12.04.2017, 14:44 Uhr

Klimawandel: Die Folgen für Perg

Der Zentralraum, Enns und der Bezirk Perg werden in OÖ die Trockenheit sehr zu spüren bekommen. (Foto: panthermedia_net/kwest)

Die Folgen des Klimawandels sind vielfältig und werden vor allem die Landwirtschaft stark treffen.

BEZIRK (mikö). "Die Temperatur hat im Bezirk seit 1946 deutlich zugenommen, das zeigt die Messreihe in Pabneukirchen", sagt Peter Schuhbauer vom Onlineportal Strudengauwetter. Dennoch gebe es noch "richtige Winter mit Eis und Schnee" – allerdings werden diese immer weniger. Im Umkehrschluss nehmen Hitze und Trockenperioden zu. Dieser Trend wird sich noch deutlich verschärfen: Die Uni für Bodenkultur in Wien hat die Auswirkungen des Klimawandels auf unser Bundesland genau untersucht – siehe weiter unten "Wetter-Szenario".

"Darauf einstellen"

"Wir müssen uns darauf einstellen. Die Frage ist: Wie gehen wir damit um? Es kommt auf unsere Anpassungsstrategie an", sagt Martin Sevcik aus Saxen, Obmann-Stellvertreter des Naturschutzbundes OÖ. Es gelte Vorsorge zu treffen hinsichtlich möglicher Gefahrenbereiche wie: Wo baue ich? Gegen was versichern? Wo braucht es Rückhaltebecken?

Das Wasser werde knapper, wegen weniger Gletscher-Schmelzwasser und mehr Hitzetagen. "Die Gletscher verschwinden vielleicht bis Ende des Jahrhunderts. Man wird sich überlegen müssen, welche Regionen zu unterstützen sind", so Sevcik.
Stark im Zunehmen sind Unwetter mit Starkregen und Stürmen. Bestes Beispiel war 2016 Schwertberg: Bei einem 300- bis 500-jährlichen Niederschlagsereignis wurden 300 Häuser beschädigt. Die Gemeinde hofft auf öffentliche Gelder, um gegen Hangwässer Rückhaltebecken bauen zu können. "Wir bereiten uns auf derartige Szenarien vor", sagt Bürgermeister Max Oberleitner (VP). Bezirksfeuerwehrchef Josef Lindner sieht in Starkregen und Hangwässern "neue Herausforderungen mit kurzer Vorlaufzeit". Ob vermehrt Brände auftreten, sei schwer vorherzusagen. Ein Waldbrand-Gebiet sei der Bezirk nicht, die Gebiete nicht so schwer zugänglich.

Landwirtschaft betroffen

Stark betroffen ist die Landwirtschaft. "Für den Zentralraum und das östliche Mühlviertel bin ich etwas gestresst. Hier werden wir auf lange Sicht die größten Probleme in Oberösterreich bekommen, haben schon jetzt weniger Niederschläge. Ich glaube, dass sie tendenziell weiter abnehmen", sagt Christian Krumphuber, Pflanzenbaudirektor der Landwirtschaftskammer OÖ.

Gewinner & Verlierer

Es gebe aber auch Profiteure: "Ein klassisches Beispiel: In einigen Regionen wie in Perg mit Leo Gmeiner haben wir jetzt Weinbau." Beim Weizen werde sich eine trockenere Art verstärkt durchsetzen. Hirse könnte mehr Bedeutung bekommen. Mehr Probleme als im Ackerbau gebe es im Grünland. Das Beregnen von weiten Teilen der Flächen sei "keine Option". Negativ auswirken werden sich Schädlinge, in Form von Tieren und Unkraut. Außerdem führe der Starkregen zu Bodenerosion.
Klima ist im Bezirk allerdings nicht gleich Klima: Die Gemeinden im Bereich 250 Meter Seehöhe gehören zu den wärmeren Regionen im Land. In St. Georgen/W. auf 800 Metern ist es laut Onlineportal Strudengauwetter im Schnitt um fünf bis zehn Grad kälter. Entsprechend gibt es weniger Sommer- (mehr als 25 Grad) und mehr Frosttage (unter 0 Grad).

Wetter-Szenario

Die Universität für Bodenkultur in Wien hat die Auswirkungen des Klimawandels auf OÖ untersucht. Laut dem mittleren Szenario soll die Temperatur bis 2030 im Mittel um mehr als 1 Grad steigen, bis 2050 um 2,2 Grad und bis 2085 um 3,5 Grad. Dann wäre es in Teilen des Bezirkes so warm wie derzeit in Mailand. Beim Extremszenario würde sie sogar um 6,5 Grad ansteigen – so heiß ist es aktuell im Süden Spaniens und Portugal. Die Anzahl der Sommertage mit mehr als 25 Grad wird von 50 bis 60 auf mehr als 100 bis Ende des Jahrhunderts ansteigen. Die Zahl der Tage mit Temperaturen unter 0 Grad wird im Umkehrschluss massiv zurückgehen. Die Vegetationszeit, also jener Abschnitt, in dem eine Pflanze wächst, wird bis zum Jahr 2100 von 240 auf 300 Tage steigen. Keine großen Änderungen werden hinsichtlich der Niederschläge prognostiziert.

Umfrage: Wie wirkt sich der Klimawandel aus?

"Durch die Schneekanonen haben wir in St. Georgen am Walde ein gute Pistensicherheit. Die später startende und kürzere Saison ist kein Problem. Auf unserer Höhe von 800 Metern passt es noch, weil die Kälte nach wie vor da ist. Wenn es aber eklatant wärmer wird, werden wir Probleme bekommen."
Alexander Sengstbratl, Obmann Verein Schorschi, der einen Skilift betreibt

"Neue Herausforderungen mit kurzer Vorlaufzeit und vielen Feuerwehrleuten vor Ort sind Starkregen-Ereignisse mit Hangwasser. Die Belastung bei Einsätzen wird stärker werden, z. B. bei 35 Grad mit Schutzbekleidung. Brände dürften bei uns nicht das Riesenthema sein, wenn die Temperatur um ein paar Grad steigt. Es wird sich hier in Richtung Prävention verschieben."
Bezirksfeuerwehrchef Josef Lindner

"Die Zugvögel kommen früher und müssen nicht mehr so weit weg. Die Gottesanbeterin, früher nur im Burgenland, kommt auch schon nördlich der Donau vor. Arten, die in südlichen Gebieten wachsen, verdrängen die einheimischen Pflanzen. Diese Fremdarten haben meist keine natürlichen Feinde, können sich rasch ausbreiten. Schädlinge und Insekten werden mehr. Martin Sevcik, Naturschutzbund OÖ

Durch die Zunahme der Wärme kommt es zu einer Mehrbelastung des Kreislaufs. Weil sich Blütezeiten verschieben und zunehmen, werden die Allergien mehr. Thomas Huemer, Gemeindearzt von Grein, über die medizinischen Folgen des Klimawandels in der Region.
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