Sing AG probt Neustart
"Couragiert gegen Corona ansingen"

Konzertprobe auf Distanz im Pfarrsaal: Sing AG-Obmann Albert Bergsmann und rund 40 Chormitglieder setzen konsequent auf Sicherheit.
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Vor exakt sieben Monaten bescherte Corona der St. Georgener "Sing AG" einen Medienhype, auf den jeder im Chor und im Ort gerne verzichtet hätte. Mit einem Gospelkonzert unter höchsten Sicherheitsmaßnahmen wollen die Sängerinnen und Sänger nun sich selbst und ihren Mitbürgern Mut machen und die Negativspirale durchbrechen. Warum gerade jetzt? Wir haben Obmann Albert Bergsmann zum Interview gebeten.
ST.GEORGEN/GUSEN. Mitte März brach über die beschauliche Vereinswelt der Sing AG ein nie dagewesener Shitstorm herein. Rund drei Viertel der Sängerinnen und Sänger hatten sich bei einem Chorseminar am Monatsanfang, also zu einem Zeitpunkt, an dem Corona in Österreichs Kultur- und Gesellschaftsleben noch kaum Thema war, unwissentlich infiziert. Als zwei Wochen später die Zahlen in mehreren Clustern im Bezirk Perg explodierten, stand der Gesangsverein plötzlich als Sündenbock im Fokus nationaler und internationaler Medien, wurden die Mitglieder auf Onlinekanälen zur Zielscheibe hunderter Hasspostings und persönlicher Beleidigungen (die Bezirksrundschau berichtete).

Neustart nach drei Monaten

"Das Frühjahr war echt heftig, wir haben so etwas noch nie erlebt. Sind wir doch bis zur Verschärfung der Krise wie hunderte andere Vereine - und ebenso wie professionelle Künstler - einfach unserer Freude an Musik oder einem Hobby gefolgt. Singen, insbesondere Chorsingen, ist seither in ein bedrohliches Licht gerückt. Wegen Corona ausgetreten ist bei uns niemand, einige haben sich aber aus privaten, gesundheitlichen und beruflichen Gründen eine Auszeit genommen. Die Entscheidung für ein Herbstkonzert haben wir im Vorstand mehrheitlich getroffen, 40 von 65 Aktiven singen mit", resümiert Obmann Albert Bergsmann.

Aufwändige Vorsorge bei den Proben

Ende Mai hat der Chorverband Österreich Vorgaben veröffentlicht, die auf den gesetzlichen Regeln und einer  wissenschaftlichen Untersuchung zum Aerosolausstoß beim Singen basieren. "Darauf fußt unser penibel umgesetztes Proben- und Hygienekonzept. Anwesenheitslisten, Mundschutz und Desinfektion beim Kommen, Gehen und in Pausen sind fixe Vorgaben. Wir sitzen oder stehen im großen Pfarrsaal mit Sicherheitsabstand. Jeder hat einen definierten und stets  dokumentierten Platz. Ein Restrisiko wird wie überall im Alltag bleiben, aber wir minimieren es. Seit Juni proben wir wieder. Zum Start sogar getrennt nach Stimmlagen und zeitlich versetzt. Wir haben den Mut und die Energie, positiv in die Zukunft zu sehen und  so auch unserem kulturellen Auftrag wahrzunehmen", erklärt Bergsmann, der auch beim Interview auf Distanz mit Schutzschild und Maske unterwegs ist und diese nur für ein Foto ganz kurz abnimmt.

"Gerade als persönlich intensiv Betroffene wollen wir zeigen, dass es mit konsequenten Schutzmaßnahmen möglich ist, ein Chorkonzert abzuhalten. Es funktioniert, wenn alle verantwortungsbewusst zusammenhelfen, um unser so schmerzlich vermisstes soziales Miteinander trotz Corona zu leben!" 
(Sing AG Obmann Albert Bergsmann)

Zahlreiche Studien würden die positiven Wirkung des gemeinsamen Singen belegen. Es sei falsch den Kopf in den Sand zu stecken, sich von täglichen Negativnachrichten lähmen zu lassen. Darin ist man sich im Chor generationsübergreifend einig. Dessen Altersdurchschnitt liegt bei 52 Jahren. 23 Sangesfreudige sind unter 50, der Älteste ist 76, die Jüngste 15 Jahre alt. 

"Freedom is Coming"

Das Motto "Freedom is coming" zieht sich als roter Faden durch das überwiegend aus Gospelmusik und Spirituals aufgebaute Konzert. Emotionen wie Schmerz, Trauer und Sehnsucht kommen zum Ausdruck. Ebenso vermitteln die Lieder aber auch Trost, Hoffnung auf Freiheit,
Vertrauen auf ein Leben nach dem Tod. Das Programm soll die Besucher einladen, innezuhalten, der Musik zu lauschen, die Gedanken schweifen zu lassen. "Wir alle spüren am eigenen Leib, wie sich das soziale Gefüge durch Corona verändert. Merken, dass die gewohnten Strukturen nur langsam, wenn überhaupt, wiederkehren werden. Und trotzdem kann die Zukunft nicht in Isolation enden. Es braucht ein verantwortungsvolles Miteinander. Vertraute Melodien geben Halt. Das Mitsummen beliebter Lieder spendet Trost. Applaudieren befreit. Musik weckt Hoffnung
in jedem von uns. Dazu wollen wir aktiv beitragen", so das Anliegen der Sing AG.

Konzert mit hohen Sicherheitsvorkehrungen

Das Konzert findet in derPfarrkirche St. Georgen/Gusen am 24.10.2020 um 19:30 Uhr statt und ist auf 180 Besucher beschränkt. Diese werden gebeten , schon frühzeitig ab 19:00 Uhr zu kommen. Sie müssen sich über ein Datenerfassungsblatt, das sie bereits beim Kartenkauf mit einem Informationsschreiben erhalten, beim Eintritt in die Kirche registrieren und bekommen dann nach Händedesinfektion von Ordnern einen Sitzplatz zugewiesen. Masken müssen bis zum Erreichen des Sitzplatzes getragen werden.
Es gibt keine Abendkasse. Vorverkaufskarten zum Preis von 10 Euro sind ausschließlich bei UMA-Moden am Marktplatz in St. Georgen/Gusen erhältlich.

Sollten sich tagesaktuell coronabedingte Änderungen für das Konzert ergeben, so sind alle Informationen auf der Vereinshomepage www.singag.at zu finden.

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