Klimawandel
Wetter im Wandel: Aktuelle Lage und mögliche Szenarien im Bezirk Perg

Wetterextreme wie Hochwasser durch Klimawandel.
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Erste Veränderungen betreffen uns jetzt schon. Die Lage könnte sich noch drastisch verschärfen.Die Plattform "Addendum" hat alle Gemeinden Österreichs analysiert.

BEZIRK PERG. Heißester Monat, Sommer und wärmster Winter seit Beginn der Aufzeichnungen – Nachrichten wie diese hören und lesen wir in vergangener Zeit immer häufiger. Auch das Onlineportal Strudengauwetter meldet aktuell: "Mit +2,4 Grad ging der Juli wieder deutlich über dem Durchschnitt zu Ende. Somit bestätigt sich der Trend der Klimaerwärmung." Auch der Niederschlag fiel in der Region mit nur 45 Prozent der üblichen Menge zu gering aus. "Der Juli war erneut zu trocken und konnte das Defizit der vergangenen Monate nicht aufholen", so die Datenlage der Wetterstation in Pabneukirchen. Hier gehts zu den genauen Daten. Bezirksbauernkammer-Obfrau Rosi Ferstl pflichtet bei: "Zurzeit hat es ein bisschen mehr geregnet, aber das heißt nicht, dass wir über den Berg sind."

Wälder zerstört

Nicht nur Trockenheit macht der heimischen Landwirtschaft zu schaffen. Höhere Temperaturen bedeuten ideale Bedingungen für Schädlinge wie den Borkenkäfer. Dieser vernichtet momentan die Wälder im Mühlviertel in einem Ausmaß, dass die Sägewerke voll sind. Das geschlagene Holz wird teilweise nicht mehr sofort abgeholt und verliert dadurch an Qualität. "Der Wald war immer eine Sparkassa, das hat sich jetzt erledigt. Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Fichte in unseren Höhenlagen nicht mehr überleben wird", so Ferstl. Aber lassen sich Klimaveränderungen überhaupt belegen und voraussagen? Schließlich stimmt oft nicht einmal die Prognose für die kommende Woche. Die Plattform Addendum (siehe Zur-Sache-Kasten rechts) beruft sich auf die langfristig gesammelten Daten: "Wetterprognosen sind schwieriger als Klima-Berechnungen, weil an jedem Tag Temperaturschwankungen eintreten können. Frühere Klimaprognosen sind durch aktuelle Beobachtungen belegt worden."

Hitzetage in der Stadt Perg

Addendum hat konkret für die Stadt Perg festgestellt: "Die Sommermonate waren in den vergangenen zehn Jahren um 2 Grad wärmer als jene vor 50 Jahren. Die Verschiebung vom Ausnahmesommer zur Regel wird deutlich." Für die Periode nach 2071 errechneten die Klimaforscher der Zamg drei bis zehn Hitzetage mit mehr als 30 Grad für Perg, wenn das Pariser Abkommen eingehalten werden würde. Ohne Klimaschutzmaßnahmen wäre mit einer Zunahme um 16 bis 36 Hitzetage zu rechnen.

Klimanotstand ausgerufen

Diese alarmierenden Prognosen haben mittlerweile auch Auswirkungen auf kommunalpolitischer Ebene: Die Gemeinde St. Georgen an der Gusen hat im Juli den Klimanotstand ausgerufen und nimmt sich damit selbst in die Pflicht, zu handeln: "Es kann nicht sein, dass die 15- und 16-Jährigen auf die Straße gehen und wir Alten sitzen daneben und tun nichts", findet Bürgermeister Erich Wahl. Zu den Maßnahmen zählt Wahl etwa die Sicherung von Grundwasserreserven für spätere Generationen, die Unterstützung von Pendlern, die Öffis benützen, die Errichtung von Geh- und Radwegen und eines zweiten Nahwärmeheizwerks, um Bürger mit CO2-neutraler Wärme zu versorgen. "Wir haben heuer schon um die 400 Bäume und Sträucher auf Gemeindegrund gepflanzt, das kostet kein Vermögen. Da geht es nur ums Tun."

Zur Sache

Das Datenjournalismus-Team der Plattform "Addendum" hat die Temperaturschwankungen aller österreichischen Gemeinden von 1971 bis 2018 grafisch aufbereitet und mit Prognosen für die Zukunft ergänzt. Für den Bezirk Perg hat sich ergeben, dass in allen Gemeinden die Temperatur um 1,9 beziehungsweise 2,0 Grad Celsius gestiegen ist. Die eigene Gemeinde nachschlagen: addendum.org/klima/klimawandel-gemeinden
Addendum zeigt zwei Szenarien auf: Was eintrifft, wenn wir weitermachen wie bisher, und was sich ändern würde, wenn die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens umgesetzt würden. 197 Staaten haben durch dessen Unterzeichnung ihre Absicht bezeugt, die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. US-Präsident Donald Trump möchte aus dem Abkommen aussteigen.

Autor:

Helene Leonhardsberger aus Perg

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