08.04.2017, 10:02 Uhr

Warum steht der Familie Kurzmann ein Liefervertrag zu?

Martin Kurzmann setzte sich für eine faire Landwirtschaft ein!
Landwirtschaft hat in Bezug zum Liefervertrag für die Familie Kurzmann mehrere wichtige Aspekte, die ich besprechen möchte:

- wirtschaftliche Grundlagen
- politische/rechtliche Basis
- kulturelle Aspekte des Gemeinschaftlichen, aufbauend auf Beziehungen
- Legitimation und Ausgleich der genannten Ebenen auf einer höheren Stufe (Reflektion)

Wirtschaftliche Grundlagen

Die Familie Kurzmann hat einen Betrieb aufgebaut, der wirtschaftlich langfristig gut aufgestellt ist. Dazu ist eine gewisse Bescheidenheit notwendig. Es wurde nicht nur auf Wachstum gesetzt, sondern auf Qualität und die passende Größe für die Familie. Was sie eben leisten kann - und das ist auch hier grenzwertig viel. Bauern leisten in Österreich unglaublich viel, weil man ihnen keine angemessenen Preise zugesteht. Die wirtschaftliche "Überlebensfrage" wurde an die Politik ausgelagert.

Fazit - Wirtschaft: Der Betrieb der Familie Kurzmann ist ein Vorzeigebetrieb und für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet. Es wurde auf großes Wachstum und damit verbundener hoher Verschuldung verzichtet.

Politisch/rechtliche Basis

Die Frage des wirtschaftlichen Überlebens wurde also an die Politik delegiert. Bauern leben zu einem guten Teil auf Basis von Förderungen. Warum ist das so? Das hängt mit den globalen Machtverhältnissen zusammen. Wenn man sich vorstellt, ganze Erdteile auszuplündern, sind diese politischen Systeme notwendig. Wer die Macht aufbringt, gestaltet das politische System. Ansonsten wäre die Versorgung mit Lebensmittel wesentlich regionaler zu gestalten. Das wäre aber dann ein Ende der "großen" Politik und ein bewusstes Spiel mit regionalen Unterschieden. Diese mittlerweile "verdorbenen" Charaktere der Politik treten aber nicht freiwillig ab. Und zeigen Sie mir einen, der nicht verdorben ist!

Politiker klingen in Österreich teilweise positiv. Es gibt aber nicht einen, der nicht auf einen Wachstumskurs schwört. Bundeskanzler Kern betont das genauso wie der neue OÖ Landeshauptmann Stelzer. Sie sind nicht zu retten und haben keine positive Vision für die Menschen. Sie sind "ehrlose" system-gesteuerte Individuen, die wider besseres Wissen behaupten, was für den Menschen gut sein soll. Mehr Arbeit, obwohl wir nicht mehr Produkte brauchen, ist eine Form dieser Lüge. Der Umgang mit Geld die nächste (Illusion einer "naturgegebenen" Geldschöpfung).

Die Familie Kurzmann ist dabei indirekt der Politik in die Quere gekommen. Man will mit den letzten unversorgten IG-Milch Bauern zeigen, dass die "Ehrlosen" Macht haben, denn Gemeinschaftssinn hält sie nicht mehr in ihren Positionen. Die hohe Idee der Genossenschaften wird dabei leichtfertig verraten. Sie dient nicht mehr den Menschen sondern denen, die es sich richten können. Und der Wachstumskurs darf nicht in Frage gestellt werden. Diese Probleme haben die sogenannten "Milchrebellen" mittlerweile verstanden und auch artikuliert. Das ist nicht erwünscht.

Martin Kurzmann hat sich auf sehr hohem Niveau mit Ethik und einer "anderen" Zukunft auseinandergesetzt. Die weitere Auseinandersetzung der nächsten Wochen wird zeigen, welche Kollegen etwas behaupten, was sie nicht leben. Sie sitzen in einer Seifenblase und werden furchtbar schreien, wenn jemand ein Loch sticht. Dann wird auch auf Ethik verwiesen, aber auf eine andere Ethik. Wer im Glashaus oder in der Seifenblase sitzt, ist vielleicht weniger mächtig, als er glaubt?

