Verlassene Orte
"Lost Places" im Bezirk Perg

Die ehemalige "Steinbruch-Arena" von Askö Mauthausen im Sommer 2020. Betreten und Aufenthalt ist verboten!
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  • Die ehemalige "Steinbruch-Arena" von Askö Mauthausen im Sommer 2020. Betreten und Aufenthalt ist verboten!
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Mystik, fernab von Tourismus: Die BezirksRundschau begab sich auf die Suche nach verwaisten Dörfern, schaurig-schönen Ruinen und mehr.

BEZIRK PERG. Sogenannte "Lost Places", also verlassene Orte, ziehen weltweit immer mehr Menschen an. Der Reiz liegt gerade in der Natürlichkeit und im Verfallenen. Auch die Stille sowie das Abenteuer locken Besucher an. Eine weite Reise zum Erkunden solcher Stätten ist nicht nötig: Im Bezirk finden sich eine Reihe an "Lost Places" – wir stellen einige davon vor.

Aussiedler-Gebiete

Das Hochwasser erschütterte den Bezirk im Laufe der Jahrhunderte immer wieder. In den Jahren nach der Hochwasser-Katastrophe 2002 kam es zu Absiedlungen in mehreren Ortschaften, die Gebäude wurden abgerissen. 252 Häuser und Höfe wurden im Machland aus der Aulandschaft abgesiedelt. Mehrere Ortschaften verschwanden von der Landkarte: Hütting, Pitzing, Froschau, Eizendorf und ein Großteil von Mettensdorf. Gedenktafeln erinnern heute an die Dörfer in den "roten Zonen", die über Hunderte Jahre von Menschen besiedelt waren. In Eizendorf blieben nur der ehemalige Wirt und seine Gattin. Ein "Memorial" unweit seines Haus erinnert an die Absiedler und das 800 Jahre alte Dorf – für jedes Haus wurde ein Stein aufgestellt.

Schauplatz-Wechsel nach Mitterkirchen. Das Dorf Hütting ist verschwunden. Dabei handelte es sich um einen geschichtsträchtigen Ort, der laut einer Gedenktafel bereits 1155 erstmals urkundlich erwähnt wird. "Und der von manchen Historikern zu den ältesten Märkten Oberösterreichs gezählt wird", heißt es dort. Ein Torbogen des Gasthauses Fries/Manner (vormals Wallner) blieb zum Gedenken stehen. Viele der Aussiedler leben in neu geschaffenen Ortschaften, in Mitterkirchen etwa in Neu-Hütting.

"Das Tal der verlassenen Höfe"

Das Tal Maseldorf in St. Thomas am Blasenstein ist durch Abwanderung in den 1950er Jahren beinahe ausgestorben – nur eine Familie lebt noch dort. Die anderen drei Landwirtschaften kehrten dem Tal aus wirtschaftlichen Gründen und fehlender Infrastruktur den Rücken. Ein verfallenes Bauernhaus ist bei einer Wanderung am Romantiktal-Maseldorf-Rundweg – Start im Ortskern von Pabneukirchen – zu sehen. Vom "Tal der verlassenen Höfe" ist auf einer Schauftafel die Rede.

Verfallene Burgen: Säbnich, Mitterberg, Saxenegg

Die Ruine Mitterberg in Perg - einst größte Burg im Mühlviertel - ist verfallen. Nur mehr Überreste im Wald erinnern heute daran. Die Burg wurde vom Kaiser zerstört: 1495 griff Friedrich III. die Burgen des Adelsgeschlechts  Liechtensteiner an. Mitterberg wurde dabei stark beschädigt und nicht mehr aufgebaut. Auch an die Burg Saxenegg in einem Wald in St. Thomas erinnern nur mehr der Teil eines Turms und kleinere Überreste.

In Sarmingstein bietet sich dem Wanderer auf einer Anhöhe ein beeindruckender Blick auf die Ortschaft und das Donautal. Dass an diesem Ort einst die mächtige Burg Säbnich thronte, verraten nur mehr Mauer-Überreste im Wald. Die Zisterzienser-Mönche gaben das Bauwerk aufgrund seiner ungünstigen Lage vor hunderten Jahren auf und bauten das Kloster in Waldhausen.

Eine einstige Seilbahn

Nahe der Ruine Säbnich, im Aufstieg zum Predigtstuhl, fallen im Wald verwachsene Fundamente einer abmontierten Seilbahn auf. Was es damit auf sich hat, wird in einem der Donausteig-Tagebücher – siehe Link – erklärt: In Gloxwald gab es ab 1870 Granitsteinbrüche. Um den Transport nach Sarmingstein zu erleichtern, wurde ein Seilbahn errichtet. Von Sarmingstein aus wurden Pflastersteine und Schotter dann weiter transportiert. 1949 waren rund 200 Arbeiter hier beschäftigt. Der Steinbruch gehörte zu den größten Anlagen in Europa. 1979 wurden die fünf Granitbrüche wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt. Die Steinbrüche bilden heute Fischteiche.

Verwildertes Fußballstadion

Nicht nur Fußball-Nostalgiker erinnern sich an die kultige Steinbruch-Arena, die Askö Mauthausen über Jahrzehnte als Fußball-Heimstätte diente. 2014 erfolgte der Umzug in das neue, moderne Stadion im Freizeitzentrum. "Mit Wehmut blickt man auf den einzigartigen Flair rund um das Spiel mit dem Ball, zwischen den Felsen", drückte es Fußball-Regionaut Dietmar Piessenberger 2014 recht poetisch aus. Von "toller Akustik" sprach er. Durch den heimstarken Fanklub mit seinen Schlachtgesängen werde die Arena in einen "Hexenkessel verwandelt". Heute ist das direkt im Ort gelegene Areal am Fuße eines ehemaligen Steinbruchs gesperrt und im Besitz einer Wohnbaugenossenschaft. Das einstige Vereinshaus steht noch. Beim Blick über den Zaun kann man einen Blick auf die Tribüne, die Tore und das mittlerweile verwachsene Spielfeld erhaschen.

Zum Weiterlesen:

Über verfallene Herrschaftssitze:  Pergs verlorene Burgen (BezirksRundschau-Bericht von September 2018)

Der letzte Bewohner von Eizendorf:  Leben im verschwundenen Dorf (BezirksRundschau-Bericht vom Oktober 2018)

Geschichte der einstigen Spielstätte von Askö Mauthausen:  Steinbruch-Arena hat bald ausgedient (Bericht von Dietmar Piessenberger auf meinbezirk.at, Oktober 2014)

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