18.09.2014, 13:49 Uhr

Mitten unter uns: Menschen mit Demenz

„Es braucht mehr Tagesbetreuungsangebote für Menschen mit Demenz, um betroffene Angehörige im Alltag zu entlasten“, meint Diakoniewerk-Rektorin Christa Schrauf. (Foto: Diakoniewerk)

Wenn Menschen von Demenz betroffen werden, stellt das Angehörige und Helfende vor große Herausforderungen. Auch die Nachbarschaft und das weitere Umfeld werden gefordert und wissen oft nicht, wie sie mit dem ungewohnten Verhalten umgehen sollen. Damit Menschen mit Demenz in unserer Mitte integriert bleiben können, müssen Angehörige, professionelle Helfer und engagierte Bürger zusammenarbeiten.

GALLNEUKIRCHEN. Am 21.9. ist Weltalzheimertag. Ein Tag, der die Aufmerksamkeit auf die Menschen richten soll, die mit Demenz zu leben haben. Diese dürfen nicht auf die mit der Demenz einhergehenden Defizite reduziert werden. Mit dem Verblassen ihrer Erinnerungen verschwinden nicht ihre Lebensgeschichte und ihre Persönlichkeit. „Es geht darum, sie ernst zu nehmen und sich auf ihre aktuelle Lebenswelt einzustellen sowie den Fokus auf das zu richten, was trotzdem an Lebensqualität möglich ist. Diese Akzeptanz ist sowohl bei den Angehörigen und dem Pflegepersonal als auch im Alltag – bei MitarbeiterInnen in Supermärkten, Apotheken, bei der Polizei etc. – notwendig“, betont Mag.a Christa Schrauf, Rektorin des Diakoniewerks. „Ziel ist es, gemeinsam mit den Betroffenen im Alltag Wege für ein ihren Bedürfnissen gerecht werdendes Leben zu finden – deshalb sind Information und Bewusstseinsbildung enorm wichtig“, so Schrauf.

Bewusstseinsarbeit beginnt bereits in Schulen
Viele Jugendliche sind schon heute durch die Erkrankung eines Familienmitglieds mit dem Thema Demenz konfrontiert. Eine Bearbeitung im Unterricht gibt den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, die Krankheit besser zu verstehen, bestehende Ängste und Tabus abzubauen und ihre soziale Kompetenz zu stärken. Zudem können Jugendliche ermutigt werden, sich aktiv für die Belange dieser Menschen einzusetzen. Aktivitäten zur frühzeitigen Sensibilisierung setzt das Diakoniewerk durch Informationsveranstaltungen in Schulen bzw. durch Kooperationen mit Schulen, die das Thema in ihrem Unterricht aufgreifen. „Durch die Bewusstseinsarbeit wird das Verständnis für die Lebenswelt von älteren Menschen gefördert - Unsicherheiten und Berührungsängste können so frühzeitig abgebaut werden,“ so Schrauf.

„barrierefreier“ Zugang
Nach wir vor lebt der größte Teil der von Demenz betroffenen in privaten Haushalten und wird zumeist von nahen Angehörigen betreut und gepflegt. Sie wünschen sich auch mehr Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung, wie Herr Antl, dessen Mutter an Demenz leidet, betont.

"Meine Mutter hat einen anderen Blick auf die Welt entwickelt. Bald zeigte sich, es geht in Richtung Demenz. Als sie beim Zubereiten des Frühstücks auf das Schneidebrett vergaß und die Butter auf das Fensterbrett schmierte, war klar: wir müssen was tun", so Anton Antl. Immer wieder ist seine Mutter von zuhause wegspaziert und hat nicht mehr heimgefunden.

"Wir wollten die Mama nicht einsperren. Sie sollte ihre Freiheit haben und wie früher unterwegs sein können", so Antl. Die Nachbarn haben sich sehr lieb um seine Mutter gekümmert, berichtet Antl. Trotzdem war es belastend, zu jeder Tages- und Nachtzeit angerufen zu werden: "Die Mama steht schon wieder auf der Straße."

"Es wäre schön, wenn Bürgerinnen und Bürger, die einem Menschen mit Demenz begegnen, nicht gleich die Rettung oder Polizei verständigen. Warum fragen sie nicht, wo die Person wohnt, wie sie heißt, wohin sie will und begleiten sie ein Stück?"

Schrauf möchte einen Bewusstseinswandel anstoßen: „so wie wir Gebäude barrierefrei zugänglich machen, so gilt es nun mehr Menschen mit Demenz den Zugang zur Gesellschaft und zum sozialen Miteinander „barrierefrei“ zu gestalten.“

Pflegende Angehörige brauchen mehr Unterstützung
Neben der öffentlichen Bewusstseinsbildung fordert das Diakoniewerk eine gute flächendeckende Versorgung mit sozialen Dienstleistungen. „Es braucht mehr Tagesbetreuungsangebote für Menschen mit Demenz, um betroffene Angehörige im Alltag zu entlasten; mehr Anlaufstellen, um sich rechtzeitig beraten und informieren zu können und darüber hinaus mehr Austauschplattformen für Angehörige,“ so Schrauf.“ „Das Diakoniewerk hat unter anderem mit den Alzheimer-Cafés eine Möglichkeit geschaffen, wo sich betroffene Angehörige regelmäßig untereinander und mit Fachleuten austauschen können und gleichzeitig ihre Angehörigen von unserem Fachpersonal betreut werden.“

Das Diakoniewerk bietet an 9 Standorten in Österreich Hilfe und Betreuung für Menschen mit Demenz. Darunter Wohnen und Pflege in Hausgemeinschaften, Tagesbetreuungseinrichtungen, mobile Pflege und Kurzzeitpflege. In Alzheimer Cafés erhalten Angehörige Schulungen und Informationen zum Umgang mit Menschen mit Demenz und die Möglichkeit zum Austausch.

Nähere Informationen unter www.demenzinfo.at
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