Bei Eurospar-Markt
Großdemo in Perg: "So kann es nicht weitergehen" (+VIDEO)

v. li. Jungbauern-Landesobmann Christian Lang, Bezirksbäuerin Barbara Payreder und Bauerbund-Bezirksobfrau Rosemarie Ferstl
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Eine wahre Lawine – fast 200 Traktoren – fuhren am Aschermittwoch zum Eurospar-Markt in Perg.

PERG. Landwirte aus dem ganzen Bezirk Perg beteiligten sich an einer Protestaktion. Hintergrund: Die Bauern fordern eine "faire Bezahlung" ihrer Produkte. Auf Plakaten war etwa zu lesen: "Unsere Milch würde sauer, wenn sie ihren Preis sehen könnte ", "Lasst unsere Bauern nicht im Stich" und "Für unsere Höfe. Für unsere Kinder. Für unsere Zukunft." Der Traktor-Konvoi versammelte sich am Parkplatz neben dem Hallenbad in Perg, dann ging es weiter in Richtung des Fachmarktzentrums. Die Fahrzeuge wurden in der Waidhoferstraße "geparkt". Vor dem Eurospar wurde eine Kundgebung abgehalten.

"Wir können nicht mehr länger zusehen"

Bauernbund-Bezirksobfrau Rosemarie Ferstl hatte zum Protest in Perg aufgerufen:  "Wir vom Bauernbund können nicht mehr länger zusehen. Die Preisverhandlungen der letzten Wochen haben wieder einmal gezeigt, dass der Handel nicht bereit ist, uns faire Produktpreise zu zahlen." Die Forderung: "Keine Dumpingpreise, Preisschlachten und Schleuderangebote bei Lebensmitteln". Ferstl: "Höchste Qualität hat ihren Preis." Sie zeigte sich froh, dass so viele Bauern kamen und sagte bei der Kundgebung: "Es hat noch nie so ein starkes Zeichen gegeben, wie wir es heute gesetzt haben. Und ich freue mich ganz besonders, dass wir geschlossen auftreten und solidarisch mit dem Traktor gekommen sind. Und zwar von jeder Gemeinde." In den vergangenen 20 Jahren hätte der Bezirk Perg jedes Jahr 44 bäuerliche Betriebe verloren.

Höchste Qualität: "Das geht nicht zum billigsten Preis"

Österreich hätte die nachhaltigste Landwirtschaft, höchste Qualität: "Das geht nicht zum billigsten Preis. Unsere Arbeit muss fair abgegolten werden", sagte Michaela Langer-Weninger. Die Präsidentin der Landwirtschaftskammer Oberösterreich war ebenfalls zu der Demo nach Perg gekommen. Fast 90 Prozent des gesamten Lebensmittelhandels sei in der Hand von nur drei Unternehmen. Die großen Ketten hätten Verantwortung. "Wir brauchen einen Preis, um investieren und leben zu können." Es gehe durch die Veranstaltung auch um Bewusstseinsbildung bei Konsumenten. Sie sprach ein klares Bekenntnis zu österreichischen Produkten und Herkunftskennzeichnung an. Sie machte zudem darauf aufmerksam, dass der Milchpreis seit 20 Jahren nicht gestiegen sei. Und das bei immer höheren Standards. Langer-Weninger: "Spar fordere ich auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren."

Starker Kaufkraftverlust

Franz Leitner, Landwirt aus Waldhausen, bringt Zahlen ins Spiel: "Wir haben bei der Milch seit 1994 einen Kaufkraftverlust von 60 Prozent, beim Rindfleisch ebenfalls 60 Prozent, beim Holz sind es 80 Prozent", sagt der Kammerrat der Landwirtschaftskammer Oberösterreich.
Nationalrat und Bauernbund-Landesobmann-Stellvertreter Nikolaus Prinz betonte, dass es bei den Demos "nicht gegen die Menschen geht, die vor Ort bei Spar arbeiten".  Der heutige Tag solle bewusst machen: "So kann es nicht weitergehen."

Forderungskatalog des Bauernbundes

Der Bauernbund Oberösterreich stellte auch einen Forderungskatalog zu den Protesten am 26. Februar auf – dieser richtet sich an alle "Handelsriesen": Stopp der "chronischen Aktionitis" bei hochwertigen Lebensmitteln, mehr Wertschätzung für Österreichs Vorreiterrolle bei Umwelt- und Tierschutz, faire Preise, "Österreichbonus" für heimische Lebensmittel und es dürfe nur Österreich draufstehen, wo Österreich drinnen ist.
Bauernbund-Landesobmann Landesrat Max Hiegelsberger meldete sich in einer Aussendung zu Wort: "Wir stehen heute vor den Spar-Filialen, weil sich gerade Spar Österreich trotz unserer Bemühungen bei den Verhandlungen im Milchbereich gegen die kleinstrukturierten Familienbetriebe entschieden hat und sich sogar, wie in Tageszeitungen zu lesen war, mehr Dankbarkeit seitens der Bauern erwartet." Die Proteste seien ein Signal gegen die unsägliche Preispolitik.

Das sagt Spar zum Thema

Die Supermarktkette Spar gab bereits eine Stellungnahme zu den heutigen Protesten der Landwirte ab, die sich nicht auf Perg beschränkten. Bei Landwirten, die konventionelle Milch erzeugen, gebe es derzeit eine große Sorge: Es würden EU-Förderungen und Ausgleichszahlungen wegfallen. "Daher fordern die Bauern von den Molkereien und indirekt von den Handelsketten derzeit massive Preiserhöhungen. Wissen muss man aber, dass Preiserhöhungen alleine die Lage der Bauern nicht wesentlich verbessern werden, da es hier um ein großes strukturelles Problem innerhalb der Landwirtschaft geht, das eigentlich die Politik lösen sollte", sagt Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann.

"Preisgespräche nicht abgebrochen"

Als Handelsunternehmen sei es die Aufgabe, sowohl für die Molkereien als auch für die Konsumenten einen "angemessenen Preis zu verhandeln". Berkmann betont: " Leider hat sich in der Bauernschaft das falsche Gerücht verbreitet, dass die Preisgespräche abgebrochen worden seien. Das ist falsch! Richtig ist, dass Spar nach wie vor in Verhandlungen mit den Molkereien ist. Wir sind sicher, dass wir diese Verhandlungen mit den Molkereien auch zu einem positiven Abschluss bringen werden."
Und: Mehr als 60 Prozent der heimischen Milch werde ins Ausland exportiert. Dafür würden die Molkereien einen deutlich niedrigeren Preis als von den heimischen Handelsketten bekommen. Den von den Bauern immer wieder geforderten Österreich-Bonus gebe es längst.
Zur Kritik an Preisaktionen heißt es: Den "Spannenverlust" bei Aktionen trage zum größten Teil Spar. Zudem würden diese den landwirtschaftlichen Erzeugern helfen, den Absatz ihrer Markenprodukte zu erhöhen sowie Mehr- und Überproduktionen an die Kunden zu bringen.

Autor:

Michael Köck aus Perg

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