19.06.2017, 18:49 Uhr

Sekundenduell in der tschechischen 2WD-Staatsmeisterschaft

(Foto: Daniel Fessl)
MAUTHAUSEN, TSCHECHIEN. Ein totaler Reifenpoker wurde die Rallye Hustopece. In den tschechischen Weinbergen fuhren der 2WD-„Überflieger“ des Landes, Filip Mares und Simon Wagner, in einer eigenen Liga. Der Sekundenkrimi wurde beim Showdown schließlich durch einsetzenden Nieselregen entschieden. Simon setzte auf Trockenheit – der geplante Schlussangriff fiel damit buchstäblich ins Wasser. Doch Simon kann sich auch über den guten zweiten Platz freuen. Denn in seiner ersten Saison in der tschechischen Staatsmeisterschaft gehört er bereits zur absoluten 2WD-Spitze.


Ausfallsrate prägte Rallye

Es waren anspruchsvolle, Material und Piloten herausfordernde Straßen in den Weinbergen rund um das tschechische Hustopece. Zudem gab es einen hohen Schotter-Anteil, der auf viele Sonderprüfungen aufgeteilt war. Eine weitere Erschwernis waren die sowohl am Freitag als auch am Samstag wechselhaften Wetterbedingungen mit jeweils einsetzendem, unterschiedlich starkem Nieselregen – der vierte Lauf zur tschechischen Rallye-Staatsmeisterschaft war aufgrund dieser schwierigen Bedingungen gezeichnet von einer hohen Ausfallsrate: Von 104 gestarteten Teams sahen 44 keine Zielrampe , es gab zahlreiche Reifenschäden, aber auch Unfälle und technische Defekte.


Dreikampf wird zum Duell

Für Simon Wagner in seinem Sparrow Racing Peugeot 208 R2 waren diese Prüfungen komplett neu. Von Beginn an waren Simon und seine deutsche Copilotin Anne Katharina Stein in einen spannenden Dreikampf um die Spitze der tschechischen 2WD-Staatsmeisterschaft involviert. Die Konkurrenten Filip Mares und Karel Kupec kann man als die tschechische 2WD-Creme bezeichnen, allesamt wie Simon auf einem Peugeot 208 R2 unterwegs, alle hart am Limit, gefightet wird um jede Zehntelsekunde. Am Freitagabend wurde nach einem Reifenschaden von Kupec aus dem Dreikampf ein Duell. Am Ende der ersten Etappe fehlten Simon lediglich 5,6 Sekunden auf Mares, während der drittplatzierte Pilot bereits mehr als eine Minute zurücklag.

Zufriedenheit überwiegt

Noch knapper war es am Samstag: Nach den ersten 45 Sonderprüfungs-Kilometern lag Simon exakt eine Zehntelsekunde hinter Mares. Vor der allerletzten Sonderprüfung fehlten Simon 5,7 Sekunden. Das drittplatzierte Team lag bereits mehr als zwei Minuten zurück. Simon sagt: „Mit den gefahrenen Zeiten können wir sehr zufrieden sein. Wir können in unserer ersten Saison stets Spitzenzeiten fahre. Ich sehe das sehr positiv und ich habe hier schon sehr viel gelernt. Ich bin mir auch sicher, dass ich im Vergleich zum Vorjahr um einiges schneller geworden bin. Am Schluss wollte ich noch einmal alles geben und das Blatt wenden, ich wollte mir den Sieg holen.“

Showdown zum Abschluss

Die 22 Kilometer lange Abschlussprüfung wurde der Showdown eines über die gesamte Rallye hinweg tobenden Reifenpokers. Simon erzählt: „Wir haben abwechselnd die richtige und aber auch die falsche Reifenwahl getroffen. Der Nieselregen war ziemlich punktuell und es war schwer einzuschätzen, ob es jeweils regnen wird oder nicht.“ Schon am späten Freitagabend hat Simon auf der Schluss-Prüfung das „Pokerglück“ verlassen – am Samstag vor dem Showdown setzte er dennoch erneut auf Trockenreifen: „Sowohl der Wetterdienst unseres Sparrow Racing Teams als auch jener deutsche Dienst, mit dem wir zusammenarbeiten – all unsere Quellen sagten Trockenheit voraus. Leider war jedoch der Wind so stark, dass der Regen schneller aufkam, als unsere Quellen vorausgesagt haben.“ So kam das Feld in schweren Nieselregen. Womit der geplante Schlussangriff buchstäblich ins Wasser fiel. Doch Simon weiß: „Wir können dennoch zufrieden sein. Natürlich wollte ich den Sieg, aber wir können uns trotzdem über unsere Zeiten freuen, denn Filip Mares ist der Spitzenmann der 2WD schlechthin, ein ‚Überflieger‘. Und wir konnten nach dem Reifenschaden von Kupec als einziges Team bis zum Schluss mithalten. Diesmal hat uns halt das ‚goldene Händchen‘ bei der Reifenwahl gefehlt. Alles in allem sehe ich unsere Position aber sehr positiv.“


Anne Katharina Stein: „Höchst motiviert und professionell!“

Großes Lob spricht Simon Wagner seiner Copilotin Anne Katharina Stein aus. Die Stamm-Copilotin von Julian Wagner ist wegen einer Terminüberschneidung von Stammcopilot Gerry Winter kurzfristig eingesprungen, Simon erklärt: „Es war ein perfektes Zusammenspiel mit Anne Katharina, sie ist höchst motiviert und arbeitet sehr professionell. Da kann ich mich nur bedanken!“

Gerry Winter in der ERC auf dem Podium

Der erwähnte Stamm-Copilot Gerry Winter konnte am Sonntag mit einem Sensationsergebnis bei der zur Rallye-Europameisterschaft (ERC) zählenden Rallye Zypern glänzen: Gemeinsam mit dem Zyprioten Panikos Polykarpou wurde er auf einem Mitsubishi Lancer Evo IX unglaublicher Gesamt-Dritter. Simon sagt: „Alle Achtung! Das ist großartig, da kann man nur gratulieren!“


Julian Wagner kämpft um die ORM2WD

Anne Katharina Stein wird schon am kommenden Wochenende wieder im Einsatz sein, denn Julian Wagner kämpft bei der Schneebergland-Rallye um die österreichische 2WD-Staatsmeisterschaft (ORM2WD). Bei der anspruchsvollen Schotterrallye wird Julian in seinem Opel Adam R2 gegen den PS-Starken Citroen DS3 R3 von Michael Kogler um den 2WD-Sieg kämpfen. Der Meisterschaftsführende Daniel Wollinger will in einem Opel Corsa OPC Punkte sammeln.


Viele Österreicher bei der Rallye Hustopece

Simon Wagner wird natürlich auch im Schneebergland für seinen jüngeren Bruder die Daumen drücken respektive ihm auch mit Rat und Tat beistehen. Dass zur Rallye Hustopece so viele österreichische Fans kamen, um ihm die Daumen zu drücken, freut Simon Wagner sehr: „Es war toll, dass uns so viele heimische Fans angefeuert haben, das tut wirklich gut. Jetzt freu ich mich schon sehr auf die Schneebergland-Rallye.“
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