09.09.2016, 14:21 Uhr

Von Budweis, Doudleby über Betlehem nach Grein oder Burgen- und Schlösserweg von der Maltsch bis zur Donau

Weleschin, es ist zu erkennen, dass dieses Gebäude einmal eine Kirche war
REISEBERICHT. GREIN, BUDWEIS. Im Sommer 2015 wurden im Bezirk Perg Tafeln aufgestellt, Aufgang zur Greinburg, wo der "Burgen-und Schlösser-Weg von der Maltsch zur Donau" beworben wird. Der Kulturwissenschafter Karl Hohensinner und Robert Zinterhof machten den Test per Rad, der Weg ist eigentlich für Wanderer gedacht. Ein Reisebericht von Dr. Karl Hohensinner.


Ausgangspunkt ist Budweis.
Die Anreise erfolgte per Bahn, Fahrradmitnahme im Zug. Alles fahrplanmäßig und unproblematisch. Besichtigung von Budweis, wo wir viele freundliche Leute treffe, und Fahrt entlang des Radweges nach Doudleby.

Doudleby.
Auf einem Felsen entlang des Flusses eine Statue des Jan Nepomuk. Früher fuhren auf der Maltsch Flöße und Nepomuk war ihr Schutzheiliger. Doudleby verfügt über reiche frühmittelalterliche Tradition und liegt überaus malerisch in einer Schleife des Flusses Maltsch, tschechisch Malse. Wenngleich der Ortsname klingt, als sei er aus Schottland, so ist er doch tschechisch, ausgesprochen Dudlebi, auf die erste Silbe betont.
Eine markante und architektonisch schöne Brücke aus den 1920er Jahren überspannt in großer Höhe den Fluss Maltsch. Das Wasser rauscht über mehrere Wehre, man kann es bei Einschlafen hören, wenn man im Sommer das Fenster im Hotelzimmer offen lässt. Wir wohnten im kleinen Familienhotel von George Klor, der auch englische und italienische Stilmöbel exportiert. Das Hotel ist völlig mit Stilmöbeln ausgetattet und preislich günstig, die Küche gut. Hotel:http://www.hotelklor.com/de/kontakt.html
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Doudleby wurde im Mittelalter als Stadt gegründet. Als später Budweis im Jahr 1265 gegründet wurde, verlor Dodleby seine Rolle als südböhmisches Zentrum und hat heute wieder dörflichen Charakter. Es gibt aber eine sehr alte tschechische Volkskultur, eine spezielle Tracht und einen speziellen Dialekt.
Ein besonderes und beinahe vergessenes Relikt aus dem Frühmittelalter ist die Quelle in der Brunnenstube an der Kapelle zur heiligen Barbara. Hier soll der Heilige Adalbert von Prag getauft worden sein.

Johannesberg und Betlem
Es geht auf gut beschilderten Wegen weiter nach Johannesberg, Svatý Jan. Hier ein kleines barockes Wallfahrtskloster und ein prächtiger Nepomuk. Er wurde von einem Mann aus dem Ort gespendet, der um 1870 in Wien mit einem Tischlereibetrieb reich geworden war. Unten im Tal ebenfalls ein Wallfahrtskloster, Rimov, das "Südböhmische Jerusalem". Rundum in der Landschaft sind große barocke Kapellen. Sie zeigen Szenen aus dem Leben Jesu. Es gibt das Stadttor von Jerusalem und ein orientalisches Gebäude namens Betlehem. Ein Orsteil heißt auch so (Betlém). Somit haben wir nach zwei halben Tagesreisen Betlehem erreicht!

Weleschin
Etwa 10 km weiter die Kleinstadt Weleschin. Drei Gebäude am oberen Teil des Stadtplatzes ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich: Das kleine barocke Rathaus, die vor 250 aufgelassene und umgebaute Kirche und die Fleischerei und Selcherei des Josef Foitl. Er liebenswertes Ensemble. Die Kirche enthält heute unter anderem ein Museum, eine Gallerie und ein Feuerwehrzeughaus. In der Nähe der Stadt Weleschin sind die Reste der gleichnamigen Burg romantisch hoch über der aufgestauen Maltsch gelegen.