Kulturelle Aspekte des Gemeinschaftlichen ....

Wie schauen Lebensräume aus, wo Familien, Gemeinschaften oder auch Einzelne menschlich leben können. Häufig sind sie geprägt von ausbeuterischer Arbeit oder es sind Betreuungseinrichtungen für gescheiterte Existenzen. Die Insel der Seeligen ist im schwinden begriffen, wo sich eine Familie ein Reich geschaffen hat, um letztlich die Pension zu genießen. Die Beziehungen zwischen den Personen lassen das oft nicht mehr zu. In Grein ist nicht zufällig der Sozialhilfeverband einer der großen Arbeitgeber. Die Arbeitsbedingungen dort, wäre ein eigenes Thema, was wie ein Spiegelbild auf die landwirtschaftliche Misere weist.

Die Familie Kurzmann zeigt, wie man im Vollerwerb einen Lebensraum schaffen kann, wo Wirtschaft, Rechtsraum und Gemeinschaftsraum zusammen fließen. Notwendig ist dazu eine gewisse Bescheidenheit und auch Einsatzbereitschaft. Was ist der Slogan "der Unterstützung der Fleißigen" wert, wenn das nicht gesehen wird?

Legitimation und Ausgleich der Ebenen

Ich möchte die Diskussion dazu nutzen, darauf hinzuweisen, dass die Familie Kurzmann nicht zufällig auf öffentliches Interesse stößt. Die Form der Landwirtschaft, wie sie auf diesem Hof betrieben wird, könnte maßgeblich sein für die Zukunft. Ein Lebensraum für eine ganze Familie entsteht, die in Zukunft wieder verstärkt Aufgaben übernehmen kann. Standeskollegen werten diese Form oft ab, weil sie auf Wachstum gedrillt sind und einen Vollerwerbsbetrieb dieser Art nicht verstehen. Wer stellt sich was vor und warum? Das Dir deine Logik logisch ist, liebes Bäuerlein, ist schon klar. Ist sie auch gut, Deine Logik?

Die Landwirtschaft in Österreich kann anhand dieses Beispieles auf breiterer Basis diskutiert werden. Oder muss die Familie aus politischen Gründen zusperren?

Mein Lebenszweck besteht vielleicht dann darin, mit meinem Finger auf die Ehrlosen zu zeigen? Meine Aufgabe ist es, Illusionen der Politiker aufzuzeigen und auf das dahinter stehende Kaufmannsdenken hinzuweisen? Meine Kraft reicht aus, es zu tun und mit diesem System samt Kirche zu brechen. Die Rolle der Kirche ist in der Landwirtschaft nicht zu unterschätzen. Sie versagt im Namen der Liebe?

Der Rat der Politiker und des Mannes im Bischofshut, tut selten gut!

Abschließend zur Frage des Liefervertrages:

Der Familie Kurzmann steht ein Liefervertrag zu weil sie einen Betrieb aufgebaut hat, der solide wirtschaftliche Grundlagen aufweist. Zudem wurde die Entwicklung des Betriebes mit Steuermittel gefördert und rechtliche Rahmenbedingungen wurden eingehalten. Weiters ist eine Genossenschaft da, um genau diese Struktur zu fördern. Die Familie Kurzmann hat einen kulturellen Raum geschaffen, der eigentlich im Begriff war, zu verschwinden. Diese kulturelle Basis könnte eine Diskussiongrundlage für eine neue Form der Landwirtschaft im Vollerwerb sein. Zudem geht es um einen Ausgleich und die Legitimation der Bereiche Wirtschaft-Politik-Kultur.
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Franz Leopold Hinterndorfer aus Melk | 09.04.2017 | 00:08   Melden
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