13.06.2018, 18:30 Uhr

Mumie kommt heim

Mumie kehrt zurück
ST. THOMAS. In München wartet der unverweste Leichnam der Pfarre St. Thomas, besser bekannt als „Luftgselchter Pfarrer“, auf seine Rückkehr. Die wissenschaftlichen Analysen sind abgeschlossen. Die Mumie ist vom Schimmel befreit. Wie Pfarrer Johann Fehrerhofer auf Anfrage informiert, muss noch die zweite Gruft-Kammer, die neue Bleibe für die Mumie, fertig adaptiert werden. Die Rückkehr soll in den nächsten Wochen stattfinden.
Durch einen Kreuzgang oberhalb der Kirche gelangt man zu den Gruft-Kammern. Die bisherige Bleibe des „Luftgselchten“ war nicht optimal. Die klimatischen Bedingungen, Temperaturwechsel, Feuchtigkeit, Luftzug, setzen der Mumie in den vergangenen Jahren mehr und mehr zu und machten ein sofortiges Handeln notwendig. Das Kunstreferat der Diözese Linz konnte den Münchner Mumienexperten Oliver Peschel dazu gewinnen, sich der Mumie anzunehmen. Der Rechtsmediziner Peschel ist auch Konservierungsbeauftragter für "Ötzi", den Mann aus dem Eis.

Wie Fehrerhofer mitteilt, fallen für die aufwändigen Untersuchungen und Erhaltungsmaßnahmen der Pfarre und der Diözese keinen Kosten an, da es im Interesse der Münchner Wissenschaftler war, die Mumie zu untersuchen. Auch die Kosten für die Adaptierung der neuen Gruft-Kammer sind minimal, da hier auf die Ehrenamtlichkeit in der Pfarre gesetzt werden kann. Durch das Entgegenkommen aus Deutschland hat man sich wohl eine höhere fünfstellige Summe erspart.

Am 12 Oktober 2017 holte Oliver Peschel in Begleitung des Pathologen Andreas Nerlich die Mumie nach München. Dort wurde sie wissenschaftlichen Untersuchungen und Analysen unterzogen. „Die Mumie ist jetzt vom Schimmel befreit. Das Untersuchungsergebnis kenne ich noch nicht“, informiert Fehrerhofer. Der Befund der Mumie soll nicht nur Erkenntnisse über die Person und ihre Todesumstände bringen, sondern auch ein Konzept für eine nachhaltige Konservierung.


Bei der Mumie soll es sich um den ehemaligen Chorherrn aus Waldhausen und Pfarrvikar Franz Xaverius Sydler de Rosenegg (1709 bis 1746) handeln. Über die Gründe der natürlichen Mumifizierung des Leichnams gibt es zahlreiche Überlieferungen. So zum Beispiel: es sei Gerbsäure, doppelt-chlorsaures Quecksilber, verschiedenste Gifte, der Luftzug (daher der Ausdruck “Luftgselchter Pfarrer), radioaktive Strahlung oder sogar ein Wunder. Ebenso ist im Volksmund überliefert, er sei an Epilepsie gestorben und so ein Helfer in dieser Krankheit. Seine Unverwestheit wäre ein Fingerzeig Gottes.
Auch eine wissenschaftlichte Untersuchung, die 2000 startete, hat keine wissenschaftliche Erklärung für die natürliche Mumifizierung des Geistlichen erbracht. Jetzt wird mit Spannung auf die vielen offenen Fragen gewartet.
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