Schwer behinderter Junge mit Familie droht Abschub
"Behindertes Kind wie Tier behandelt" (Handicapped child treated like animal)

Harun ALI mit seinen Eltern im Asylhaus der Caritas in Waldhausen,
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  • Harun ALI mit seinen Eltern im Asylhaus der Caritas in Waldhausen,
  • hochgeladen von Robert Zinterhof

WALDHAUSEN. "Die Leute haben meinem behinderten Sohn die Hose hinuntergezogen. Dann haben sie Feuer hingehalten. Harun musste tanzen.  Dabei haben sie ihn mit dem Handy gefilmt. Sie haben ihn wie ein Tier behandelt. Harun schrie. Verfiel in Panik. Hatte schreckliche Angst", erzählt die Mutter Shabnam Ali. Sie kann nicht vergessen, was in Pakistan an der Grenze zu Afghanistan mit ihrem Sohn passiert ist. Sie kann nicht verstehen, dass die Familie zu den Taliban zurückgeschoben werden soll und keinen Aufenthaltstitel bekommt. 

Der Asylbescheide sind negativ
Harum Ali, 15, war nicht zum Asyl-Interview geladen. Seine Behinderungen sind aber der Behörde bekannt.  Die Eltern übergaben Schriftstücke, die über die Behinderungen informierten. Im negative Asylbescheid, den der behinderte Junge bekam, steht: "Gründe für ein Aufenthaltsrecht aus berücksichtigungswürdigen Gründen konnen nicht festgestellt werden". Ein Befund aus einem führenden Krankenhaus wurde nicht berücksichtigt. "Diese Asyl-Politik ist einfach menschenverachtend“, meint Grete Aschauer aus Bad Kreuzen, die auch privat viele Asylwerber im Strudengau betreut. 

Streng vertraulicher Befund
Die BezirksRundschau nahm Einsicht in den „streng vertraulichen“ Ambulanzbefund von Harun Ali. Hier ist nachzulesen, dass Harum einen Entwicklungstand eines Kindergartenkindes hat. Es wird von einer desintegrativen Störung des Kindesalters durch Folgewirkung bei kindlichem Trauma im Zusammenhang mit Kriegssituationen gesprochen. Abnorme psychosoziale Umstände sind vorhanden. Auch körperliche Schäden sind sichtbar.
Die BezirksRundschau besuchte die Familie. Der negative Asylbescheid liegt auf dem Tisch.  "Unser behinderter Sohn wurde im Taliban-Gebiet verachtet. Wie ein Tier behandelt. Er hatte immer extreme Angst. Besonders vor der Schießerei", erzählt der Vater.

Vater im Gefängnis
Die Familie Ali lebte in Pakistan unmittelbar an der Grenze zu Afghanistan. Auf den landwirtschaftlichen Flächen der Familie Ali machten sich Lashkare-e-Islam Kämpfer, Taliban aus Pakistan, breit. Was der Familie den Vorwurf der Zusammenarbeit mit den Terroristen einbrachte. Auf der einen Seiten das Militär, auf der anderen Seite die Terroristen. „Mir wurde vorgeworfen, zwei Leuten, denen ich eine Wohnung vermietete, hätten eine Verbindung zur Gruppe Lashkare-e-Islam. Dafür musste ich 2013 drei Jahre ins Gefängnis“, erzählt Vater Khadim Ali. Bei einer Strafaktion gegen Lashkare-e-Islam wurde auch ein Verwandtere der Famiie Ali erschossen.

Rückkehr ist Todesurteil
Die Familie Ali kann sich ein Zurück in das Talibangebiet nicht vorstellen. „Für mich ist das das Todesurteil. Mädchen dürfen nicht in die Schule gehen. Die Schulen sind zerstört. Ich kann gar nicht daran denken, was da wieder mit unserem behinderten Sohn passiert" , informiert der Vater. Die pakistanische Regierung hat im Gebiet der Terroristen nicht viel zu melden. Shabnam Ali, die Mutter, ist verzweifelt. Kann die Tränen nur schwer unterdrücken: „Was wird aus meinen Kindern?“

Große Hilfe im Therapiezentrum Waldhausen
Harum Ali leidet laut Kinderärztin an einer Skoliose, einer dreidimensionale Fehlstellung der Wirbelsäule. Die „Kombinierten umschriebenen Entwicklungsstörungen“ sind nicht mehr aufzuholen. Posttraumatische Belastungsstörungen, multiple Narbenbildungen nach selbstverletzendem Verhalten und eine Fehlstellung des rechten Mittelfingers sind nicht die einzigen „Probleme“ die der Junge hat. Im Therapiezentrum musste Haum Ali alles von Grund auf gelernt werde. Gabriella Seböck, Leiterin des Therapiezentrums: „Bei uns erhält der Junge eine Förderung in den alltagspraktischen Bereichen, wie Körperpflege, An-und Ausziehen, Schuhbandbinden, Einkaufen, Kochen sowie gezielt Physiotherapie und Ergotherapie. Um die bereits erworbenen Fertigkeiten beibehalten zu können bzw. weitere Förderziele erreichen zu können sind die Fortführung der Therapie notwendig."

Das Bemühen der NMS Waldhausen
Harum Ali besucht zwei Stunden am Tag die NMS Waldhausen. Eva Nader, Lehrerin für Sonderschule und mehrfach schwerstbehinderte Kinder: „Er schafft nur sehr kurze Konzentrationsphasen, die mit Übungen für das tägliche Leben genutzt werden. In der Kleingruppe fühlt er sich wohl und macht nun erstmals Lernfortschritte. Er hat mittlerweile einen kleinen deutschen Wortschatz erlernt. Aufgrund des regelmäßigen Angebotes an Übungen ist er nicht mehr ängstlich und verstört sondern ruhiger geworden. Es ist wichtig, ihm einen geschützten und verständnisvollen Pflegebereich zu schaffen, damit er sich weiterhin so gut entwickelt und gefördert werden kann.“
„Schule und Förderzentrum leisten Großartiges. Nach einem Abschub ist das Leben unserer Kinder zerstört“, sagen die Eltern.
 
Das Kabinett des Bundesministers Herbert Kickl teilt auf Anfrage mit: „Krankheiten werden im Asylverfahren berücksichtigt und fließen in die Entscheidung mit ein. Gegenstand der Ermittlungen in einem solchen Asylverfahren ist z.B. auch die Behandlungsmöglichkeit im Herkunftsstaat. Auf den Einzelfall bezogene Daten können seitens der Behörde nicht weitergegeben."

Die BEZIRKSRUNDSCHAU WIRD ÜBER DEN FALL HARUN ALI WEITER BERICHTEN.

http://missio-blog.de/blog/2014/07/08/behinderten-in-pakistan-werden-menschenrechte-vorenthalten/

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