Burgruine Poreschin

Weiter geht es zur Burgruine Poreschin. Aufwändig und gut renovierte Ruine, kleines Burgmuseum mit landestypischer Jause: Eingelegter Camembert-Käse! Beliebtes Ausflugsziel.


Kaplitz
Bald kommt man nach Kaplitz: Am Stadtplatz zwei auffällige Gebäude: das Slawische Haus aus dem 19. Jahrhundert als ehem. Zentum der tschechischen Kultur, auf der anderen Seite das Rathaus, Kaplitz hatte früher eine deutschsprachige Mehrheit und war jahrzehntelang ein politisch ausgesprochen heisses Pflaster.
Südlich von Kaplitz führt der Weg dorch idyllisch gelegene Wochenendsiedlungen. Doch man verirrt sich dazwischen, es geht wohl nicht anders. Plötzlich ist der Weg für Radfahrer kaum mehr geeignet. Durch einen Wald, ein überaus altertümliches Sägewerk, wieder ein asfaltierter Weg. Man erreicht eine wenig bewohnte Gegend. "Wuschlrinder" (Schottische Hochlandrinder) ziehen über die Weiden. Ein "Wuschlstier" betrachtet uns interessiert. Man glaubt in den schottischen Highlans zu sein. Die Straße ab der "Wuschlfarm" ist ein guter Güterweg, sehr selten Autoverkehr.

Reichenau an der Maltsch
Das Rad rollt den Hügel hinunter: Reichenau an der Maltsch ein seltsam fremder Ort, eine Mischung aus Mühlviertel und Russland, denke ich mir. Bald ist man in Maria Schnee. Ein Wallfahrtsort nicht weit mehr von der Grenze. Ein vor Urzeiten in zwei Teile gespaltener Stein und eine wundertätige Quelle sind der Ursprung. Maria ist durch den Böhmerwald gegangen und hat auf dem Stein gerastet. Hüterbuben haben sie aufgetrieben. Da ist der Stein geapalten. Die beiden Hälften entfernen sich in ganz, ganz langsamer Geschwindigkeit voneinander. Wenn sie soweit voneinander entfernt sind, dass ein Wagen durchfahren kann, dann geht die Welt unter. "Gut, dass die Bauernwägen immer größer und breiter werden", denke ich mir! Aus tschechisch heißt Maria Schnee Svatý Kamen, das heißt "Heiliger Stein".

Man muss sich mit dem Rücken an den Felsen lehnen. Es hilft in einer speziellen Weise. Man muss das längere Zeit tun. Ich fühl mich nicht besonders wohl dabei. Die Brunnenkapelle ist mir lieber: Das Wasser kann man trinken, man soll sich damit die Augen auswaschen und speziell: Man soll auf Reisen eine Flasche dieses Wassers mit sich führen, es beschützt vor Unglück. Ich fülle meine Flasche und die Reise geht weiter.

Oppolz
Der letzte Ort vor der Grenze heißt Oppolz, tschechisch Tichá. Ein Dorfteich, schön restaurierte alte Häuser darum verstreut. Nicht weit davon der Turm von Oppolz. Der viereckige mittelalterliche Turm war an allen vier Ecken stark abgeböckelt, schon zum umfallen. Er wurde unter Aufsicht einer Universität von Studenten und Professoren erstklassig restauriert. Sogar archäologische Grabungen wurden durchgeführt. In dieser Hinsicht ist Österreich weit hinten. Wenn man an die unglaublichen Fälle denkt, als man den Mautturm in Sarmingstein wegen vergleichsweise viel geringerer Schäden sprengen wollte oder wie in Klingenberg ein Teil der Ruine zusammenbrach, weil das Denkmalamt Untätigkeit verordnet hatte. Generell dürfte der Denkmalschutz in Tschechien sinnvoller strukturiert sein, als bei uns.

