Wenn das Geld kaum ausreicht
Rotkreuz-Märkte wahren Würde von armutsgefährdeten Menschen

Elfriede Reindl (2. von links) vom Roten Kreuz leitet das Projekt. Ohne ihre freiwilligen Mitarbeiter ginge aber nichts.
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Das Rote Kreuz unterstützt zahlreiche Haushalte im Bezirk beim Lebensmitteleinkauf.

BEZIRK PERG. Eine Handvoll Menschen wartet vor der Türe auf Einlass. Die Räumlichkeiten sind zu eng, als dass mehr als fünf Personen mit ihren Einkaufswägen Platz hätten. Die Verkäuferinnen im Perger Rotkreuz-Markt haben trotzdem alle Hände voll zu tun. Schon vor den Öffnungszeiten haben sie Waren sortiert und mit Preisen versehen. An der Kasse wird noch kopfgerechnet. "Das ist eh gut so", lacht die freiwillige Mitarbeiterin, die dort gerade Kunden bedient.

Mobile Lebensmittel

Der Bezirk Perg war nicht nur der erste in Oberösterreich, in dem ein Rotkreuz-Markt eröffnet wurde. Einzigartig ist hier auch der mobile Markt. Beinahe jeden Werktag fährt ein Verkaufswagen in die Gemeinden des Bezirks und bietet dort das Sortiment an. Die Waren kommen von größeren Supermärkten in der Region. Freiwillige Mitarbeiter des Roten Kreuzes fahren die Geschäfte an und dürfen kostenlos abholen, was dort nicht mehr verkauft wird. Milchprodukte kurz vor dem Ablaufdatum, übriggebliebene Backwaren – diese Dinge können manchmal sogar kostenlos im Rotkreuz-Markt angeboten werden. Anders sieht es aus bei Produkten, die lange haltbar sind wie Öl, Salz, Mehl und Nudeln. Auch Haushalts- und Drogerieprodukte wie Seife, Toilettenpapier und Geschirrspülmittel kommen oft nur in die Sozialmärkte, wenn die Verpackung beschädigt ist. Um das Sortiment vor Weihnachten aufzubessern, werden am 1. Dezember mit der Aktion "Kauf ein Stück mehr" die Kunden in Supermärkten ersucht, Produkte für die Rotkreuz-Märkte zu spenden.

Maximal 40 Euro pro Woche

Die Kunden der Rotkreuz-Märkte sind alle im Besitz einer Berechtigungskarte. Jene Menschen, die über ein Einkommen von maximal 950 Euro im Monat verfügen, dürfen in den Rotkreuz-Märkten einkaufen. Für Paare liegt die gemeinsame Grenze bei 1.400 Euro, je nach Kinderzahl erhöht sie sich noch. Weil die Preise bei höchstens einem Drittel des ursprünglichen Preises liegen, könne für maximal 40 Euro in der Woche genug für den täglichen Bedarf gekauft werden, so Elfriede Reindl, die Leiterin des Perger Rotkreuz-Marktes. Sie erklärt, warum die Waren nicht alle kostenlos ausgegeben werden: "Unser Ziel ist, eine normale Verkaufsatmosphäre zu schaffen, damit sich die Menschen als Kunden wertgeschätzt fühlen." Zwischen 500 und 550 Berechtigungskarten sind im Bezirk Perg ausgestellt. Welche Menschen stecken dahinter? "Sehr viele Ältere, Menschen, die arbeitslos wurden, Mütter, die nur einen Teilzeitjob haben", so Reindl.

1.102 freiwillige Mitarbeiter

Siegfried Holzer engagiert sich schon neun Jahre lang für den Perger Rotkreuz-Markt. "Mir ist es immer gut gegangen, also gebe ich etwas zurück", so der 66-jährige Pensionist. Mehr als 1.000 Menschen in Oberösterreich, davon 85 im Bezirk Perg, leisten viele unbezahlte Stunden in den Rotkreuz-Märkten. "Ich habe die Tätigkeit begonnen, als ich mich damit beschäftigt habe, wie viele Lebensmittel weggeschmissen werden", so Sonja Altacher, die sich auch schon jahrelang im Rotkreuz-Markt Perg engagiert. Vernichtet werden dort nur sehr wenige Lebensmittel. Die Kunden erhalten viele Waren, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, gratis. Was nicht mehr bedenkenlos angeboten werden kann, holen sich Bauern zum Füttern ihres Viehs. Das Übrige kommt nicht einfach in den Restmüll, sondern wird säuberlich von der Verpackung getrennt, um die Umwelt zu schonen.

Zur Sache

Etwa 200.000 Menschen gelten in OÖ laut Statistik Austria als armutsgefährdet. Als Wertschätzung der Würde dieser Menschen nennt das Rote Kreuz seine 27 Sozialmärkte in OÖ jetzt "Rotkreuz-Märkte". Dort können Kunden, die über ein sehr kleines Einkommen verfügen, günstig Lebensmittel einkaufen. Die Sachspenden kommen großteils von Supermärkten, aber auch von Bauern, Bäckereien und Privatpersonen. Spenden können beim Rotkreuz-Markt in Perg abgegeben werden. Besonders gefragt sind Grundnahrungsmittel, die lange haltbar sind (Salz, Öl, Mehl ...), und Drogerieprodukte (Toilettenpapier, Tampons etc.). "Am Anfang war ich der Meinung, dass man so etwas in OÖ nicht braucht. Doch wie man sieht, sind diese Märkte absolut notwendig, denn das Phänomen Armut ist immer existent", so Walter Aichinger, Präsident des oö. Roten Kreuzes.

Elfriede Reindl (2. von links) vom Roten Kreuz leitet das Projekt. Ohne ihre freiwilligen Mitarbeiter ginge aber nichts.
Landesgeschäftsleiter Erich Haneschläger, Rotkreuz-Markt-Mitarbeiter Siegfried Holzer, OÖ. Rotkreuz-Präsident Walter Aichinger und Landesgeschäftsleiter-Stv. Thomas Märzinger (v. l. n. r.).
Autor:

Helene Leonhardsberger aus Perg

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