizei abgeholt werden.

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