Wieder in Österreich
Noch einige Kilometer und wir überqueren die Maltsch in Hammern bei der Lexmühle. An den Häusern kann man nicht erkannen, dass man in Österreich ist. Wir suchen ein Gasthaus zum Übernachten. Auf der tschechischen Seite der Grenze keine Hinweise auf Ziele in Oberösterreich, nach der Grenze auch nicht viel. Schnell ist man in Windhaag bei Freistadt. Alle Gasthäuser sind geschlossen, es gibt keine Zimmer und keine Informationen, die das sagen, was man jetzt wissen will. Man kann Knöpfe drücken und Tafeln anschauen, allerhand wird verheißen, Wolken ziehen auf, es wird finster. Weiterfahren nach Sandl meint Robert. Ich halte nichts davon. Hilfsbereite Personen sind zur Stelle. Man telefoniert, schließlich doch: Karl Reisinger vom Gasthaus Affenzeller hebt ab. Wieder ein kleines Stück zurück nach Mairspindt. Robert interessiert es nicht, dass ich ihm den Ortsnamen erklären will und doziere: Der Name Mairspindt bedeute nicht, dass ein gewisser Mair spinne, sondern bedeute Maltschgemünd. Der Felberbach habe früher Feldmalsche geheißen und der andere Flusslauf Waldmalsche und hier würden sie sich vereinigen. Der Name sei mit dem Namen der Stadt Gmunden ähnlich und die Nordböhmische Stadt Aussig hätte einen Namen von ähnlicher Bedeutung .....
Das Gasthaus ist ein Glücksfall. Die Zimmer sind neu und schön, die Küche gut und was der Wirt zu erzählen weiss überaus interessant. Wir bleiben noch lange sitzen.

Nach Sandl
Regen am nächsten Tag: Regenpellarine, Elekrorad aufgeladen, nach Sandl. - Liebenau, Mittagessen, nasse Kleidung wechseln, Akku aufladen. Regen hört auf, am Tannermoor vorbei, ein herrschaftliches Forsthaus... - Wo ist der kürzeste Weg nach Hause und nicht der kulturellste Weg von Prandegg nach Klingenberg? Irgendwann Pabneukirchen erreicht. Am nächsten Tag in Grein eingeritten. Genießt, später gehustet, drei Wochen Schnupfen gehabt.


Resumee: Unsere Wander-Radroute von Budweis nach Grein ist mit dieser Wegführung nicht massentauglich, aber einzigartig! Letzendlich ist es ein Zusammenschluss von Wanderwegen und Straßennetzen. Im Grenzbereich bei Windhaag gibt es das Torismusprojekt "Das grüne Band Europas". Wo wir gefahren sind, da war es wohl so schmal, dass kein Hinweisschild hingepasst hat. Das haben Bänder so an sich, dass sie sehr schmal sein können.
Soweit die Route auf Wegen geht, die am Radwegenetz von Budweis hängen ist alles optimal, unterhalb Kaplitz wirds unübersichtlich und bleibt es. Burgen und Schlösser muss man mutwillig suchen. Das Motto wirkt künstlich herbeigezwungen. Interessant ist der Flussverlauf der Maltsch. Sie ist ein schöner Fluss! Hochinteressant sind die Wallfahrtsanlagen, Kapellen und Kirchen die die man auf der böhmischen Strecke so reichlich findet.


Wirklich interessant wäre es, wen man die Strecke Budweis Grein in folgenden Ettappen machen könnte:
1. Tag Grein-Budweis (Zug) mit dem Rad nach Doudleby
2. Tag Doudeby bis Mairspindt
3. Tag Mairspindt bis ca. Mühlviertler Alm
4. Tag Mühlviertler Alm bis Grein
Eine Route mit Potential aber großem Verbesserungsbedarf. Derzeit noch für Individualisten. Und als Wanderweg? Für Weitwanderer mit viel Zeit, auch hier gilt: Die Maltsch rentiert den Aufwand. Der Wanderer hat das Naturerlebnis am Fluss noch wesentlich stärker als der Radfahrer, der nicht alle schmalen Pfade am Fluss nützen kann. Die Route im Mühlviertel hat völlig anderen Charakter. Um irgendwo Ruinen und Burgen sehen zu können? - Also, das kann man woanders einfacher haben.
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55.321
Ferdinand Reindl aus Braunau | 17.09.2016 | 14:07   Melden
12.795
Robert Zinterhof aus Perg | 17.09.2016 | 14:30   Melden
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