16.04.2017, 22:57 Uhr

Offener Brief an Frau Barbara Payreder (Bezirksbäuerin)

Sehr geehrte Frau Payreder!

Ich beziehe mich auf Ihre schriftliche Stellungnahme, zum Thema "Familie Kurzmann (IG-Milch) bekommt keinen Vertrag bei einer Molkerei", welche von Robert Zinterhof auf „Mein Bezirk“ veröffentlicht wurde:

Sie können nicht nachvollziehen, in welcher Situation die Fam. Kurzmann ist, denn sie haben ein politisches Umfeld, welches dafür sorgt, dass sie niemals in dieser Lage sein könnten. Also reden sie nicht von Umständen, die sie nie erleben werden. Ob es Ihnen Leid tut oder nicht – das ist keine Kategorie, die in der Sozialpartnerschaft relevant wäre. Sie vertreten eine Institution des Sozialstaates, der dann wirksam werden sollte, wenn Menschen den Schutz dieses Staates brauchen. Die Funktionäre sollten sich ein feines Instrumentarium dafür erhalten, wenn Familien Hilfe brauchen. Ich spreche Ihnen diese Fähigkeit ab.

Sie betonen, sich für die Interessen aller Bauern einzusetzen. Was sind den Ihre Grundlagen dafür?

Landwirte sind selbstständig und werden mittels öffentlicher Mittel am Leben erhalten. Wenn sich eine Familie freiwillig einem unternehmerischen Projekt anschließt, verliert sie das Recht auf Vertretung? Herr Kurzmann hat „nur“ die Grundprinzipien des Marktes gesehen und gemacht, was von der Wirtschaftspartei ÖVP so hoch gepriesen und jedem tüchtigen Unternehmer geraten wird. Er hat versucht, einen Preis für sein Produkt zu erreichen, der menschenwürdig ist. Das Projekt ist schließlich auch dadurch gescheitert, weil übermächtige Marktteilnehmer (Monopolisten) ein Scheitern erwirkt haben. Die Aufzeichnungen der Betroffenen füllen viele Ordner. Auch das ist „business as usual“, keine Frage. Wenn Sie sich auf einen politisch-naiven Standpunkt stellen, akzeptiere ich das aber nicht. Schließlich geht es um die wirtschaftliche Existenz von Menschen, die ihre ganze Kraft in ihren Hof gesteckt haben und jetzt vor dem Nichts stehen.

Warum es bei der Familie Kurzmann nicht geklappt hat? Das haben Sie zu beurteilen, sonst können sie wohl kaum bäuerliche Familien als Interessenvertreterin dienen. Ihre Arbeit für die Bauern ist letztlich ein Dienst am Menschen, der Verständnis und immer tieferes Verständnis verlangt. Dazu sind sie laut eigener Aussage ob fehlender Beurteilungskraft nicht in der Lage.

Sie müssten doch die Situation der Milchbauern kennen und dem gemäß eine kritische Position einnehmen. Die Bemerkung, es sei schwer, die Betriebe langfristig abzusichern ist sicher richtig, aber was weiter? Herr Kurzmann engagiert sich wie Sie auch für seine Standeskollegen und fühlt sich für alle Bauern zuständig. Sie bringen offen zum Ausdruck, dass der UBV Bauer beim UBV und der ÖVP Bauer beim Bauernbund um Unterstützung bitten sollte. Soviel zum Engagement für alle Bauern.

Gute Kontakte zu Abnehmern im Ausland erwähnen Sie: die haben die großen Genossenschaften doch auch und die Abnehmer holen sich womöglich mehrere Angebote ein? Es wäre zumindest kaufmännische Usance. Das Spiel von Monopolisten ist Ihnen in Bezug dazu nicht bekannt?

Sie wünschen der Familie das Beste, was Sie offenbar schon als ausreichende Unterstützung sehen. Die Form des Betriebes scheint egal zu sein, die Zugehörigkeit zu einer Fraktion der Landwirtschaftskammer dann doch nicht (siehe oben).

Die Situation der österreichischen Landwirtschaft sollte differenzierter analysiert werden. Ich lade Sie ein, dazu einen Beitrag zu leisten. Ihre Stellungnahme an die Perger Rundschau kann man in der aktuellen Frage der 37 Familien nicht als Problemlösungsbeitrag sehen, sondern als politisches Spiel. Sei meinen, sich mit dieser Darstellung über das Problem hinweg schreiben zu können. Erst wenn Sie die Demut haben, mit den Familien auf Augenhöhe zu gehen, könnte ich Sie als ernsthafte Interessenvertreterin sehen. In einem Sozialstaat bekommt jedes wirtschaftlich tätige Individuum eine Unterstützung, wenn die Existenz gefährdet ist. Dieses in jeder Partei zum Ausdruck gebrachte Prinzip wird im Fall der 37 ignoriert. Warum tragen Sie das mit?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Josef Breinesel, Grein
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