Bockelmann-Vernissage im Haus der Erinnerung
"Werde malen, bis mir der Stift aus der Hand fällt!"

"Stellen Sie sich als Eltern vor, es wäre Ihr Kind!" Manfred Bockelmann schlägt emotional Bögen in die Gegenwart.
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  • "Stellen Sie sich als Eltern vor, es wäre Ihr Kind!" Manfred Bockelmann schlägt emotional Bögen in die Gegenwart.
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Mit seiner Ausstellung "Zeichnen gegen das Vergessen" als erste öffentliche Veranstaltung im Haus der Erinnerung  würdigte der bekannte Kärntner Maler Manfred Bockelmann das vielfältige und zeitgemäße Engagement der Bewusstseinsregion Mauthausen - Gusen - St.Georgen. Noch vor der offiziellen Eröffnung der künftigen Informations- und Bildungseinrichtung rund um den 26.Oktober gelang es den Initiatoren, am 18. Juni eine große Künstlerpersönlichkeit als leidenschaftlichen humanitären Botschafter zu einem zweifellos beeindruckenden Abend ins Haus am St. Georgener Bergkristall-Gelände zu holen.
ST.GEORGEN/GUSEN. "Wenn seine Frau mal traurig ist, malt er ihr Orchideen. Und seinem Kind, das weint, den Clown, der Lachen schenkt", beschrieb Udo Jürgens vor mehr als 40 Jahren in einem seiner Lieder seinen malenden Bruder Manfred Bockelmann; verglich darin die Wirkung von Worten und Bildern. "Ein Lied nimmt kurz mich in den Arm, bleibt selten lang bestehen. Jedoch ein Bild kennt keine Zeit, es bleibt ihr immer treu."

Deportierten Kindern ein Gesicht gegeben

Bunte Bilder von Orchideen und Clowns sind in Bockelmanns Bilderzyklus definitiv nicht enthalten. Und weder traurige Frauen noch weinende Kinder können damit getröstet werden. Doch die Wirkung seiner Zeichnungen - ausschließlich mit Kohlestift angefertigt - ist zweifellos nachhaltig. Es sind Bilder von Kindern, die in der NS-Zeit deportiert wurden. Großteils wurden sie in Lagern ermordet, viele blieben einfach verschollen. Vorlagen für die überlebensgroßen Zeichnungen bilden meist erkennungsdienstliche Fotos, die vor den Transporten angefertigt wurden. Bockelmann hat sie selbst recherchiert. Die Kinder blicken ängstlich, trotzig, manchmal aber auch hoffnungsvoll und fragend. Wurde ihnen doch teils gesagt, dass sie ihre Eltern oder Verwandten wiedersehen würden.
Der 77-jährige erzählt den gebannt lauschenden Besuchern der Vernissage mit viel Emotion, ebensolcher Einfühlsamkeit und persönlicher Bescheidenheit von seinem Projekt Zeichnen gegen das Vergessen.  

"Meine Wiege stand auf der richtigen Seite. Unzählige andere Kinder hatten Pech." (Manfred Bockelmann)

Es ist die Aufarbeitung seines eigenen, in der NS-Zeit familiär belasteten Lebenswegs. Persönliche Abbitte eines Menschen, der damals ein unschuldiges Kind war, an ebenso unschuldige  Kinder, die zu Opfern wurden. "Ich hatte 1943 das Glück, in der richtigen Wiege zu liegen. Hunderttausende in meinem Alter hatten Pech. Ihre Wiege stand auf der falschen Seite!"
Bockelmann berichtet von Begegnungen mit Opfern, Tätern und deren Angehörigen,  von Hoffnung und Angst. Und vor allem von der so unendlich schwierigen Aufgabe, das Erlebte zu erzählen. "Die, welche es über- und miterlebt haben, wollten es ausblenden. Es sollte vorbei sein. Weg mit Scham und Leid, fort aus den Gedanken und Gefühlen. Viele konnten einfach nicht darüber reden. Und mit jedem Jahr sind es weniger, die noch davon berichten könnten", so Bockelmanns Erfahrungen. Er hat sich im dunkelsten Kapitel der NS-Geschichte mit den Kinderdeportationen den wohl schwärzesten und unmenschlichsten Teil ausgesucht, um seinen Teil zur Bewahrung dieser nie erzählten Lebenswege in einem kollektiven Gewissen beizutragen.

Emotionale Brücke ins Heute schlagen

"Wer kann sich sechs Millionen Schicksale vorstellen? Es bleibt eine trockene Zahl. Was aber, wenn meine Bilder aber von heutigen Müttern und Vätern gesehen werden, die Kinder im gleichen Alter haben?" Manfred Bockelmann hat aus dieser Idee den Weg seines Projektes definiert: "Wenn diese Eltern sich nun vorstellen, dass das ihre Kinder sind, die ihnen entrissen werden. Dass diese gequält, zu medizinischen Versuchen missbraucht oder nach Plan ermordet werden sollen.  Ich habe oft beobachtet , wie dann plötzlich Rationalität in Emotion umschlägt, sachlicher Wissenserwerb sich in tiefe Gefühle wandelt. Genau das will ich bei möglichst vielen der heutigen Menschen erreichen. Ein Verstehen, das bleibt. Dafür werde ich malen, bis mir die Hand abfällt!",  so das Versprechen des Künstlers.
In St. Georgen ist ihm das an diesem Abend definitiv gelungen.

Bilder bis November zu sehen

Die Ausstellung ist voraussichtlich bis November zu den Bürozeiten im Haus der Erinnerung, Marcel-Callo-Straße 3 am Bergkristallgelände St. Georgen/Gusen von  8.00 bis 12.00 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter +43 0699 1688 6513 zu besichtigen.

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