Im Porträt
Luftenberger weiß, was die Landsleute bewegt

Dimitri Prandner, Mitherausgeber des 2018 erschienen Werks "Sozialstruktur und Wertewandel in Österreich".
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  • Dimitri Prandner, Mitherausgeber des 2018 erschienen Werks "Sozialstruktur und Wertewandel in Österreich".
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Dimitri Prandner ist als Gesellschaftsforscher an den Universitäten in Salzburg und Linz tätig.

LUFTENBERG. Was ist den Österreichern heute wichtig? Denkt man anders über Familie, Religion, Politik und Beruf als noch vor 30 Jahren? Wissenschaftlich gesicherte Antworten darauf kann der Luftenberger Dimitri Prandner geben. Der 35-jährige Soziologe erklärt Studierenden an den Unis Salzburg und Linz, wie Sozialforschung geht. An der Linzer Kepler Uni forscht er und begleitet den Aufbau des "Austrian Social Science Data Archive" (aussda.at). Durch das Datensätze von großen Befragungen für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Stadt-Land-Unterschiede

Im Juni schloss Prandner sein Doktorat ab, in seiner Arbeit ging es um das Berufsbild von Journalisten. Die Frage nach den Werten der Österreicher beantworten er und Kollegen im Werk "Sozialstruktur und Wertewandel in Österreich". Der Forscher weiß: "Es gab seit der ersten Erhebung 1986 zahlreiche gesellschaftliche Umbrüche, die etwas mit den Österreichern und dem Land gemacht haben." Er streicht zentrale Ergebnisse heraus:

"Die Arbeit hat für die Menschen immer weniger Relevanz, im Gegensatz zu Familie und Kindern. Auch das Freizeitverhalten ist enorm wichtig."

Spannend lesen sich die Unterschiede zwischen Stadt und Land. "Wir sehen europaweit, dass der Wohnort eine extrem große Bedeutung hat, wie eine Person reagiert und wie sie lebt. Das spiegelt sich mehrfach wider: Am Land hat die Familie eine stärkere Bedeutung, auch Mobilität wird ganz anders beurteilt. Bei der Bundespräsidenten-Wahl galt: Je ländlicher, desto Hofer." Warum haben sich die Unterschiede im Denken zwischen Stadt und Land aber gerade in der jüngeren Vergangenheit vergrößert? "Die Wirtschafts- und Migrationskrise hat unterschiedlich tiefe Spuren hinterlassen. Hinzu kommen technologische Veränderungen." Weitere mögliche Gründe? Weil sich moderne Unternehmen nicht in strukturschwachen Regionen ansiedeln. Da schließt sich aus der Sicht von Prandner ein Teufelskreis: Der Ausbildung entsprechende Berufe gibt es oft nur in den Zentren.

Politisch distanziert

Besonders politische Einstellungen interessieren Prandner: "Wir können im Zeitverlauf eine zunehmende Distanz zwischen Bürger und politischem System nachweisen." So können heute 58 Prozent der Österreicher als politisch distanziert eingestuft werden. Das hat Folgen. "Politische Skandale, die in den Medien und von Experten große Relevanz zugeschrieben bekommen, berühren weite Teile der Bevölkerung nicht. Politisch distanziert heißt nämlich auch: Es ist den Menschen nicht so wichtig, weil sie glauben, dass Politik nicht so großen Einfluss auf ihr Leben hat." Diese Befunde bieten auch eine Erklärung, warum das Ibiza-Video der FPÖ nicht mehr Wählerstimmen kostete.
Prandner kommt aus einer politischen Familie, Mutter Hilde ist SP-Bürgermeisterin in Luftenberg.

"Die Frage war, als ich studieren wollte: Wie entstehen gesellschaftliche Dynamiken? Wie kommen bestimmte Wahlergebnisse zustande? Ich habe in der Wissenschaft die Möglichkeit gesehen, mein Interesse an der Politik ausleben zu können."

Großer Comic-Fan

Als "sehr abwechslungsreich" beschreibt er die Arbeit als wissenschaftlicher Uni-Mitarbeiter: "Du unterrichtest, forschst, bist in Sitzungen." Die Freizeit von Prandner, der in Luftenberg und Salzburg lebt, ist weitgehend durch seine zwei kleinen Kinder bestimmt. Daneben ist er ein großer Comic-Fan, insbesondere der US-Superhelden, und mag Computerspiele. Besonders stolz ist er auf seine 200 Iron Man Action-Figuren.

Autor:

Michael Köck aus Perg

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