Zeitzeugen
Maria Berger: Schulfrei für die Stadterhebung

Maria Berger im Jahr 1969
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PERG. 13 Jahre alt war Maria Berger bei der Stadterhebung. Die ehemalige Justizministerin und langjährige Richterin am Europäischen Gerichtshof in Luxemburg erinnert sich: "Ich war damals im Internat im Gymnasium der Kreuzschwestern in Gmunden. Für die Feier der Stadterhebung habe ich extra frei bekommen, sonst durfen wir nur alle vier Wochen heimfahren." Im September 1969 hatte sie gerade mit der vierten Klasse begonnen. "Ich weiß noch, dass es an diesem Tag relativ warm war und dass wir lange gewartet haben. Bürgermeister Waidhofer ist nervös hin und her gelaufen, ich glaube, er hat noch auf einen Politiker gewartet. Und es wurden lange Reden gehalten. Da habe ich noch nicht daran gedacht, selbst einmal in die Politik zu gehen. Am Abend mussten wir dann ins Internat zurück", sagt Berger.

"Revolution" im Internat

Unter ihren Klassenkolleginnen waren Maria Fekter und Christine Hödlmayr. "Es gab eine Schuluniform, die wir aber nur zu feierlichen Anlässen trugen. Sonst mussten wir Röcke tragen, die nicht zu kurz sein durften. Die Klosterschwestern waren da streng. Einmal sind wir bei der Rückkehr ins Internat nach dem Wochenende alle in Hosen gekommen. Wir wollten Hosen und kürzere, modernere Röcke tragen dürfen und schlussendlich haben wir Schülerinnen uns durchgesetzt. Der Geist von 1968 war zu spüren und die erlaubte Rocklänge war schon ein Niederschlag der Revolution", erinnert sich die Pergerin mit einem Schmunzeln.
Der Kontakt zu den Schulkameradinnen aus den 1960er-Jahren ist nach wie vor eng. "Es gibt jährlich ein Treffen am Traunsee mit den Mädels aus dem 'Pensi' mit stundenlangen Gesprächen", sagt Berger, die schließlich ans Perger Oberstufen-Gymnasium wechselte. "Das hatte im Nachhinein betrachtet einen großen Nachteil: In Gmunden hätten wir Französisch gelernt, das in Luxemburg die Arbeitssprache war. Das gab es in Perg noch nicht. So musste ich als Erwachsene um einiges mühsamer Französisch lernen."

"Auf keinen Fall Bäuerin"

Einen fixen Berufswunsch hatte Berger als 13-Jährige noch nicht: "Ich wollte auf jeden Fall Matura machen und dann studieren. In der 7. oder 8. Klasse Oberstufe war mir dann klar, dass es Jus werden sollte. Was für mich und meine beiden jüngeren Schwestern aber immer schon feststand, war, dass wir auf keinen Fall Bäuerinnen werden wollten. Unsere Eltern waren nicht sehr glücklich darüber, sie haben das Vieh dann nach und nach aufgegeben und die Gründe verpachtet", so Berger, die den elterlichen Bauernhof in Zeitling später umbaute und heute mit einer Schwester und einem Cousin in einer "Alters-WG" dort wohnt. "Zeitling hat sich enorm verändert. Damals gab es dort neun, zehn Bauernhäuser und als Kinder haben wir rundherum in den Höfen und Scheunen gespielt. Heute sind nur mehr ganz wenige im Vollbetrieb. Die ganze Stadt Perg hat sich enorm verändert, rund um die Stadterhebung, aber auch jetzt wieder. Die Bevölkerung ist gewachsen, es wurde viel neu gebaut, alle Fachärzte sind da. Trotzdem ist alles, was man tagtäglich braucht, auf kurzen Wegen erreichbar. Perg ist ein regionales Zentrum, auch ein Schulzentrum, in den 1960er-Jahren waren sonst weit und breit keine Schulen", weiß Berger.
Heuer im März nahm sie nach rund zehn Jahren Abschied von ihrer Funktion als Richterin am Europäischen Gerichtshof. "Es war sehr schön in Luxemburg, aber nach so vielen Jahren im Ausland ist es mir nun ganz recht, nur mehr zwischen Perg und Wien pendeln zu müssen", so Berger, die nun als Honorarprofessorin der Universität Wien für das Fach Europarecht tätig ist.

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